Mit neuen Geschäftsmodellen Produkte und Materialien in dauerhaften Kreisläufen führen
Die Circular Economy Initiative Deutschland
zeigt in einem heute erschienenen Bericht, wie Unternehmen den Ausstieg
aus der „Wegwerfgesellschaft“ hin zu einer zirkulären Wirtschaft einleiten
können, indem sie neue Geschäftsmodelle entwickeln. Die Initiative gibt
den Unternehmen für diesen Paradigmenwechsel 22 zirkuläre
Geschäftsmodellmuster an die Hand. Zudem fordert die Initiative die
Politik auf, diesen Wandel zu beschleunigen, indem sie Unternehmen stärker
relativ zu Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung belastet und im
Ausgleich den Faktor Arbeit, der für die arbeitsintensiven
Kreislaufprozesse verstärkt benötigt wird, verbilligt.
Die Circular Economy markiert einen Paradigmenwechsel weg von einem linear
strukturierten „Take-Make-Waste“-Wirtschaftsm
Zirkularität und damit weniger Abfall. Für diesen Wechsel müssen alle
beteiligten Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft
und Gesellschaft umdenken und zusammenwirken. Für Unternehmen beginnt
dieses Umdenken bei der Produktneugestaltung und erfordert anschließend
eine konsistente Neuausrichtung aller nachgelagerten Wirtschaftsprozesse,
also Produktion, Auslieferung, After-Sales Service, Rückgabe und
Wiederverwendung oder Wiederaufbereitung.
Co-Leiter der Arbeitsgruppe der CEID zu zirkulären Geschäftsmodellen
Patrick Wiedemann (Reverse Logistics Group) sagt: „Unser Ziel ist es,
systemische Lösungen zu identifizieren und zu beschreiben, die dabei
helfen, zirkuläre Geschäftsmodelle in der Praxis zu verankern. Die
Wirtschaft muss dabei eine Führungsrolle einnehmen, indem sie mit neuen,
auf die Circular Economy ausgerichteten zirkulären Geschäftsmodellen und
damit verbundenen radikalen Innovationen bei Produkten, Verfahren und
Organisationsformen für Unternehmen experimentiert und in diese
investiert.“ Die Arbeitsgruppe veranschaulicht das in ihrer neuen
Publikation am Beispiel eines Fernsehers. Patrick Wiedemann erläutert aus
Sicht von Nutzerinnen und Nutzern: „Bisher kaufen wir einen Fernseher und
entsorgen ihn dann irgendwann. Wir könnten ihn aber, wenn Unternehmen
entsprechende Angebote schaffen, genauso gut leasen und später ans
Unternehmen zurückgeben, so wie wir es zum Beispiel schon mit Autos tun.
Denkbar wäre auch, dass wir sogar nur in solchen Momenten für den
Fernseher zahlen, wo er auch tatsächlich läuft. Hier sind neue Ansätze und
Kreativität gefragt.“
Wie Unternehmen ihre Geschäftsmodelle entsprechend umstellen können, zeigt
die Arbeitsgruppe an 22 Geschäftsmodellmustern und zugehörigen Best-
Practice Beispielen, mit denen sie Praktikerinnen und Praktikern
Hilfestellungen bietet, wie sie ihre Wertschöpfungsketten und
Geschäftsmodelle im Sinne einer Circular Economy umgestalten können. Für
Produzenten eröffnet sich durch zirkuläre Geschäftsmodelle beispielsweise
ein neues Leistungsangebot „Produkte wie neu“ welches auf vom Kunden
rückgeführten, reparierten, und technologisch aufgerüsteten Produkten,
Maschinen oder Komponenten basiert, die dann zu wettbewerbsfähigeren
Preisen wiedervermarktet werden. Produzenten können mit zirkulären
Geschäftsmodellen auch über die übliche Garantiezeit hinaus Wartungs- und
Reparaturdienstleistungen Ihren Kunden anbieten und so an der längeren
Nutzung ihrer Produkte wirtschaftlich partizipieren.
Co-Arbeitsgruppenleiter Erik G. Hansen (Leiter Institute for Integrated
Quality Design, Johannes-Kepler-Universität Linz) erläutert: „Die
Weiterentwicklung von produktionsorientierten Unternehmen zu
Dienstleistungsökosystemen, in denen in unterschiedlichen
Partnerkonstellationen gemeinsam innovative Dienstleistungen für die
aufeinanderfolgenden Phasen im Produktlebensweg angeboten werden – das
heißt, die Produktverantwortung über den gesamten Produktlebensweg
wahrzunehmen und ökonomisch nutzbar zu machen – ist der Schlüssel zur
Circular Economy“.
Die Geschäftsmodellmuster zeigen auch auf, mit welchen Partnern im
Wertkreislauf zusammengearbeitet werden kann, um möglichst dauerhafte und
qualitativ hochwertige Material-, Komponenten- und Produkt-Kreisläufe zu
erreichen. An solchen Geschäftsmodellmustern wird schnell deutlich, wo
noch Barrieren liegen, die das zirkuläre Wirtschaften erschweren. So
braucht es zum Beispiel transparente, international gültige
Qualitätsstandards für Materialien, Komponenten und Produkte, die mit
Unterstützung der Bundesregierung von der Wirtschaft auf nationaler und
internationaler Ebene etabliert werden müssen. Diese kreislaufbezogenen
Daten und Standards sollten dabei bevorzugt offen und nicht
herstellerspezifisch abrufbar sein, um die Materialien und Produkte
bestmöglich im Kreislauf halten zu können.
Eine Transformation des Wirtschaftssystems hin zu einer Circular Economy
wird nur möglich, wenn alle relevanten Akteurinnen und Akteure aktiv
werden und eng zusammenarbeiten. Entsprechend wurden von der Arbeitsgruppe
Handlungsempfehlungen für verschiedene Interessengruppen entwickelt und
ihnen ein zeitlicher Rahmen gegeben.
Aufgabe der Regierungen ist es laut der Arbeitsgruppe über die
Standardisierung hinaus zum Beispiel, moderne Circular-Economy-Praktiken
gezielt zu unterstützen – also den Unternehmen wirtschaftliche Anreize zu
setzen. So sei es zum Beispiel notwendig, Unternehmen stärker relativ zur
Höhe ihrer Ressourcenverbräuche und Umwelteffekte zu belasten und
gleichzeitig den Faktor Arbeit, der für die arbeitsintensiven Prozesse in
der Circular Economy vermehrt benötigt wird, steuerlich zu entlasten. Das
führe dazu, dass Unternehmen stärker innovative Geschäftsmodelle
entwickeln und dann wesentlich zu einer absoluten Reduzierung von
Ressourcenverbrauch, schädlichen Emissionen und Abfall beitragen können.
„Es stehen jedoch nicht nur Unternehmen und Politik in der Verantwortung,
auch wir als Nutzerinnen und Nutzer sind gefragt, uns für die auf
zirkulären Geschäftsmodellen basierenden Produkte und Dienstleistungen zu
entscheiden. Dies muss auch durch transparente Produktinformationen in
Bezug auf den gesamten Lebensweg unterstützt werden“, ergänzt Erik G.
Hansen. Öffentliche Institutionen könnten an dieser Stelle im Rahmen des
öffentlichen Beschaffungswesens eine Vorbildrolle im Einkaufsverhalten
einnehmen. Langfristig müsse der Übergang zu einer Circular Economy durch
eine zentrale Stelle auf nationaler und europäischer Ebene
institutionalisiert werden.
