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Biodiversität als Chance. Handeln. Jetzt.

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Die digitale „Konferenz der Arten III“ endete heute mit einem großen
Anliegen der mehr als 300 Teilnehmenden: Es ist jetzt nötig, zu handeln,
um die abstürzende Kurve des Biodiversitätsverlustes wieder nach oben zu
biegen – und zwar auf allen Ebenen! Im Privaten, an den Schule,  in der
Politik und in der Verwaltung. Es ist dringend notwendig, aktiv zu werden
und das Artensterben zu stoppen. Die Energiewende darf nicht auf Kosten
der Biodiversität gehe,n und die Klimakrise kann nicht ohne die
Biodiversitätskrise gedacht werden. Mit mehr Vernetzung und mehr Austausch
durch gemeinsames Handeln können nachhaltige Lösungen entstehen, die die
Welt lebenswerter machen.

Die Tagung dauerte zwei Tage und fand im Rahmen der „Bonner Thementage der
Biodiversität“ statt.

„Das Fazit im Rahmen der Bonner „Konferenz der Arten III“ ist eindeutig:
wir müssen handeln, um gegen die Biodiversitätskrise vorzugehen. Es gibt
in unserem Land viele Menschen, die sich enorm engagieren und handeln“,
meint Prof. Dr. Bernhard Misof, Generaldirektor des Leibniz-Instituts zur
Analyse des Biodiversitätswandels (LIB). Der Austausch zwischen
Wissenschaft, Politik, Nichtregierungsorganisationen,
Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern, Lehre oder Schule
gelingt und macht Hoffnung. Das kooperative Treffen zeigte sehr deutlich,
wie groß die Notwendigkeit ist, sich jetzt gemeinsam für die Umwelt und
die Gesellschaft zu engagieren - und wieviel man voneinander lernen kann.

Im Rahmen der Vorträge, Workshops und in den virtuellen Diskussionsräumen
sind unglaublich viele neue mögliche Aktivitäten zur Förderung der
Artenvielfalt genannt worden. „Diese Tagung kann ein echter Motor zur
Entwicklung von Strategien sein, das Thema Biodiversität in die Mitte der
Gesellschaft zu rücken und damit das Leben der Menschen nachhaltig zu
verbessern“ freut sich Misof über den Erfolg.

Gerade Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftler helfen
Menschen zu motivieren und Wissen weiter zu geben. Das
Biodiversitätsmainstreaming wird wahr. Die Einflussnahme von Menschen an
Entscheidungsprozessen ist ein wichtiges Gestaltungsprinzip für echten
Fortschritt in der Entwicklung von Maßnahmen zum Nutzen der Biodiversität.
Die“ Konferenz der Arten“ hat uns in wunderbarer Weise gezeigt, dass
engagierte Bürger vieles wissen und noch mehr Wissen schaffen. So
gestalten Menschen  ihre eigenen, lokalen Communities und bringen sich auf
unterschiedliche Art und Weise ein. Wir als Gesellschaft müssen dies
fördern.

In der Öffentlichkeit muss das Bewusstsein für die Bedeutung der
Biodiversität steigen. Mit „True Cost Accounting“ Standards zu setzen,
also die wahren Kosten eines Produkts oder einer Dienstleistung
vergleichbar berechenbar zu machen, wird sich positiv auf
Unternehmensaktivitäten, Umwelt und Gesellschaft auswirken. „Payment for
Ecosystem Services“ (PES) kann dabei finanzielle Anreize bieten mit dem
Ziel, die Umwelt zu schützen.

„Die Landwirtschaft steht natürlich in einem besonderen Fokus. Viele Arten
gibt es heute bereits nicht mehr, weil sie zum Beispiel durch Fehler in
der Vergangenheit im Rahmen der Flurbereinigung verloren gegangen sind“,
ergänzt Professor Dr. Christoph Scherber, Leiter des Zentrums für
Biodiversitätsmonitoring und Naturschutzforschung (zbm) am LIB und
inhaltlicher Mit-Organisator der Tagung. Notwendig sei also auch eine
Restaurierung der früheren Artbestände. Landwirtschaft müsse auf breiter
Fläche artenreicher werden, zum Beispiel durch Mischfruchtanbau,
Untersaat, Zwischenfrüchte und bunte Fruchtfolgen, aber auch durch
innovative Technologien sowie durch die Reduktion der Auswirkungen von
Pflanzenschutzmitteln auf die Umwelt.

Es existieren bereits viele Daten zu auffälligen Arten, wie Schmetterlinge
oder Vögel, aber  für viele ökologisch wichtige Tierarten wissen wir viel
zu wenig. Dies scheitert oft auch am Geld, daher ist es notwendig den
Kapitalmarkt zu mobilisieren und weiterzuentwickeln.

In den letzten 10 Jahren ist die Artenkenntnis sehr viel schlechter
geworden. Entsprechend muss die Artenkenntnis zurück in die Schule.
Curricula sollten überdacht und gegebenenfalls überarbeitet werden.

Insgesamt, so das Fazit der Veranstaltung, erfordert Biodiversität als
breites öffentliches Thema dieselbe Aufmerksamkeit wie der Klimawandel.
Das Aussterben einer Art lässt sich nicht rückgängig machen, und wir
brauchen die „Konferenz der Arten“, um uns zu vernetzen und auszutauschen.

Hintergrundinformationen:

Nach 2016 in Berlin und 2019 in Bonn organisierte das LIB Museum Koenig
die Konferenz der Arten in diesem Jahr in einem reinen Onlineformat über
eine virtuelle Veranstaltungsplattform.

Das Programm stand  unter dem Motto „Biodiversität als Chance“: Welche
Chancen kann die Biodiversität für unsere Landwirtschaft, unsere Ökonomie,
unsere Landschaften, unsere Städte und Regionen, unsere Bildung und
insbesondere für unsere Gesellschaft bieten? Die Themen Schutz der
Artenvielfalt, Taxonomie, Monitoring, Datenaustausch, Artenkenntnis wurden
in vielfältigen Programmformaten aufgegriffen. Im Fokus standen auch
wieder Citizen Sciences, denn in den sogenannten Bürgerwissenschaften
liegt ein riesiges Potenzial – von der Erfassung von Daten bis zum
Wissenstransfer. Der Biodiversitätsschutz gewinnt immens durch die
Verbindung von Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Zum Konferenzprogramm:
https://bonn.leibniz-
lib.de/dateien/dokumente/programm_konferenz_der_arten_7.pdf

Weitere Informationen:
https://bonn.leibniz-lib.de/de/artenkonferenz2021

Die „Konferenz der Arten“ wurde jetzt erstmalig zusammen mit der Konferenz
„FörTaxCon“ vom 18. bis zum 19. November 2021 durchgeführt. Letztgenannte
Konferenz wird durch das FörTax Projekt ausgerichtet, dem Projekt zur
Förderung von taxonomischem Wissen als Grundlage für den Naturschutz.
Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und
nukleare Sicherheit (BMU) gefördert. Beide Konferenzen bilden die „Bonner
Thementage der Biodiversität“.

Alle drei „Konferenzen der Arten“ wurden aus Mitteln des "Aktionsplans der
Leibniz-Forschungsmuseen" gefördert und sollen regelmäßig, alle zwei Jahr
veranstaltet werden.

Über das LIB
Das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) widmet
sich der Erforschung der biologischen Vielfalt und ihrer Veränderung. Seit
dem 1. Juli 2021 arbeiten unsere Forschenden an zwei Standorten: dem
Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn sowie dem
ehemaligen Centrum für Naturkunde in Hamburg. Generaldirektor ist Prof.
Dr. Bernhard Misof, der das LIB standortübergreifend leitet.

Über die Leibniz-Gemeinschaft
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 96 Forschungsinstitute und
wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei
assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von
den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-,
Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften.
Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an
Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder
fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam.