Studie mit WHU-Beteiligung attestiert Neobrokern günstigere Transaktionen an der Börse
Sogenannte Neobroker verlangen im Verhältnis zu traditionellen Banken
geringere Gebühren beim Handeln an der Börse. Dies betrifft sowohl die
impliziten Gebühren bei der Ausführung der Order als auch die expliziten
Kosten, sprich die Kosten, die für die Nutzung des Brokers anfallen. Zu
diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Beteiligung der WHU - Otto
Beisheim School of Management.
Insbesondere in den vergangenen zwei Jahren ist sie deutlich angestiegen:
die Zahl der Kleinanleger. Allein in Deutschland waren im vergangenen
Jahr, verglichen mit dem Jahr 2019, 2,7 Millionen Menschen mehr in Aktien,
Aktienfonds oder aktienbasierten Indexfonds (ETFs) investiert. Mit den
Kleinanlegern hat auch die Zahl sogenannter Neobroker zugenommen. Sie
stellen eine neue Art von Online-Brokern abseits der traditionellen Banken
dar und werben damit, ihren Kunden das Handeln (engl.: Trading) beinahe
zum Nulltarif zu ermöglichen. Einer dieser Neobroker ist Trade Republic.
In seinem Auftrag wurde nun eine Studie erstellt, die vergleicht, wie
günstig oder teuer der Handel mit Trade Republic im Vergleich zum
Referenzmarkt Xetra, dem bedeutendsten deutschen Börsenhandelsplatz, ist.
Die Studie wurde in Kooperation von Prof. Dr. Lutz Johanning von der WHU -
Otto Beisheim School of Management sowie Prof. Dr. Steffen Meyer und Dr.
Charline Uhr von der University of Southern Denmark and Danish Finance
Institute erstellt. Untersucht wurden die impliziten Kosten
(Ausführungskosten der Order) und expliziten Kosten (direkte Gebühr für
die Nutzung des Online-Brokers) von über zwei Millionen Transaktionen an
der Börse. Das Ergebnis zeigt, dass Nutzer von Trade Republic einen
Preisvorteil von durchschnittlich 52 Cent pro 1.000 Euro Order hatten. Der
Spread, also die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs eines
Vermögenswertes, ist im Schnitt um knapp 43 Prozent besser als der des
deutschen Haupthandelsplatzes XETRA.
Neobroker waren in der Vergangenheit in die Kritik geraten, weil der
Verdacht bestand, sie würden die jeweilige Kauforder des Kunden nicht am
günstigsten Handelsplatz ausführen lassen, sondern dort, wo sie von den
Handelsplätzen die höchste Erstattung erhielten. Da Neobroker beim Handel
kaum oder keine Gebühren von ihren Kunden erheben, finanzieren sie sich
überwiegend durch die Rückvergütung, die sie von den jeweiligen
Handelsplätzen erhalten, an die sie die Orders der Kunden weitergereicht
haben (Payment for Orderflow oder PFOF). Innerhalb der EU-Kommission
werden derzeit Pläne gehegt, das PFOF im Rahmen der Überarbeitung der
sogenannten Mifid-Finanzmarktrichtlinie gänzlich zu verbieten. Kritiker
führen an, dass ein solches Verbot den Wettbewerb zwischen den
Handelsplätzen zum Schaden der Anleger verfälschen würde. Die
umfangreichen Daten der Studie machen nun deutlich, dass, zumindest im
Falle von Trade Republic, Neobroker sehr wohl im Sinne ihrer Kunden
handeln und im Durchschnitt sogar bessere Konditionen bieten als der
Handelsplatz Xetra.
Methodik
Für die Studie „Private investors and the emergence of neo-brokers: Does
payment for order flow harm private investors?” wurden die impliziten und
expliziten Kosten beim Handeln von Vermögenswerten von 100.000 zufälligen
Trade Republic Kunden ausgewertet, die ihr Konto vor Juli 2020 bei dem
Broker eröffnet hatten. Untersucht wurden 2,2 Millionen ihrer
Transaktionen über das Portal Trade Republic im Verhältnis zu den Kosten,
die beim Handel am Xetra-Handelsplatz angefallen wären.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Lutz Johanning: https://www.whu.edu/de/fakulta
accounting-group/empirical-cap
Meyer, S./Uhr, C./Johanning, L. (2021): Private investors and the
emergence of neo-brokers: Does payment for order flow harm private
investors?
