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Online-Programm zur Weltraumforschung und Live-Schalte zur ISS mit ESA- Astronaut Matthias Maurer

ESA-Astronaut Matthias Maurer zeigt eine Materialprobe von Professor Frank Mücklich auf der ISS  ESA/NASA
ESA-Astronaut Matthias Maurer zeigt eine Materialprobe von Professor Frank Mücklich auf der ISS ESA/NASA
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ESA-Astronaut Matthias Maurer hat an der Universität des Saarlandes
Materialwissenschaft studiert und betreut derzeit Forschungsprojekte der
Saar-Universität auf der Weltraumstation ISS. Am 26. Januar wird er in
einer 20-minütigen Live-Schalte von seiner wissenschaftlichen Arbeit
berichten. Als Begleitprogramm gibt es Online-Vorträge über die
saarländische Weltraumforschung sowie Präsentationen der Deutschen Luft-
und Raumfahrtbehörde und ESA. Das Programm wird in der Aula der
Universität des Saarlandes aufgezeichnet und von 14:00 bis 16:15 Uhr live
gestreamt.

Den Livestream kann man auf dem Youtube-Kanal der Universität anschauen,
auch nach der Veranstaltung ist er dort verfügbar. Info: www.uni-
saarland.de/iss-live

ESA-Astronaut Matthias Maurer zeigt eine Materialprobe von Professor Frank Mücklich auf der ISS  ESA/NASA
ESA-Astronaut Matthias Maurer zeigt eine Materialprobe von Professor Frank Mücklich auf der ISS ESA/NASA

ESA-Astronaut Matthias Maurer ist nicht nur seiner saarländischen Heimat
eng verbunden, er pflegt auch besondere Beziehungen zur Universität des
Saarlandes. Daher wurde diese ausgewählt für eine 20-minütige Live-Schalte
zur Internationalen Raumstation ISS, bei der Matthias Maurer am 26. Januar
ab 15:30 Uhr von seiner aktuellen Forschungstätigkeit berichten wird. Die
Fragen dazu werden Ministerpräsident Tobias Hans, Universitätspräsident
Manfred Schmitt und Professor Frank Mücklich in der Aula der Universität
stellen. Von dort werden auch die Vorträge zur Weltraumforschung per
Videoaufzeichnung live übertragen, coronabedingt wird die Veranstaltung
ausschließlich online angeboten.

Bereits um 14 Uhr starten die jeweils zehnminütigen Vorträge, die von
Jürgen Rinner moderiert und durch Fragen begleitet werden. Sie geben auf
allgemeinverständliche Weise einen Einblick in die Weltraumforschung an
der Universität des Saarlandes und dem Deutschen Forschungszentrum für
Künstliche Intelligenz (DFKI). Zudem führen Vertreter des Deutschen
Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der Europäischen Weltraumbehörde ESA
in die „Cosmic Kiss“-Mission von Matthias Maurer ein und stellen die Erd-
und Umweltbeobachtung vor.

Informationen zu den Vorträgen zur Weltraumforschung:

Bei Frank Mücklich, Professor für Funktionswerkstoffe der Universität des
Saarlandes, hat Matthias Maurer sein Diplom abgelegt. Die beiden blieben
in Kontakt und tauschten sich immer wieder über materialwissenschaftliche
Fragestellungen aus. Ein glücklicher Zufall führte dazu, dass Professor
Mücklich im Rahmen eines ESA-Projektes im August 2021 Materialproben auf
die ISS schicken konnte, die nun in verschiedenen Experimenten von
Matthias Maurer persönlich betreut werden. Dabei geht es um neuartige
Oberflächen gegen Bakterien, die auch auf der Weltraumstation ISS zum
Problem werden können, wenn Astronauten wie Matthias Maurer über Monate
isoliert von der Erde dort leben. Über häufig kontaktierte Oberflächen
können sich die Bakterien vermehren und innerhalb der Raumstation
ausbreiten. Um dies zu unterbinden, haben Frank Mücklich und sein Team
verschiedene Materialoberflächen mit Lasern auf Mikroebene strukturiert.
Damit wird den Bakterien die Anhaftung an den Oberflächen erschwert.

Das Team um Ralf Busch, Professor für Metallische Werkstoffe, hat bereits
2020 die Zusage der Europäischen Raumfahrtagentur ESA erhalten, dass auch
sie an Bord der ISS experimentieren dürfen. Die Spezialisten für
"metallisches Glas" wollen eine neu entwickelte Legierung unter
Schwerelosigkeit untersuchen. Metallische Gläser zeichnen sich durch ihre
spezielle Zusammensetzung auf atomarer Ebene aus. Die heiße Metallschmelze
wird blitzartig abgekühlt, so dass keine klassische Legierung entsteht,
deren Atome sich während des lang andauernden Abkühlens in einem
regelmäßigen Kristallgitter anordnen.

Holger Hermanns, Informatik-Professor der Universität des Saarlandes,
beschäftigt sich mit Nano-Satelliten, die ungefähr so groß wie ein
Schuhkarton sind und hochtechnisiert bald zu Zehntausenden in der
Erdumlaufbahn herumfliegen. Diese können zum Beispiel hochauflösende Fotos
unseres Planeten schießen oder Telekommunikationsnetzwerke verstärken. Das
kostet jedoch Energie und diese Ressource ist bei den kompakten Hightech-
Geräten knapp. Holger Hermanns zeigt, wie der Energieverbrauch von Nano-
Satelliten so geplant werden kann, dass sie stets optimal arbeiten, ohne
ihre Batterien jemals zu überlasten. Der Informatik-Professor bietet zudem
jedes Jahr eine spezielle Weltraumvorlesung zum Thema „Space Informatics“
an.

Daneben gibt es jetzt eine weitere regelmäßige Weltraumvorlesung an der
Universität des Saarlandes und zwar zur Weltraummedizin, die nicht nur
Medizin-Studierenden offensteht. Sie wird von Bergita Ganse angeboten, die
seit einem Jahr Professorin für Innovative Implantatentwicklung der
Universität des Saarlandes ist und sich schon viel länger für alles, was
mit dem Weltraum zusammenhängt, begeistert. Gemeinsam mit ihrem Bruder,
einem Astrophysiker, hat sie „Das kleine Handbuch für angehende
Raumfahrer“ geschrieben, das sich an ein junges Publikum richtet. Am 26.
Januar wird sie von ihrer Muskelforschung auf der ISS berichten, die sie
zusammen mit nationalen und internationalen Partnern betreibt. Beim
Aufenthalt in der Schwerelosigkeit kommt es bereits nach kurzer Zeit zu
einem deutlichen Verlust an Muskelmasse und Muskelkraft, einem Abbau der
Knochen sowie zu Veränderungen der Bandscheiben. Für zukünftige
Langzeitmissionen, zum Beispiel zum Mars, sucht die Forscherin nach
Gegenmaßnahmen und verbesserten Trainingsmethoden.

Volker Schmid ist ESA-Delegierter und "Cosmic Kiss"-Missionsleiter im
Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLF) in Bonn. Er wird in seinem
Vortrag zum Thema "Cosmic Kiss – Matthias Maurer auf der ISS" erläutern,
wie sich der ESA-Astronaut auf die Weltraummission vorbereitet hat. Zudem
wird er auf einige der hundert wissenschaftlichen Experimente eingehen,
die von Matthias Maurer auf der ISS betreut werden, darunter sind 36 mit
deutscher Beteiligung. Ihr Spektrum reicht von der Grundlagenforschung bis
hin zur Anwendung in Bereichen wie Lebenswissenschaften,
Materialwissenschaft, Physik, Biologie, Medizin, Technologieentwicklung
und Künstliche Intelligenz sowie Erdbeobachtung.

Die Europäische Weltraumorganisation ESA wird von Pascal Gilles,
Abteilungsleiter in der Direktion für Erdbeobachtung, präsentiert. Er wird
auf die Erd- und Umweltbeobachtung aus dem All eingehen, die von der ESA
bereits seit 1977 betrieben wird. Zuerst stand die Wetterbeobachtung durch
die Satelliten der Meteosat-Reihe im Mittelpunkt, inzwischen liefern auch
die Satelliten ERS-1, ERS-2 und Envisat eine Fülle wertvoller Daten über
die Erde, das Klima und die sich wandelnde Umwelt. Sie helfen
Wissenschaftlern dabei, die Auswirkungen der globalen Erwärmung besser
vorhersagen zu können. Der Europäischen Weltraumbehörde ESA gehören 22
Mitgliedstaaten in Europa sowie weitere assoziierte Mitglieder an.

Um Künstliche Intelligenz in der Erdbeobachtung wird es in dem
abschließenden Vortrag von Philipp Slusallek gehen. Der Informatik-
Professor und wissenschaftliche Direktor am Deutschen Forschungszentrum
für Künstliche Intelligenz (DFKI) zeigt, wie der Einsatz von KI dem
gesamten Spektrum der Raumfahrt neue Möglichkeiten eröffnen. So kann das
Wissen aus den enormen Datenströmen, die Erdbeobachtungssatelliten ebenso
wie Sonden in unserem Sonnensystem liefern, besser extrahiert werden.
Zudem können damit die Autonomie und Zuverlässigkeit von Satelliten
gesteigert werden. Um neue KI-Technologien und -Anwendungen für den
Einsatz in der zivilen Raumfahrt zu entwickeln, haben die Europäische
Weltraumorganisation ESA und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche
Intelligenz (DFKI) im vergangenen Jahr ein gemeinsames Forschungslabor,
das ESA_Lab@DFKI, gegründet.