Neue Wege für die Bewirtschaftung wiedervernässter Moorböden in Brandenburgs Luchgebieten
Innovative Lösungen zur Bewirtschaftung wiedervernässter Flächen stehen im
Fokus eines Anfang 2022 gestarteten Projekts, das den
Transformationsprozess der Landnutzung auf nassen Mooren zum Klimaschutz
voranbringen soll. Das ATB wird dabei Lösungen für regionale
Wertschöpfungsketten erarbeiten, u.a. im Bereich von Fasern für
Papierprodukte oder Torfersatzstoffe. Das vom Landesamt für Umwelt (LfU)
koordinierte Vorhaben „Brandenburgs Luchgebiete klimaschonend bewahren -
Initiierung einer moorerhaltenden Stauhaltung und Bewirtschaftung (BluMo)“
ist eines von vier Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz, die das BMUV mit
insgesamt 48 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren fördert.
Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekte durch Moorbewirtschaftung und
verbesserten Landschaftswasserhaushalt stehen nicht nur auf Brandenburgs
politischer Agenda ganz weit oben. Brandenburg will für seine
Klimaschutzziele 2030 jährlich 700.000 Tonnen CO2-Äquivalente über den
Moorbodenschutz einsparen, u.a. durch die Wiedervernässung von
Niedermooren und den Torfschutz. Brandenburg verfügt über 165.000 ha
Niedermoorflächen. Vorsichtige Berechnungen gehen davon aus, dass allein
für die 750 ha Demonstrationsflächen im Projekt ‚BluMo‘ bei der Anhebung
des mittleren Jahreswasserspiegels um 30 cm die Klimawirkung bei 3.249 t
CO2-Äq. pro Jahr läge, für die Einzugsgebiete bei mindestens 11.250 t
CO2-Äq. pro Jahr.
Auf den bis dahin landwirtschaftlich genutzten Flächen werden dann jedoch
andere Pflanzenarten wie Schilf, Seggen, Rohrglanzgras oder Gehölze wie
die Schwarzerle dominieren. Für eine Umstellung auf eine moorschonende
bzw. moorerhaltende Bewirtschaftung durch Paludikultur, also eine
landwirtschaftliche Produktion durch Anbau von Kulturen auf
wiedervernässten organischen Böden, fehlt es derzeit an praktikablen und
rentablen Beispielen.
„Vor langer Zeit bedeutete die Trockenlegung der Moore und das Erschließen
fruchtbaren Bodens einen großen Fortschritt für die Landwirtschaft. Heute
wissen wir, dass damit hohe Treibhausgasemmissionen verbunden sind. Im
Projekt ‚BluMo‘ wollen wir zeigen, dass nicht nur ein Wiedervernässen
dieser Flächen machbar ist, sondern auch, dass sich diese Flächen
zukünftig nachhaltig nutzen lassen. Hierfür werden wir in ‚BluMo‘
gemeinsam mit der Landwirtschaft die erforderlichen Verfahren entwickeln“,
fasst ATB-Wissenschaftler Dr. Ralf Pecenka die Forschungsaufgaben für sein
Team zusammen. Die Wissenschaftler*innen haben bereits erste
Nutzungsoptionen für Biomasse aus Paludikultur erarbeitet und bringen
diese Expertise in die Projektarbeit ein.
Mit der Einrichtung von langjährigen Demonstrationsflächen in einer
Größenordnung von mindestens 750 ha für Pflanzenbestände, die noch keine
wirtschaftliche Rolle in Deutschland spielen, wie Seggen, Schilf und
Rohrkolben, betritt ‚BluMo‘ Neuland. Partner im Projekt sind das Landesamt
für Umwelt (LfU) Brandenburg (Koordination) und das Leibniz-Institut für
Agrartechnik und Bioökonomie (ATB). Gemeinsam werden sie moorangepasste
Bewirtschaftungsformen etablieren und aufzeigen, wie eine Verwertung von
Biomasse aus nassen Mooren wirtschaftlich funktionieren kann. Damit will
‚BluMo‘ Landwirten entscheidende Impulse geben hin zu einer
Richtungsänderung im Umgang mit den Mooren. Die Einrichtung einer
Beratungsstelle für nasse Moorbewirtschaftung und Biomasseverwertung im
Rhinluch, dem zweitgrößten Moor Brandenburgs, soll den Prozess
unterstützen. Aus Sicht der Landwirte kann eine erfolgreiche Umstellung
auf nasse Moornutzung jedoch nur gelingen, wenn eine ausreichende
wirtschaftliche Verwertung der produzierten Biomasse und
Planungssicherheit möglich sind.
Zu den Aufgabenschwerpunkten des ATB im Projekt gehört daher die
Entwicklung einer moorangepassten Bewirtschaftungstechnik sowie rentabler
Verwertungslösungen für die erzeugte Biomasse. Das ATB wird seine
jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Technik- und
Verfahrensentwicklung einbringen und einerseits etablierte Verfahren
anpassen sowie für die besonderen rohstoffspezifischen Anforderungen von
Paludikultur-Pflanzen neue Lösungen entwickeln. Während es im Bereich der
moorangepassten Bewirtschaftungstechnik bereits vereinzelte
marktverfügbare Geräte gibt, beispielsweise Pistenraupen-Fahrzeuge für die
bodenschonende Befahrung, hinken die technischen Möglichkeiten einer
stofflichen Verwertung nasser Biomasse deutlich hinterher. Hier geht es im
Sinne einer kaskadischen Biomassenutzung vorrangig um eine stoffliche
Verwertung, die gegenüber einer energetischen Nutzung eine höhere
Wertschöpfung mit besserer Klimabilanz verspricht.
„Unser Ziel ist es, Verfahren zur Herstellung von Fasern aus Paludikultur-
Biomasse für Torfersatz, Einstreupellets oder Plattenwerkstoffe zu
entwickeln. Dabei setzen wir unter anderem auf unsere umfangreichen
Erfahrungen bei der Verarbeitung verschiedener Pflanzenfasern wie Hanf
oder Nessel“, erklärt Dr. Ralf Pecenka. „Wir haben bereits
vielversprechende Versuchsergebnisse mit Produktmustern aus Paludikultur-
Biomasse erzielt - und wir haben Ideen, wie regionale Wertschöpfungsketten
z. B. im Bereich von Fasern für Papierprodukte oder Dämmstoffe künftig
aussehen könnten.“
Ende 2027 sollen erste Verfahrenslösungen zur stofflichen Verwertung von
Biomasse aus Paludikultur im Praxismaßstab demonstriert werden. Bis zum
Projektende 2030 werden diese dann schrittweise unter Einbeziehung aller
Akteure aus Landwirtschaft und Industrie zu regionalen, quervernetzten
Nutzungskonzepten für Moorbiomasse weiterentwickelt.
Förderung: Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare
Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) fördert mit insgesamt 48 Millionen
Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren (2021 bis 2031) vier
Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz in den wichtigen großen Moorregionen
Deutschlands: in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg
und Bayern. Die Vorhaben repräsentieren die wichtigen großen Moorregionen
in Deutschland und berücksichtigen die Besonderheiten der jeweiligen
Moortypen und Regionen. Ziel ist es, Lösungen zur Senkung der
Treibhausgas-Emissionen aus bewirtschafteten Moorböden aufzuzeigen und
Erkenntnisse für den Klimaschutz zu gewinnen. Projektträger für die
Vorhaben ist die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH. Das in
Brandenburg angesiedelte Vorhaben ‚Brandenburgs Luchgebiete klimaschonend
bewahren - Initiierung einer moorerhaltenden Stauhaltung und
Bewirtschaftung‘ wird vom Landesamt für Umwelt Brandenburg (LfU,
Koordination) und dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie
e.V. (ATB) bearbeitet. Die Förderung des ATB im Projekt beträgt knapp 1,6
Mio. Euro. Die Laufzeit beträgt 10 Jahre (01.01.2022 – 31.12.2031).
