Symposium der Muthesius Kunsthochschule: "Let’s Get Sustainable: Art, Design and Architecture"
Wie können Natur, Umwelt und Mensch in ein ökologisches Gleichgewicht
kommen? Kunst, Design und Architektur arbeiten an je eigenen
Lösungsansätzen. Um ihre Positionen geht es im digitalen Symposium "Let's
Get Sustainable: Art, Design and Architecture" der Muthesius
Kunsthochschule Kiel. Es widmet sich Ökologie und Nachhaltigkeit in Kunst,
Design und Architektur. Von Mittwoch, 26., bis Freitag, 28. Januar, werden
Akteurinnen und Akteure nach ihren Perspektiven auf eine Ökologie befragt,
die nicht erst in der Zukunft beginnt, sondern heute durch Gestaltung
Verantwortung übernimmt.
Wie können Natur, Umwelt und Mensch in ein ökologisches Gleichgewicht
kommen? Wie können Menschen in einer global gefassten Ökologie nachhaltig
leben, arbeiten und wirtschaften? Kunst, Design und Architektur arbeiten
an je eigenen Szenarien und Lösungsansätzen, die sie diesen Fragen
entgegnen.
Welche Positionen es sind, darum geht es im digitalen und
interdisziplinären Symposium "Let's Get Sustainable: Art, Design and
Architecture" der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Es widmet sich Ökologie
und Nachhaltigkeit in Kunst, Design und Architektur.
Von Mittwoch, 26., bis Freitag, 28. Januar, werden Akteurinnen und Akteure
nach ihren Perspektiven auf eine Ökologie befragt, die nicht erst in der
Zukunft beginnt, sondern heute durch Gestaltung Verantwortung übernimmt.
Das von den Professorinnen Dr. Christiane Kruse, Antje Majewski, Dr.
Sandra Schramke und Dr. Annika Frye konzipierte Programm ist in mehrere
Sektionen unterteilt. Thematisiert werden Kunst und Ökologie, Design und
Nachhaltigkeit, aber auch Ökologie und Architektur in Keynotes, Vorträgen,
Diskussionsrunden und Künstlergesprächen.
Gäste sind neben dem Lyriker und Philosophen Daniel Falb unter anderem der
Geomar-Wissenschaftler Tobias Bayr, die Künstlerin Elia Nurvista und der
Künstler Andreas Greiner sowie zahlreiche Referentinnen und Referenten aus
Architektur, Kunstgeschichte, Ethnologie und Wissenschaft.
Das Symposium findet online über Zoom statt; eine Anmeldung unter
Weitere Informationen zu den Sektionen:
1) Kunst und Ökologie
Die Beschäftigung von Künstler*innen mit Ökologie ist vielfältig. Ökologie
wird hier verstanden als die Lehre (oder Erkenntnis) des oikos, des
gemeinsamen Haushalts, in dem organische und anorganische Bestandteile
miteinander vernetzt sind, in Wechselwirkung und Interdependenzen stehen
und als Ganzes eine „Natur“ bilden, von der wir als Menschen ein Teil
sind. Diese „Natur“ wird oft Natur/Kultur genannt, da sie im Anthropozän
überall durch menschliche Eingriffe geformt wurde.
Die Beschäftigung mit Ökologie kann technikaffin sein, wenn sie sich mit
Genetik und künstlicher Intelligenz beschäftigt. Sie kann aber auch
spirituell sein, wenn sie sich in alchemistischen Prozessen Pflanzen,
Steinen oder Tieren nähert und dabei von nicht-europäischen Kulturen
inspirieren lässt. Ökologische Kunst kann sich in Gruppenprozessen äußern,
in denen Kunst, gemeinschaftliches Handeln und Politik ineinander
übergehen. Sie kann recherchebasiert oder meditativ sein. In jeder dieser
und weiterer Möglichkeiten sind Menschen, auch die Künstler*innen selbst,
impliziert; und auch die Kunstwerke werden als Teil von ökologischen
Prozessen begriffen. Können wir solche komplexen Vorgänge in vermittelbare
Formen bringen? Soll Kunst etwas bewirken und an wen richtet sie sich?
Verändert sie etwas in der Welt und in uns?
2) Design und Nachhaltigkeit
Eine erste Aufmerksamkeit des Designs für Fragen der Nachhaltigkeit hängt
eng mit einer Krise des Funktionalismus und der Massenproduktion in den
1970er Jahren zusammen, die sich an Fragen der Teilhabe an Gestaltung,
aber auch an der sichtbar werdenden Umweltzerstörung entzündete. Die
Umweltbewegung gewann immer mehr Zulauf, Designer*innen wollten sich nicht
mehr zu Agent*innen eines ausufernden Konsums von überflüssigen Waren
machen lassen. Die Aufgabe von Gestaltung sollte stattdessen die
Gestaltung von Bauplänen sein, die zum Beispiel der Whole Earth Catalogue
mit dem Slogan „Access to Tools“ versammelte. Der Katalog rückte
gleichzeitig die Verwundbarkeit des Planeten in den Blick, indem er die
Erde aus Weltraum-Perspektive aufs Cover setzte.
Diese Ansätze sind bis heute wirkungslos geblieben. Die Frage ist nicht,
wie wir andere Formen des Konsums finden können, sondern ob wir überhaupt
noch so viel produzieren sollen wie bisher. Wir sehen uns in einer
dystopischen Gegenwart des Überflusses, die von den Designer*innen
früherer Generationen vor dem Hintergrund einer vermeintlichen
‚Neutralität‘ des Designs sogar noch verstärkt wurden. Das Design darf
sich aber nicht aus der Verantwortung für die von ihm mitverursachte Krise
ziehen. Was sind nun die Antworten der Designer*innen für das Problem der
Klimakrise? Was sind konkrete Positionen zu dem Thema in dieser drängenden
Situation? Gibt es Designformate jenseits einer industriellen Produktion,
die die Verstrickung von Konsum und Klimakrise aufzulösen vermögen?
3) Ökologie und Architektur
Nach Prognosen werden 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten
leben. Diese Schätzungen werfen die Frage auf, welche ressourcensparenden
Modelle es für ein städtisches Leben geben kann und nach welchen Maßstäben
diese entwickelt werden. Es ist naheliegend, Lösungen für die komplexen
Fragestellungen zukünftigen Stadtlebens im Disziplinverbund zwischen den
Geistes-, Naturwissenschaften und der Architektur zu finden: In seinem
Buch Für eine ökologische Naturästhetik fordert Gernot Böhme angesichts
steigender Umweltprobleme eine Erweiterung der Ästhetik um
naturphilosophische Aspekte. Historisch sind Ökologie und Nachhaltigkeit
in der Architektur eng mit Industrialisierung und Urbanisierung sowie den
Krisenerfahrungen in Folge der Weltkriege verknüpft. Das Bauhaus und Black
Mountain College haben diese aus dem Blickwinkel eines am Vorbild der
Natur orientierten Funktionalismus weiterentwickelt. In neuerer Zeit sind
unter dem Begriff des Anthropozän, und insbesondere der Anthropozän-Küche,
neue Ökologie-Modelle unter systemökologischen Gesichtspunkten vorgestellt
worden. Welcher Fragen, Methoden, vor- und nachbildlichen Modelle bedienen
sich Geistes-, Naturwissenschaftler*innen und Architekt*innen, um Ideen
für ein ökologisches und nachhaltiges Leben zu entwickeln?
