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Mehr als ein Hackathon: Open Social Innovation verspricht Innovationssprünge für die öffentliche Verwaltung

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Klimawandel, Corona-Krise oder der Bedarf nach
bezahlbarem Wohnraum – viele gesellschaftliche Herausforderungen sind so
dringlich und komplex zugleich, dass die öffentliche Verwaltung sie nicht
allein bewältigen kann. Genau hier setzt Open Social Innovation an. Wie
genau diese Methode das Innovationspotential staatlicher Institutionen
aktivieren kann, haben Wissenschaftler:innen der Hertie School und der
Leuphana Universität an Hand des Projekts UpdateDeutschland untersucht.

Ein Werkzeugkasten für die Zukunft: Open Social Innovation könnte der
Verwaltung in Deutschland helfen, komplexe Probleme zu erkennen und zu
lösen. Doch dafür braucht es Foren und Prozesse, die nicht nur
Spitzenbeamt:innen, sondern auch Vertreter:innen aus Zivilgesellschaft,
Wissenschaft und Wirtschaft einbinden. Wie solche Innovationsprozesse
gelingen können, haben die Organisationswissenschaftler:innen Prof.
Johanna Mair von der Hertie School und Prof. Thomas Gegenhuber von der
Leuphana Universität untersucht. Ihr Learning Report basiert auf
Erfahrungen und Beobachtungen, die sie anhand eines der bekanntesten
Beispiele für Open Social Innovation zusammengetragen haben:
UpdateDeutschland, ein Hackathon, der unter der Schirmherrschaft des
Bundeskanzleramts im Frühjahr 2021 stattfand.

Einbinden statt ausgrenzen: So gelingt Teilhabe bei Innovationsprozessen

Der Learning Report der Wissenschaftler:innen zeigt, dass es einer
Infrastruktur für Kollaboration bedarf, damit Bürger:innen und Verwaltung
eng zusammenarbeiten können. Für UpdateDeutschland erfolgte der Austausch
über digitale Netzwerkformate und Online-Plattformen. Die gemeinnützige
Organisation ProjectTogether initiierte und koordinierte den Prozess. Eine
wesentliche Lehre aus dem Projekt: Innovationen gelingen vor allem dann,
wenn Bürger:innen und Verwaltung eine möglichst breite Expertise zu einem
Problem aufweisen und sich in direktem Dialog austauschen. Außerdem
sollten Innovationsprozesse wie Open Social Innovation von Mentor:innen
begleitet werden, die methodisch unterstützen und zwischen den
unterschiedlichen Parteien moderieren. Laut dem Learning Report ist
außerdem eine ergebnisoffene Haltung sowie finanzielle Unterstützung
seitens der Verwaltung hilfreich.

Johanna Mair, Professorin für Organisation, Strategie und Leadership an
der Hertie School, sagt: "Open Social Innovation ist ein wichtiger
Werkzeugkasten für eine bürgernahe Politik. Durch die wissenschaftliche
Begleitung des Programms UpdateDeutschland können wir zeigen, wie Open
Social Innovation Staat und Gesellschaft helfen kann, gemeinschaftliche
Lösungsansätze für drängende Zeitfragen zu finden. Bislang sind die
bestehenden Verwaltungsstrukturen auf dieses ad-hoc Handeln unter Einbezug
der Bürger:innen nicht ausgerichtet."

Wie Open Social Innovation für Schubkraft sorgt

Vier Faktoren tragen laut dem Learning Report zu einem Blick über den
Tellerrand bei: Erstens entstehen durch Open Social Innovation neue
Initiativen, die viele Blickwinkel einbeziehen. Zweitens stärkt Open
Social Innovation bestehende Initiativen, weil Menschen aus
unterschiedlichen Bereichen ihr Wissen einbringen. Der gemeinsame
Austausch zwischen Bürger:innen und Staat fördert drittens die
Bündnisbildung und somit eine höhere Aufmerksamkeit für ein Problem.
Viertens stärkt Open Social Innovation die Wirksamkeit von politischen
Lösungen vor Ort.

Prof. Johanna Mair sagt weiter: "Natürlich gibt es auch Kritik an Open
Social Innovation, zum Beispiel, dass der Staat sich seiner Verantwortung
entzieht. Denn nun kümmern sich ja zunächst Bürger:innen um ein Problem.
Aber der Staat hat Ressourcen, um Ideen zu skalieren, wenn erprobte
Lösungen über die öffentliche Daseinsvorsorge ausgerollt werden. Unsere
Begleitforschung rund um UpdateDeutschland hat gezeigt, dass Open Social
Innovation genau dann immense Schubkraft entfaltet, wenn Zivilgesellschaft
und Staat Partner:innen sind."

In Hamburg wurde mit Hilfe des Prozesses hinter UpdateDeutschland
beispielsweise die Logik hinter Förderanträgen hinterfragt und angepasst.
Zivilgesellschaftliche Initiativen können nun auch Gelder für solche
Projekte beantragen, die die Lösung eines Problems in den Fokus nehmen und
nicht schlichtweg vorgegebene Förderkriterien auf dem Weg zu einer Lösung
abhaken.

Ergebnispräsentation am 31. Januar | vollständiger Bericht

Ergebnisse des Berichts "Update Deutschland: Open Social Innovation
weiterdenken und lernen" werden am 31. Januar 2022 von 12:00 bis 13:00 Uhr
in einer Online-Veranstaltung präsentiert. Die Veranstaltung wird durch
den Initiator ProjectTogether ausgerichtet. Im Anschluss besteht die
Möglichkeit für die Presse, Fragen zu stellen. Bitte melden Sie sich vorab
über folgende Seite an:
https://www.hertie-school.org/en/events/event-detail/event/presentation-
of-the-learning-report-of-updatedeutschland

Den gesamten Bericht finden Sie hier:
https://opus4.kobv.de/opus4-hsog/frontdoor/deliver/index/docId/4204/file
/HERTIE_Update-Deutschland.pdf


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Unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzleramts und initiiert durch die
gemeinnützige Organisation ProjectTogether rief UpdateDeutschland ab
Februar 2021 öffentlich dazu auf, sowohl gesellschaftliche
Herausforderungen als auch Lösungsansätze einzureichen. In einem
sogenannten 48-Stunden-Sprint kamen im März 2021 dann Bürger:innen aus
vielfältigen gesellschaftlichen Gruppen Deutschlands im digitalen Raum
zusammen. Gemeinsam gruppierten sie die rund 600 Herausforderungen, zu
denen neue und bestehende Lösungsideen eingebracht wurden. In einem
anschließenden viermonatigen Umsetzungsprogramm entwickelten die
Teilnehmenden die Lösungsansätze weiter und pilotierten sie zusammen mit
Partner:innen aus Kommunen, Ländern und Bund. updatedeutschland.org

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Die Hertie School in Berlin bereitet herausragend qualifizierte junge
Menschen auf Führungsaufgaben im öffentlichen Bereich, in der
Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft vor. Sie bietet
Masterstudiengänge, Executive Education und Doktorandenprogramme an. Als
universitäre Hochschule mit interdisziplinärer und praxisorientierter
Lehre, hochklassiger Forschung und einem weltweiten Netzwerk setzt sich
die Hertie School auch in der öffentlichen Debatte für „Good Governance“
und moderne Staatlichkeit ein. Die Hertie School wurde 2003 von der
Gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründet und wird seither maßgeblich von
ihr getragen. Sie ist staatlich anerkannt und vom Wissenschaftsrat
akkreditiert. www.hertie-school.org