Ein neues Dinosaurier-Fossil aus Grimmen und seine Verbindung zu Emausaurus ernsti
Dinosaurier-Fossilien aus der Tongrube bei Grimmen (Mecklenburg-
Vorpommern) wurden jetzt erstmals in einer Studie beschrieben bzw. mit
neuen Methoden untersucht. Im Jahr 2017 hatte Jörg Ansorge (Greifswalder
Geologe) Teile der Hautpanzerung eines pflanzenfressenden Dinosauriers aus
dem Jura entdeckt. Zusammen mit Marco Schade von der Universität
Greifswald hat er detaillierte Ergebnisse zu diesem Fund nun in der Open-
Access-Veröffentlichung „New thyreophoran dinosaur material from the Early
Jurassic of northeastern Germany“ veröffentlicht.
Seit den 1960er Jahren ist die Tongrube in Klein Lehmhagen nahe der
vorpommerschen Kleinstadt Grimmen bekannt für ihre zahlreichen, teils
großartig erhaltenen Fossilien: Auch der Dinosaurier der Universität
Greifswald, Emausaurus ernsti <https://idw-online.de/de/news
stammt aus dieser Fundstelle. Bis in die 1990er Jahre wurde in der Grube
Ton abgebaut und zu Blähton gebrannt. Inzwischen ist die Grube mit Wasser
vollgelaufen. Für Paläontolog*innen ist diese Grube besonders interessant,
da hier unter anderem Sedimente aus dem frühen Jura (vor ungefähr 180
Millionen Jahren) aufgeschlossen, d. h. leicht zugänglich sind. Aus dieser
Zeit sind aus Europa nur sehr wenige Dinosaurier bekannt. Mit Glück und
Erfahrung können auch heute noch Überreste von ausgestorbenen Lebewesen
aus der Tongrube geborgen werden. So geschehen 2017, als Jörg Ansorge
einen neuen Dinosaurierüberrest fand.
Die Studie gibt Einblicke in die Evolution der Dinosaurier und ihrer
Umwelt im Unterjura, einer Zeit, in der weite Teile Europas unter Wasser
standen. Zu dieser Zeit fand ein wichtiger Teil der Entwicklungsgeschichte
der vierbeinigen, gepanzerten und später oft bis an die Zähne bewaffneten
Pflanzenfresser, der Gruppe der Thyreophora, statt. Im Laufe ihrer
Evolution brachten diese Tiere riesige, bekannte Vertreter wie Stegosaurus
und Ankylosaurus hervor.
Der kleine, gepanzerte Pflanzenfresser Emausaurus ernsti stammt ebenfalls
aus der Tongrube nahe Klein Lehmhagen und ist bisher der vollständigste
ehemalige Landbewohner dieser Lokalität. Auch ein Langhalsdinosaurier, ein
sogenannter Sauropode, konnte bereits nachgewiesen werden. Das neue,
ungefähr 15 Zentimeter große Fossil wurde mit den Panzerplatten von
Emausaurus und anderen möglichen Verwandten verglichen, wobei auch
computertomographische Untersuchungen zur Analyse unsichtbarer, innerer
Strukturen durchgeführt wurden.
Durch Vergleiche mit nahen Verwandten kamen die Forscher zu dem Schluss,
dass es sich bei dem neuen Fund um eine ehemals vom Körper abstehende
Panzerplatte handelt, die beim lebenden Tier vermutlich mit Keratin
überzogen war – ähnlich wie die Hörner heutiger Kühe –, und am Hals- bzw.
Schulterbereich eines relativ großen Vertreters saß.
Die vergleichenden Untersuchungen einer Panzerplatte von Emausaurus gaben
außerdem Grund zu der Annahme, dass es sich trotz der relativ geringen
Körpergröße des Tieres von ungefähr 2 Metern womöglich um ein beinahe
ausgewachsenes Tier handelte. Darüber hinaus fanden die Forscher bisher
unentdeckte Hohlräume in eben dieser Panzerplatte, welche vermutlich für
die Blut- und Nährstoffversorgung des ehemals keratinösen Überzuges
dienten. Trotz vieler Gemeinsamkeiten konnte die neue Panzerplatte aber
nicht zweifelsfrei Emausaurus zugeordnet werden.
Weitere Informationen
Schade, M., Ansorge, J. New thyreophoran dinosaur material from the Early
Jurassic of northeastern Germany. PalZ (2022).
<https://doi.org/10.1007/s1254
Institut für Geographie und Geologie der Universität Greifswald
<https://geo.uni-greifswald.de
Greifswalder Geologische Sammlungen – Faculty – University of Greifswald
<https://geo.uni-greifswald.de
geologische-sammlungen/>
