Knast und Sexualforschung - Prof. Dr. Johannes Fuß ist neu an der UDE/am UK Essen
Psychisch Kranke finden im Gefängnis oft wenig Hilfe. Angemessene
Therapien gibt es meist nur im Maßregelvollzug, in Justizvollzugsanstalten
selten. „Das halte ich für einen medizinischen Skandal“, sagt Dr. Johannes
Fuß. Er ist neuer Professor für Forensische Psychiatrie an der
Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) und leitet das
Institut für Forensische Institut und Sexualforschung am LVR-Klinikum
Essen. Schwerpunkte seiner Forschung sind Verhaltensforschung und
Sexualwissenschaft.
Aktuell untersucht er in der weltweit ersten Längsschnittstudie, wie sich
die Haft auf das Gehirn und Verhalten von Menschen auswirkt. Für die
weitere Forschung mit Inhaftierten möchte Professor Fuß ein mobiles
neurowissenschaftliches Labor am LVR-Klinikum einführen. „Wir setzen sie
in virtuelle realitätsnahe Situationen. Dann messen wir mit Lasertrackern,
wie sie sich verhalten, und versuchen es neurobiologisch zu verstehen“,
erklärt er. Zugleich sollen damit langfristig die Prognosen über künftiges
verbrecherisches Verhalten verbessert werden. Selbstauskünfte in
Fragebögen entsprächen oft nicht dem realen Verhalten.
Weiterer Schwerpunkt des 37-Jährigen ist die menschliche Sexualität. „Uns
interessiert besonders, wie Technologien Sex simulieren und von Menschen
genutzt werden.“ Auch hier kommt mit Sexrobotern und -puppen die virtuelle
Realität ins Spiel. Zugleich möchte Professor Fuß herausfinden, wie sie
künftig auch therapeutisch eingesetzt werden könnten. Zudem untersucht der
Forensiker mit Kolleg:innen in einem DFG-Projekt, wie die Diagnose
‚Sexsucht‘ die Verurteilung von Sexualstraftätern, die klinische
Behandlung und die gesellschaftliche Stigmatisierung beeinflusst.
Johannes Fuß absolvierte sein Medizinstudium von 2004 bis 2010 an der
Universität Heidelberg, wo er 2011 mit Auszeichnung promoviert wurde. 2016
wurde er Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie am
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), 2017 forschte er an der
University of Cape Town (Südafrika). Bevor er an die UDE kam, leitete er
seit 2018 den Bereich Gefängnispsychiatrie des UKE.
