Startschuss für das erste ELLIS-Institut in Tübingen
Mit der feierlichen Unterzeichnung einer Fördervereinbarung haben Baden-
Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Dr. h. c. Hans-Werner
Hector, Prof. Dr. Bernhard Schölkopf und Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor
der Universität Tübingen, am Donnerstag im Stuttgarter Neuen Schloss den
offiziellen Startschuss zum Aufbau des europaweit ersten ELLIS-Instituts
am Cyber Valley Campus in Tübingen gegeben.
Stuttgart/Tübingen, 27. Januar 2022 – Mit der feierlichen Unterzeichnung
einer Fördervereinbarung haben Baden-Württembergs Ministerpräsident
Winfried Kretschmann, Dr. h. c. Hans-Werner Hector, Prof. Dr. Bernhard
Schölkopf und Prof. Dr. Bernd Engler, Rektor der Universität Tübingen, am
Donnerstag im Stuttgarter Neuen Schloss den offiziellen Startschuss zum
Aufbau des europaweit ersten ELLIS-Instituts am Cyber Valley Campus in
Tübingen gegeben.
Das ELLIS-Institut wird in den kommenden zehn Jahren von der Hector
Stiftung mit insgesamt 100 Millionen Euro gefördert. Damit wird das Cyber
Valley Ökosystem um ein Institut ergänzt, das international rekrutierten
und hoch qualifizierten Forschenden größtmögliche Freiräume und
außergewöhnlich attraktive und flexible Rahmenbedingungen bietet. Das
ELLIS-Institut wird aufgrund dieser Rahmenbedingungen auch international
als ein besonders attraktives Angebot wahrgenommen werden. Ziel ist es,
wissenschaftliche Talente aus der Spitzenforschung für einen Wechsel nach
Baden-Württemberg zu gewinnen. Das Land Baden-Württemberg gibt weitere 25
Millionen Euro dazu und wird zusätzlich zu seinem bisherigen Engagement im
Cyber Valley die bauliche Unterbringung sowie die Administration für das
ELLIS-Institut bereitstellen. Mit dem ELLIS-Institut entsteht damit in
Baden-Württemberg für die Erforschung der künstlichen Intelligenz (KI) ein
neuer europäischer Leuchtturm mit Modellcharakter.
„Mit dem ELLIS-Institut zünden wir die nächste Stufe im Cyber Valley. Wir
machen dieses Institut zu einem Knotenpunkt im gesamten ELLIS-Netzwerk,
einem Netzwerk, in dem sich Spitzenforscherinnen und -forscher aus ganz
Europa zusammenfinden. Dies mit genau einem festen Standort: dem Cyber
Valley hier bei uns in Baden-Württemberg. Das ELLIS-Institut wird künftig
die besten Köpfe der Wissenschaft aus aller Welt anziehen – die Stars der
Szene, aber genauso unseren wissenschaftlichen Nachwuchs“, so
Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Wer ans ELLIS-Institut kommt, den
erwartet dort größtmögliche Beinfreiheit, bestmögliche Ausstattung, ein
inspirierendes Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft und die heißesten
Themen der KI-Szene. Mit der großzügigen Förderung der Hector Stiftung von
100 Millionen Euro über die nächsten zehn Jahre wird ELLIS ein echtes
Forschungs-Eldorado in Baden-Württemberg.“
Der Stifter Dr. h. c. Hans-Werner Hector begründet sein Engagement für das
ELLIS-Institut so: „KI wird zur Schlüsseltechnologie für viele
Forschungsbereiche wie Medizin, Produktionsprozesse, Klimaschutz und
Verkehr – um nur einige zu nennen. Aufgrund der unterschiedlichsten
Anwendungsbereiche wird unser Leben zukünftig stark von ihr beeinflusst.
Deutschland sollte im Forschungsbereich KI eine wichtige Rolle einnehmen.
Daher möchten wir mit unserer Stiftung diese Entwicklung unterstützen.“
Private Finanzierung kann öffentliche Forschung entscheidend voranbringen
Bernhard Schölkopf, der als Direktor am Max-Planck-Institut für
Intelligente Systeme in Tübingen maßgeblich an der Gründung von Cyber
Valley 2016 und dem Europäischen Laboratorium für Lernen und Intelligente
Systeme (ELLIS) zwei Jahre später beteiligt war, wird dem neuen ELLIS-
Institut als Gründungsdirektor vorstehen. „Zukünftige Systeme werden mit
der Komplexität der Welt umgehen, indem sie aus Beobachtungen lernen – von
der Astronomie über die Klimaforschung bis hin zur Medizin. Um diese zu
gestalten, haben wir das Cyber Valley und die ELLIS-Initiative gegründet.
Ich war sehr dankbar für die Gelegenheit, mich mit Dr. Hans-Werner Hector
umfassend über diesen Paradigmenwechsel austauschen zu können, und ich bin
nun dankbar für seine großzügige Unterstützung. Seine Vision und Tatkraft
fallen hier auf fruchtbaren Boden. Ich hoffe, dass das ELLIS-Institut
viele talentierte Menschen nach Baden-Württemberg bringen wird, weit über
unsere Grenzen hinaus ausstrahlt, und zu einer KI beiträgt, die auf
unseren europäischen Werten beruht“, sagte Schölkopf.
„Es ist großartig, dass die Hector Stiftung mit der außerordentlich
großzügigen Förderung des ELLIS-Instituts ihr Engagement am
Forschungsstandort Tübingen weiter ausbaut“, ergänzte Rektor Engler.
„Schon mit dem 2014 gegründeten Hector Institut für Empirische
Bildungsforschung an der Universität Tübingen zeigte die Stiftung, dass
sie zukunftsweisende Akzente für die Profilbildung des Standorts zu setzen
vermag und bewies, dass zusätzliche private Finanzierung öffentliche
Forschung entscheidend voranbringen kann. Das ELLIS-Institut ist ein
wichtiger Schritt, um den Standort Tübingen in der europäischen Spitze
eines Forschungsfeldes zu positionieren, das für die weitere Entwicklung
von Gesellschaft und Wirtschaft von essentieller Bedeutung ist. Zudem wird
ELLIS wesentlich dazu beitragen, das Cyber Valley Ökosystem dauerhaft zu
einem Leuchtturm in der EU und darüber hinaus zu etablieren.“
Cyber Valley in Tübingen wird weiter ausgebaut
Vor wenigen Wochen hatte die Landesregierung Baden-Württembergs mit einer
Investition von 180 Millionen Euro den Weg freigemacht für den Ausbau des
Cyber Valley Campus am Standort Tübingen um mehrere Gebäude. Eines dieser
geplanten Gebäude („Cyber Valley III“, Maria-von-Linden-Straße 8) wird
künftig unter anderem die Heimat des ELLIS-Instituts sein. Mit Cyber
Valley – einem zentralen Element der KI-Strategie des Landes – wird seit
2016 in einer gemeinsamen Initiative von Wissenschaft und Wirtschaft in
Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg und der Max-Planck-Gesellschaft
ein international führender Forschungsstandort im Bereich des maschinellen
Lernens, des maschinellen Sehens und der Robotik aufgebaut. Cyber Valley
ist mit seinen Standorten in Stuttgart und Tübingen bereits an seinem
fünften Geburtstag im Dezember 2021 eine der größten
Forschungskooperationen Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Exzellente Grundlagenforschung wird mit interdisziplinärer und
industrieller Forschung und einer lebhaften Gründerszene zu einem
Innovationsökosystem zusammengeführt.
Der Forschungsschwerpunkt in Tübingen liegt auf dem Aufbau lernender
Systeme, die der Vielseitigkeit und Robustheit natürlicher intelligenter
Systeme nahekommen. Viele KI-basierte Anwendungen sind auf ein
spezifisches Problem festgelegt, funktionieren aber nicht mehr, wenn sich
dieses Problem verändert. Sie können keine kausalen Zusammenhänge
erkennen. In Tübingen wird an Ansätzen geforscht, diese Lücke zu
schließen.
ELLIS-Institut soll die weltweit besten KI-Talente anziehen
Eines der Ziele in Tübingen ist es auch, mit dem neuen ELLIS-Institut eine
Forschungseinrichtung zu gründen, die die weltweit größten Talente im
Bereich des maschinellen Lernens anzieht und hält. Mit den „Hector Endowed
ELLIS Fellowships“ werde es künftig noch besser möglich, hoch
qualifizierte und weltweit begehrte Forschende aller Karrierestufen
anzuziehen, größtmögliche Freiräume sowie flexible Rahmenbedingungen zu
bieten. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sollen bestmögliche
Bedingungen geboten werden, um zukunftweisende Grundlagenforschung zu
betreiben und mit ihrer Forschung zu Durchbrüchen in Anwendungsgebieten
beizutragen“, so Schölkopf.
Die geförderten Hector Endowed ELLIS Fellows finden in Cyber Valley eine
hervorragende Forschungsumgebung und leistungsstarke
Wirtschaftsunternehmen vor. Insbesondere ist eine enge Kooperation mit dem
Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme (MPI-IS) und der Universität
Tübingen vorgesehen, etwa in Form von gemeinsamen Berufungen, Promotionen
und bei der Nutzung von Infrastruktur. MPI-IS und Universität betreiben
heute bereits das gemeinsam von Bund und Land geförderte KI-
Kompetenzzentrum Tübingen AI Center, eines der fünf KI-Kompetenzzentren
Deutschlands.
Dem ELLIS-Institut in Tübingen sollen weitere Institute im Rahmen der
ELLIS-Initiative an anderen Standorten in ganz Europa folgen. Ziel von
ELLIS ist es, langfristig eine pan-europäische Forschungsorganisation
aufzubauen, die es mit den führenden KI-Standorten weltweit aufnehmen
können und deren Institute jeweils als Nukleus eines hochgradig
innovativen lokalen Ökosystems fungieren.
Über ELLIS:
Das Europäische Laboratorium für Lernen und Intelligente Systeme (ELLIS)
soll die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen KI nachhaltig sichern,
indem es das Fachwissen von Spitzenforscher:innen auf dem Gebiet des
maschinellen Lernens und verwandter Gebiete auf dem gesamten Kontinent
bündelt. Die Ende 2018 gegründete ELLIS-Initiative hat sich schnell zu
einem paneuropäischen Netzwerk entwickelt, das 34 Forschungseinheiten an
erstklassigen Einrichtungen in 20 Ländern umfasst, darunter vier in Baden-
Württemberg (Freiburg, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen). Derzeit gibt es
14 ELLIS-Forschungsprogramme sowie ein pan-europäisches
Doktorandenprogramm, das im September 2020 gestartet ist. Mit diesen und
weiteren Initiativen wollen die Mitglieder des ELLIS-Netzwerks Exzellenz
in der Grundlagenforschung fördern. Dies wird europäische
Wissenschaftler:innen in die Lage versetzen, die technologische und
gesellschaftliche Revolution des 21. Jahrhunderts mit menschenzentrierter,
nutzbringender KI aktiv zu gestalten.
Über Cyber Valley:
Cyber Valley ist Europas größtes Forschungskonsortium im Bereich der
künstlichen Intelligenz mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie. Das
Land Baden-Württemberg, die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Max-Planck-
Institut für Intelligente Systeme, die Universitäten Stuttgart und
Tübingen sowie Amazon, BMW AG, Daimler AG, IAV GmbH, Dr. Ing. h.c. F.
Porsche AG, Robert Bosch GmbH und ZF Friedrichshafen AG sind die
Gründungspartner dieser Initiative. Seit 2019 ist zudem die Fraunhofer-
Gesellschaft Cyber Valley Partner. Unterstützt wird Cyber Valley zudem von
der Christian Bürkert Stiftung, der Gips-Schüle-Stiftung, der Vector
Stiftung und der Carl-Zeiss-Stiftung.
