Potenzial von digitalen Interventionen bei Depression in der ambulanten und stationären Behandlung
Eine neue Studie zum Online-Programm iFightDepression (iFD-Tool) liefert
Erkenntnisse zur Nutzung und Wirksamkeit einer digitalen Intervention in
verschiedenen Behandlungssettings.
Das iFD-Tool ist ein internetbasiertes, kostenfreies Selbstmanagement-
Programm für Menschen mit leichten bis mittelschweren Depressionen. Durch
Übungen lernen Erkrankte zum Beispiel, den Tag zu strukturieren und
negative Gedankenkreise zu durchbrechen. Das Programm ist derzeit in zwölf
Sprachen verfügbar (deutsch, englisch, italienisch, estnisch, ungarisch,
griechisch, norwegisch, spanisch, katalanisch, baskisch, albanisch,
arabisch). Seine Wirksamkeit wurde bereits in einer randomisierten
kontrollierten Studie (Oehler et al., 2020) nachgewiesen.
Das iFD-Tool setzt ärztliche oder psychotherapeutische Begleitung voraus –
denn Studien belegen, dass Online-Programme dann besonders wirksam sind,
wenn sie in Kombination mit professioneller Unterstützung angeboten
werden. Ziel der neuen Studie von Oehler et al. 2021 war es zu
untersuchen, welche Bedeutung bezüglich Nutzung und antidepressiver
Wirkung dem Beruf der begleitenden Person (Hausarzt, Facharzt,
Psychologischer Psychotherapeut) zukommt. Routinemäßig erhobene
Protokolldaten aus dem iFD-Tool von 2.184 Patientinnen und Patienten der
Regelversorgung wurden explorativ ausgewertet.
Die Analysen zeigten signifikante Zusammenhänge zwischen dem Beruf der
Begleitung und der Adhärenz. Die Anleitung durch Psychotherapeuten und
Therapeutinnen (in der Regel längere, häufigere Termine) war mit den
höchsten Adhärenzwerten verbunden im Vergleich zur allgemein- und
fachärztlichen Begleitung (in der Regel kurze Termine in großen
Abständen). So wurde unter psychotherapeutischer Begleitung das iFD-Tool
im Durchschnitt eine halbe Stunde länger genutzt und der Anteil der
Personen, die mindestens zwei Workshops beendeten, war um ca. 10 % erhöht.
Weitere Ergebnisse zeigen, dass höheres Alter, mehr depressive Symptome zu
Beginn der Nutzung und das Vorliegen einer offiziellen Diagnose Depression
nach Selbstauskunft signifikant mit höheren Adhärenzwerten assoziiert war.
Für einen Teil der Stichprobe (n = 347) wurde zudem der Zusammenhang
zwischen dem Beruf der Begleitung und der Reduktion depressiver Symptome
untersucht. Hier zeigte sich eine größere Reduktion der Depressionsschwere
bei Patientinnen und Patienten mit einem höheren initialen Symptomwert und
höherer Adhärenz, jedoch kein signifikanter Zusammenhang mit der
Berufsgruppe.
Das iFightDepression Tool kann also in verschiedenen Kontexten eingesetzt
werden, jedoch besonders erfolgreich, wenn die Begleitung mit höherer
Frequenz stattfindet. Auch eine Nutzung im stationären Setting ist möglich
und führte in einer weiteren Studie (Schwarz et al., 2021) zu positiven
Rückmeldungen der Betroffenen.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Caroline Oehler, M.Sc. (Psychologie)
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Goerdelerring 9
04109 Leipzig
Tel: 0341/ 223874 20
Originalpublikation:
Oehler, C., Scholze, K., Driessen, P., Rummel-Kluge, C., Görges, F., &
Hegerl, U. (2021). How are guide profession and routine care setting
related to adherence and symptom change in iCBT for depression? Internet
Interventions, 26, 100476.
Schwarz, J., Mauche, N., Oehler, C., Rummel-Kluge, C., Hegerl, U., &
Strauß, M. (2021). „iFightDepression“ im stationären Setting. Der
Nervenarzt, 1-8.
Oehler, C., Görges, F., Rogalla, M., Rummel-Kluge, C., & Hegerl, U.
(2020). Efficacy of a guided web-based self-management intervention for
depression or dysthymia: randomized controlled trial with a 12-month
follow-up using an active control condition. Journal of medical Internet
research, 22(7), e15361.
