Ein großer Traum und weitere Ziele sollen bis Ende 2022 noch erfüllt sein
DGZMK-Präsident Prof. Frankenberger hadert nicht mit den Corona-Folgen:
„Haben das Optimale aus der Situation gemacht“ / Dreijährige Amtszeit
endet im November
01. Februar 2022 - Düsseldorf. Mit der Erfüllung eines „großen Traums“
sähe der Präsident der DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde e.V.), Prof. Dr. Roland Frankenberger (Uni Marburg), seine
dreijährige Amtszeit im November 2022 gern zu Ende gehen. Er arbeitet mit
dem Vorstand und den großen Fachgesellschaften an einer Neuauflage der
2005 in Berlin so erfolgreichen Gemeinschaftstagung aller unter diesem
wissenschaftlichen Dach vereinten Organisationen: „Es ist meine
Wunschvorstellung, dass spätestens bei einem Deutschen
Gemeinschaftskongress aller Fachgesellschaften im Jahr 2025 diese große
Familie wieder zusammenkommt.“ Dabei sieht er ein Potenzial von bis zu
10.000 Kongressteilnehmern. „Das wäre phantastisch!“ Außerdem sollten dort
die DGZMK, die BZÄK und die KZBV gemeinsam auf der Bühne stehen und den
trilateralen Aspekt gebührend zelebrieren. Davon erhofft Frankenberger
sich nicht nur eine Botschaft nach innen - im Sinne der von ihm
propagierten „einen Zahnmedizin“, sondern auch ein wichtiges politisches
Signal der Einheit. Bis Ende des Jahres möchte er diesen
Gemeinschaftskongress deshalb konsentieren.
Mit Bühnenpräsenz war seine Amtszeit bislang zu seinem großen Bedauern
nicht gesegnet. Sowohl die Wissenschaftskongresse zum Deutschen
Zahnärztetag 2020, 2021 und auch 2022 waren und werden Online-
Veranstaltungen sein, auch Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen
konnten meist nicht in Präsenz durchgeführt werden. „Da hat mir die
Corona-Krise einen großen Strich durch die Rechnung gemacht und ich werde
wohl als ‚Corona‘- respektive ‚Online‘-Präsident in die Annalen der DGZMK
eingehen“, erklärt er augenzwinkernd. Denn trotz der Pandemie-Hemmnisse
glaubt Frankenberger, das Beste aus der Situation gemacht zu haben: „Ich
fand das nicht tragisch, ich denke sogar, dass wir das Optimale aus dieser
Gemengelage gemacht haben. Manchmal kann es auch gut sein, wenn lange
eingefahrene Konzepte von Grund auf durchgerüttelt werden.“
Speziell das finanzielle Risiko durch horrende Stornokosten parallel zur
Tatsache einer sponsorentechnischen monetären Unterdeckung hätten auch für
dieses Jahr keine andere Wahl gelassen, als online zu planen. „Auch wenn
wir uns das anders gewünscht hätten, ließ die Unsicherheit durch die
weitere Entwicklung der Pandemie eine Präsenztagung einfach nicht zu.“
Deshalb hätte sich die DGZMK gemeinsam mit den Mitveranstaltern des
Deutschen Zahnärztetages, der Landeszahnärztekammer Hessen und dem
Quintessenz Verlag, auch für dieses Jahr zu einer Online-Version
entschieden. Hinzu kam, dass bei einer Evaluation zum Online-Kongress 2021
die meisten Teilnehmer dieses Format bevorzugt hätten. „Mein Eindruck
bleibt jedoch nach wie vor, dass es auch eine große Sehnsucht nach Präsenz
und persönlichem Austausch gibt. Das ist nicht zu ersetzen. Dass nun auch
der letzte Zahnärztetag meiner Amtszeit nicht in Präsenz stattfinden wird,
tut mir deshalb schon weh.“
Die aktuelle politische Situation in Berlin schaut Frankenberger sich
abwartend an. Man müsse nach 16 Jahren Merkel-Regiment und dem damit
verbundenen Aussitzen abwarten, wie die neue Bundesregierung die vielen
überfälligen Dinge anpacke: „Darum beneide ich die Mitglieder der
Regierung wirklich nicht. Ich hoffe jedoch, dass das Handeln nicht zu sehr
ideologisch überblendet wird und das betrifft sowohl die Außen- als auch
die Innenpolitik.“ Vom neuen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
erwartet er eher Positives. „Unabhängig von seiner ubiquitären Talkshow-
Präsenz hat der Mann einfach die Kompetenz, die man von einem berufenen
Medizin-Professor erwarten kann und das gefällt mir. Natürlich wird er
jetzt erst einmal eine Legislaturperiode in der Pandemie und Postpandemie
verbringen, für uns Zahnis wird da nicht viel Zeit sein. Wir müssen uns,
wie in der gesamten Pandemie, erst einmal um uns selbst kümmern“,
befürchtet der DGZMK-Präsident.
Als großen Erfolg seiner Präsidentschaft wertet Frankenberger das
Zusammenrücken der Wissenschaft mit den beiden Standesorganisationen. „Es
ist schon eine Tatsache, dass sich DGZMK, BZÄK und KZBV auf mein Bestreben
hin in meiner Amtszeit deutlich angenähert haben. Und es ist für mich
schon jetzt das Highlight meiner drei Jahre als Präsident, dass Herr Eßer,
Herr Benz und ich bei der Vertreterversammlung der KZBV im vergangenen
Jahr gemeinsam aufgetreten sind und unsere Erwartungen an die neue
Bundesregierung in Einzelstatements aber auch in einer Podiumsdiskussion
artikuliert haben. Ich habe mich darüber hinaus außerordentlich gefreut,
dass mein Wahlspruch ‚Es gibt nur eine Zahnmedizin‘ als Headline vieler
Presseberichte fungierte.“
Die Bedeutung der DGZMK als Flaggschiff und wissenschaftliche Instanz in
der Zahnmedizin sieht er in den Bemühungen, die Evidenz weiter auszubauen,
die Leitlinienarbeit weiter zu intensivieren und den beruflichen Nachwuchs
stärker zu fördern, nicht in Gefahr. „Es ist mir eine
Herzensangelegenheit, den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland mit
eigenen Forschungsausschreibungen in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro
noch weiter zu fordern und zu fördern. Wir haben es bereits in unserem
Positionspapier beschrieben: Die Bedingungen, unter denen an manchen
deutschen Universitätszahnkliniken geforscht werden muss, sind eine
Schande. Generelle Unterfinanzierung aber auch unfaire Umleitungen
fundamental wichtiger Gelder in die Medizin sind leider oft die
Rahmenbedingungen, die gute Forschung brutal erschweren. Hier haben wir
bereits in den vergangenen Jahren mit unserem Wissenschaftsfonds den
Standorten immer wieder Linderung verschafft, und das müssen wir noch
weiter intensivieren.“
Drei große Ziele möchte DGZMK-Präsident Frankenberger bis zum Ende seiner
Amtszeit im November noch erreichen: Zunächst soll mit der VHZMK eine
nächste DFG-Nachwuchsakademie auf die Beine gestellt werden, um den
wissenschaftlichen Nachwuchs mit noch mehr Nachdruck zu unterstützen.
Darüber hinaus möchte er eine erfolgreiche Umsetzung des nationalen
kompetenzbasierten Lernzielkatalogs für die neue Approbationsordnung
erreichen. Er glaubt: „Erst wenn der NKLZ in einer neuen AOZ verankert
ist, stehen wir in der Lehre auf sicheren Beinen.“ Und dann wäre da der
eingangs bereits beschriebene große Traum: „Ich bin ein großer Fan der
Idee eines Gemeinschaftskongresses aller Fachgesellschaften. Für mich war
die ‚große‘ Tagung 2005 ein absolutes Highlight in den 30 Jahren als
Zahnarzt. Darauf arbeite ich jetzt hin, seit ich 2012 Präsident der DGZ
war.“ Aber dessen Durchführung wird dann in Händen seines Nachfolgers,
Prof. Dr. Jörg Wiltfang, liegen. Frankenberger möchte hier nur noch den
Boden bereiten.
