FHWS-Studierende bringen die Themen Assistenz und Aphasie multimedial in die Öffentlichkeit
Das Teilhabegesetz schafft für Menschen mit Behinderungen mehr
Selbstbestimmung – fünf Projekte zeigen Optionen auf
Das Thema Krankheit und Behinderung kann jeden erreichen – Studierende des
Vertiefungsbereichs „Soziale Arbeit und Behinderung“ haben in einem
Service-Learning-Seminar mit zwei Trägern der Behindertenhilfe
zusammengearbeitet. Entstanden sind multimediale Präsentationen, die die
Themen Aphasie, den Verlust des Sprechvermögens oder Sprachverstehens,
sowie die Angebote der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB)
von Assiston e.V. verständlich und öffentlich machen. In einer
Abschlussveranstaltung präsentierten die Studierenden der Fakultät
Angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule für angewandte
Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt ihre Resultate. Geleitet wurde das
Seminar von Prof. Dr. Dieter Kulke.
Aphasie – Kommunikationsgruppe und Video
Ein studentisches Trio hat für das Zentrum für Aphasie und Schlaganfall
Unterfranken in Bad Brückenau eine Kommunikationsgruppe eröffnet,
durchgeführt und abschließend evaluiert. Die Gruppe wurde online für
Menschen mit Aphasie an fünf Terminen angeboten, um die Kommunikation
anzuregen. Angesiedelt zwischen Selbsthilfegruppe und Sprachtherapie, soll
es zu keinem hierarchischen „Schüler-Lehrer-Modus“ kommen, sondern zu
einem professionell konzipierten und angeleiteten „spielerischen“
Miteinander. Die Ziele des Angebots:
die seelische Belastung zu minimieren
das soziale Netzwerk zu erweitern
Anerkennung vermittelt zu bekommen
den Selbstwert zu steigern
Autonomie und Stärke zu gewinnen und
die Sprache zu optimieren.
Die Teilnehmenden der Kommunikationsgruppe hatten nach den Sitzungen die
Möglichkeit, anzugeben, inwieweit ihnen das studentische Angebot zugesagt
hat. Die Kommunikationsgruppe wird nach Abschluss des Seminars vom Zentrum
für Aphasie und weitergeführt. Im Rahmen einer Bachelor-Arbeit soll die
Zusammenarbeit zwischen Zentrum für Aphasie und FHWS Arbeit und
fortgesetzt und die Arbeit der Kommunikationsgruppen für Menschen mit
Aphasie auf ihre Wirksamkeit und Bedeutung für die Teilnehmenden weiter
erforscht werden.
Die zweite studentische Gruppe realisierte einen Videopodcast „Der Aphasie
eine Stimme geben“, der während dem „Aphasie 4.2“-Online-Kongress vom 25.
bis 27. März 2022 gezeigt wird. Aus drei Perspektiven heraus – der des
Aphasikers Matthias Reimund, der Angehörigen Beate Steffens sowie des
Leiters der Berufsfachschule für Logopädie Würzburg, des Diplom-Logopäden
Markus Heinzl Mania. In zwanzig Minuten erläuterten die Interviewten,
welche Auswirkungen die Aphasie haben kann, welche Therapien zum Einsatz
kommen, welche positiven Effekte die Sprachbeeinträchtigung haben kann.
Matthias Reimund hat für sich herausgefunden: „Die Langsamkeit tut gut.“
Der Link zu dem Video ist ab Kongressbeginn auf der Seite des Kongresses
eingestellt (Aphasie Unterfranken).
Heino Gövert und Ursula Peichl, beide Sozialpädagogen im Zentrum für
Aphasie und Schlaganfall Unterfranken, haben die Zusammenarbeit mit den
Studierenden sehr begrüßt und würden sich auch in der Zukunft auf
Kooperationsprojekte mit der Hochschule freuen.
Assistenzstammtisch, Budget und öffentliche Präsenz
In einem zweiten Projekt mit der EUTB von Assiston e.V. haben sich drei
studentische Teams mit folgenden Aspekten wissenschaftlich
auseinandergesetzt:
der Gründung eines Assistenzstammtisches zum Austausch und zur Diskussion
rund um die Themen Assistenz und persönliches Budget
der Erarbeitung und multimedialen Aufbereitung von Infomaterial zum
persönlichen Budget, auch in einfacher Sprache, sowie
der Präsenz der Organisation im Rahmen eines Fundraisingprojekts auf der
dafür spezialisierten Plattform www.betterplace.org und auf Social-Media-
Kanälen
Für alle drei Projekte wurden zunächst auf wissenschaftlicher Grundlage
Konzeptionen erarbeitet, die dann in die Praxis bzw. konkrete
Medieninhalte umgesetzt wurden.
Zum Hintergrund:
Das Bundesteilhabegesetz sieht für Menschen mit Behinderungen bis 2023
viele Verbesserungen vor. Es werden mehr Möglichkeiten der Teilhabe und
eine umfassendere Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen
geschaffen. Menschen mit Behinderungen, die Eingliederungshilfe beziehen,
können mehr von ihrem Einkommen und Vermögen behalten. Ein wichtiger
Baustein des Bundesteilhabgesetzes ist die Ergänzende unabhängige
Teilhabeberatung (EUTB), die neu in das SGB IX aufgenommen wurde. Sie
unterstützt und berät Menschen mit Behinderungen, von Behinderung bedrohte
Menschen, aber auch deren Angehörige unentgeltlich zu Fragen der
Rehabilitation und Teilhabe. In Würzburg wird EUTB neben Assiston e.V.,
von dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V., der
Blindeninstitutsstiftung (Teilhabeberatung Sehen Plus), dem
Integrationsfachdienst Würzburg sowie von WüSL - Selbstbestimmt Leben
Würzburg angeboten.
Auch werden die Möglichkeiten der Teilhabe am Arbeitsleben, an Bildung und
der sozialen Teilhabe optimiert. So können Assistenzleistungen wie
beispielsweise die Begleitung für sehbehinderte Personen in Anspruch
genommen werden. Das umfassende Gesetzespaket tritt in vier zeitversetzten
Reformstufen bis 2023 in Kraft und ist noch nicht sehr bekannt. Um es
besser kennenzulernen sowie deren Vorteile zu nutzen, steht künftig ein
Stammtisch für Assistenznehmende, Assistenzgebende und Interessierte zur
Verfügung. Dort soll neben einem Austausch und einer Vernetzung auch
individuelle Fragen beantwortet werden können (Kontakt:
info[at]assiston.de).
Die Kooperationsprojekte sind durch die Koordinationsstelle Service
Learning zustande gekommen. Im Rahmen von Service Learning Projekten
erschließen sich die Studierende neue Erfahrungsräume und übernehmen
gesellschaftliche Verantwortung. Währen des Ehrenamts können sie ihr
Wissen anwenden, vertiefen und reflektieren. Gleichzeitig decken die
Studierende durch das Engagement einen Nutzen der zivilgesellschaftlichen
Organisation ab. Neben der Stärkung des fachlichen Wissens hilft Service
Learning auch bei der Erweiterung verschiedener Schlüsselkompetenzen,
Berufsbefähigung und Befähigung zu bürgerschaftlichen Teilhabe der
Studierenden.
