Lebende Fossilien in Düsseldorf: Brotpalmfarne setzen Zapfen an
Botanischer Garten der HHU
Mehr als 250 Millionen Jahre alt und überaus selten: Unter anderem im
Südafrikahaus im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf (HHU) wachsen mehrere Brotpalmfarne aus der Gruppe der
Cycadeen. Diese haben nun beeindruckend große Zapfen ausgebildet, in denen
später die Samen reifen werden: Wenn die Zapfen aufplatzen, wird sich ein
farbenprächtiges Bild bieten.
Die Brotpalmfarne, botanisch Encephalartos natalensis, stammen
ursprünglich aus Südafrika. Nach der Einrichtung des Botanischen Gartens
in den 1970er Jahren wurden im Heimatland junge Pflanzen für das
Kuppelgewächshaus gekauft. Mit Bau des Südafrikahauses vor 14 Jahren sind
die südafrikanischen Brotpalmfarne dahin umgezogen, andere Palmfarne
stehen weiter im Kuppelgewächshaus.
Dr. Sabine Etges, Wissenschaftliche Leiterin des Gartens: „Inzwischen wäre
eine Anzucht aus südafrikanischen Wildsamen nicht mehr möglich, denn die
Pflanzen stehen unter strengem Artenschutz: Sie sind auf der CITES-‚Rote
Liste‘ der bedrohten Arten vermerkt.“
Die Stämme der sehr langsam wachsenden Pflanzen können bis zu 15 Meter
hoch werden. Der Lebensraum dieser lebenden Fossilien – sie kamen schon im
Erdzeitalter Perm vor 250 bis 300 Millionen Jahren vor – ist akut bedroht.
Ebenfalls wurden viele der Pflanzen gefällt, um an ihr stärkehaltiges Mark
zu kommen, und sie sind begehrte Objekte für Gärtner.
Sabine Etges: „Der Name Palmfarn ist irreführend, denn die Pflanzen
gehören weder zu den Palmen noch zu den Farnen. Aber ihre Wuchsform und
die gefiederten Blätter erwecken leicht den Eindruck einer solchen
Verwandtschaft.“ Tatsächlich gehören sie zu einer eigenen Pflanzenklasse
unter den Samenpflanzen, den Cycadopsida. Sie zählen neben den Koniferen
und den Ginkgo-Gewächsen zu den sogenannten Nacktsamern.
Bei den Cycadeen befinden sich männliche und weibliche Blüten auf
verschiedenen Pflanzen. So gibt es auch in Düsseldorf Brotpalmfarne
beiderlei Geschlechtes. Die männlichen Pflanzen bilden in ihren Zapfen
Pollen, die von Käfern und anderen Insekten zu den weiblichen Pflanzen
getragen werden. Dort wächst ein Pollenschlauch zur Eizelle und entlässt
Spermazellen mit Geißeln.
Die Zapfen haben jetzt ihren großen Auftritt: Seit März 2021 entwickelt
eine weibliche Pflanze drei Zapfen, eine männliche fünf. Jeder dieser
Zapfen ist mittlerweile gut einen halben Meter groß. Es kann über ein Jahr
dauern, bis die Samen reif sind und die Zapfen aufbrechen. Dann ist ein
weiteres beeindruckendes Schauspiel zu erwarten: Die rund fünf Zentimeter
großen, leuchtend roten Samen sitzen dicht an dicht an der Außenhülle des
Zapfens, während innen eine lange Spindel zurückbleibt.
„Die Zapfenbildung ist ein seltenes Ereignis: Da die Zapfen so groß sind,
muss die Pflanze viel Energie aufwenden, um so viel Biomasse zu erzeugen.
Das schafft sie nicht jedes Jahr. Zuletzt war dies in Düsseldorf 2014 der
Fall, 2015 öffneten sich dann die Zapfen“, erinnert sich Dr. Etges.
Aber woher kommt nun der Begriff „Brot“ in den deutschen Pflanzennamen?
Tatsächlich kann aus dem Mark im Inneren der Stämme und auch aus den Samen
eine stärkehaltige Substanz gewonnen werden. Doch sie ist nur essbar, wenn
diese auch ausreichend gekocht werden, sonst sind die Samen und andere
Pflanzenbestandteile äußerst giftig.
Wer noch mehr über den faszinierenden Brotpalmfarn wissen möchte: Im Blog
duesselbotanica, der regelmäßig über Highlights und Wissenswertes aus dem
Botanischen Garten berichtet, erschien gerade ein Beitrag „Winterzeit ist
Sommerzeit“ über das Südafrikahaus.
Der Botanische Garten der HHU
Der rund acht Hektar große Botanische Garten wurde 1979 eröffnet. Er dient
der Bevölkerung ganzjährig als Stätte der Bildung und Erholung, der
Pflanzenforschung und der Studierendenausbildung an der HHU. Die
umfangreichen, größtenteils öffentlichen Pflanzensammlungen werden als
Arbeits- und Anschauungsmaterial für Forschung und Lehre vor allem in der
Biologie und der Pharmazie genutzt.
Ein besonderer Schwerpunkt des Düsseldorfer Botanischen Gartens ist die
sogenannte Kalthauskultur. In ihrem Zentrum steht das Wahrzeichen des
Gartens, das 1.000 Quadratmeter große Kuppelgewächshaus mit einer Höhe von
18 Metern. Es beherbergt Pflanzen des Mittelmeerraums und der Kanaren,
aber auch solche aus Ozeanien, Asien und Amerika.
In den Jahren 2004 und 2008 wurde die Einrichtung um zwei neue Gebäude
erweitert, die Orangerie und das Südafrikahaus. Neben dem großen
Sammlungs- und Forschungshaus und Versuchsflächen betreibt der Botanische
Garten auch die hochmodernen Forschungsgewächshäuser auf dem Dach des
Biologie-Neubaus.
Die im Botanischen Garten zu entdeckende Pflanzenwelt ist äußert
vielfältig. Dort finden sich äußerst seltene Pflanzen wie die Wollemie,
von denen in Ursprungsland Australien nur circa 100 ausgewachsene
Exemplare wild in einem sehr kleinen, gut geschützten Gebiet vorkommen. In
Düsseldorf wird damit ein Beitrag zur Erhaltung bedrohter Arten und zur
Sicherung der Biodiversität geleistet.
Alljährlichen besuchen rund 70.000 Bürgerinnen und Bürger den Botanischen
Garten. Er ist für die Öffentlichkeit von März bis Oktober täglich und von
November bis Februar montags bis freitags geöffnet. Den Besuchenden steht
ein kostenfreier Audioguide zur Verfügung, der sie auf Rundgängen zu allen
Besonderheiten führt.
Mit einem vielfältigen Vortrags- und Führungsprogramm werden
Pflanzeninteressierte jeden Alters an die Geheimnisse, die im Garten zu
finden sind, herangeführt und die Bedeutung von Pflanzen für die
menschliche Zivilisation verdeutlicht. Mit diesem Wissenstransfer ist der
Botanische Garten in das Selbstverständnis der HHU als Bürgeruniversität
eingebunden.
Unterstützt wird die Arbeit durch den Freundeskreis, mit dessen Hilfe
bereits viele Projekte realisiert werden konnten.
Ebenso ist der Botanische Garten eine Ausbildungsstätte für Gärtnerinnen
und Gärtner. Bis zu zehn Auszubildende erlernen in der Fachrichtung
„Staudengärtnerei“ den Betrieb eines wissenschaftlich orientierten
Gartens.
