Ganztagsschule: Forschungsstand und Entwicklungsperspektiven in der Übersicht
Der Ausbau der Ganztagsschulen wird seit mehr als 15 Jahren in Deutschland
stark vorangetrieben. Ein weiterer Anstieg der Ganztagsangebote und ihrer
Nutzung ist zu erwarten, wenn ab 2026 der Rechtsanspruch auf ganztägige
Förderung für Grundschulkinder eingeführt wird. Die Entwicklung wurde und
wird von vielfältigen Forschungsarbeiten begleitet. Mehrere
wissenschaftliche Einrichtungen haben den Stand des so erarbeiteten
Wissens nun systematisch ausgewertet und in einer frei verfügbaren
Broschüre aufbereitet.
Die Autor*innen nehmen sechs Themenfelder in den Blick: 1.
Schulentwicklung und Lernkultur an Ganztagsschulen in Deutschland, 2.
Leitung und Steuerung im Ganztag, 3. Den Wandel mitgestalten:
Partizipation, Innovationsbereitschaft und die neue Rolle von Lehrkräften
an Ganztagsschulen, 4. Multiprofessionelle Kooperation, 5. Außerschulische
Akteure im Ganztag, 6. Individuelle Entwicklung von Schüler*innen –
Wirksamkeit von Ganztagsschule in Deutschland. Die Wissenschaftler*innen
fassen jeweils den Stand der Forschung zusammen. Dabei benennen sie
zentrale Erkenntnisse und weisen auf noch vorhandene Wissenslücken hin.
Die Broschüre bietet zudem in allen Kapiteln eine Liste der ausgewerteten
Literatur und der in diesem Zusammenhang relevanten Forschungsprojekte.
„Ziel der jetzt veröffentlichten Forschungsbilanz ist, das vorhandene
Wissen festzuhalten und Impulse für weitere wissenschaftliche Arbeiten
sowie für gezielte Fördermaßnahmen zu geben. Zugleich sollen alle, die
sich vor Ort in der ganztägigen Bildung und Betreuung engagieren, von den
Fachkenntnissen profitieren. Für diesen Wissenstransfer wurde die
Broschüre anschaulich aufbereitet und jedes Kapitel mit konkreten
Handlungsempfehlungen versehen“, erläutert Prof. Dr. Kai Maaz,
Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für
Bildungsforschung und Bildungsinformation. Das Institut hat die Erstellung
der Handreichung koordiniert. Ebenfalls beteiligt waren das Deutsche
Jugendinstitut, das Institut für Schulentwicklungsforschung an der
Technischen Universität Dortmund, die Justus-Liebig-Universität Gießen,
die Pädagogische Hochschule Freiburg und die Universität Kassel. Die
Arbeiten wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.
Systematisches Vorgehen, verdichtete Kernbefunde
Die Handreichung bezieht sich auf veröffentlichte Ergebnisse aus
Forschungsprojekten und Studien, die seit Beginn des Investitionsprogramms
„Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) im Jahr 2003 durchgeführt wurden.
Das IZBB bildete quasi den Startpunkt für den verstärkten Ausbau von
Ganztagsschulen in Deutschland. Der Untersuchungszeitraum endet mit dem
Abschluss der „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen“ (StEG) im Jahr
2019, der größten mit diesen Fragen befassten Untersuchung. Für die Suche
nach relevanten Veröffentlichungen nutzte das wissenschaftliche Team die
wichtigsten Forschungsdatenbanken der Erziehungswissenschaft, der
Psychologie und der Soziologie. Kriterien für die Aufnahme in die
Übersicht waren der Bezug zu den thematischen Aspekten des Ganztags sowie
die Qualität des Forschungsdesigns und der Datenanalyse.
Das Abschlusskapitel der Broschüre verdichtet noch einmal die Kernbefunde
der Forschung und die Schlussfolgerungen für die Praxis und die
Wissenschaft. So hat sich beispielsweise gezeigt, dass sich qualitativ
hochwertige außerunterrichtliche Angebote positiv auf die Motivation, das
Wohlbefinden und letztlich auch die Notenentwicklung der Kinder und
Jugendlichen auswirken können. Klar wird aber auch, dass viele Fragen noch
nicht ausreichend geklärt sind und Potenzial für weitere Forschung bieten.
Zu klären ist etwa, wie der gesamte Sozialraum eines
Ganztagsschulstandorts stärker in Entwicklungen einbezogen werden kann und
wie sich weitere Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Kindern und
Jugendlichen erschließen lassen.
• Die gesamte Broschüre zum Forschungstand finden Sie hier:
<www.dipf.de/de/forschung/pdf-
• Weitere Angaben zu dem Projekt, in dessen Rahmen die Broschüre
erstellt wurde, finden Sie hier:
<www.empirische-bildungsforsch
