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Herausforderungen für eine nachhaltige Landnutzung

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Podiumsgäste diskutierten über Lösungen für eine optimale Nutzung von
Bodenressourcen

Klimawandel, Bodendegradation und Wassermangel bedrohen die
Bodenfruchtbarkeit und somit die Grundlage der Landwirtschaft. Die
zunehmende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu befriedigen
und gleichzeitig ökologische Integrität zu erhalten, stellt sich als eine
besondere Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund kamen Experten und
Expertinnen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft online zusammen, um
über das Thema „Securing #soilidity. Herausforderungen und Lösungen für
eine nachhaltige Landnutzung“ zu diskutieren. Das Fachpodium fand am 27.
Januar 2022 im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA)
statt und wurde von der German Agribusiness Alliance (GAA) in Kooperation
mit dem IAMO organisiert.

Die Podiumsdiskussion wurde von Julia Harnal, Vorsitzende des German
Agribusiness Alliance, moderiert. In ihrer Eröffnungsrede wies sie auf die
zentrale Rolle der Landwirtschaft hin. Neben der Produktion von
Nahrungsmitteln müsse die landwirtschaftliche Bewirtschaftung auch im
Zusammenspiel mit Natur und Umwelt betrachtet werden. Weltweite Debatten
beschäftigen sich damit, wie ökonomische und ökologische Effizienz
langfristig in Einklang gebracht werden könne. Im Rahmen des Fachpodiums
sollten vorhandene Potenziale sowie Lösungsansätze in Forschung und Praxis
aus verschiedenen Perspektiven diskutiert werden.

In der Begrüßungsrede machte Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische
Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft,
darauf aufmerksam, dass der Erhalt und der Schutz der Böden eine globale
Aufgabe sei. Gesunde Böden seien eine der wertvollsten Ressourcen für die
Nahrungsmittelproduktion, können als Kohlenstoffspeicher den Klimawandel
eindämmen und bieten Lebensgrundlage für Pflanzen und Tier. Jedoch sei in
vielen Teilen der Welt die Fruchtbarkeit der Böden aufgrund von
Klimawandel und Bodendegradation bedroht. Die zunehmende Nachfrage nach
Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Rohstoffen als Ersatz für fossile
Ausgangsstoffe erfordere eine nachhaltige und bodenschonende
Bewirtschaftungsweise. Das Landwirtschaftsministerium befasse sich mit
einer Vielzahl an Kooperationen und Projekten in Russland, China und der
ganzen Welt, um die globalen Herausforderungen im Dreieck von
Landwirtschaft, Ernährung und Klimawandel erfolgreich zu bewältigen.

Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen

Prof. Dr. Julia Pongratz, Direktorin Department für Geographie an der
Ludwigs-Maximilians-Universität München, erläuterte, dass ein Viertel der
menschgemachten Emissionen jedes Jahr aus der Land- und Forstwirtschaft
entstünde. Daher sollte auch in der Landwirtschaft das zukünftige Ziel
gelten, die Emissionen substantiell langfristig zu reduzieren und mehr CO2
zu binden. Schwer vermeidbare Emissionen könnten durch bestimmte Maßnahmen
kompensiert werden, dazu zählen Aufforstung, Kohlenstoffbodenspeicherung,
Biomasseplantagen und der Einsatz von Biokohle. Damit ließen sich
insgesamt mehrere Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre
entziehen. Auch wenn diese Methoden einen entscheidenden Beitrag zur
Klimaneutralität beitragen könnten, müsse hinsichtlich unerwünschter
Nebeneffekte, wie Einflüsse auf das Ökosystem und Konkurrenz zu anderen
Landnutzungsmöglichkeiten, eine umfassende wissenschaftliche und
politische Bewertung erfolgen.

Klimaschutz und Bodenerhaltung in Russland

Prof. Dr. Pawel Krasilnikow, Dekan Department für Bodengeografie an der
Staatliche Lomonossow-Universität Moskau, berichtete, dass in der
Vergangenheit im Süden Russlands eine intensive Bodenbewirtschaftung
erfolgte. Die starke Bodenbelastung führte zu zahlreichen negativen
Effekten, darunter Bodendegradierung, Erosionsprozesse, Versalzung,
Verdichtung und Verlust von Humus. Zugleich nehmen die Folgen des
Klimawandels durch Trockenperioden und Starkregen in Russland immer weiter
zu. Die bisherigen Erkenntnisse sollten dazu genutzt werden, zukünftig
eine klimatisch angepasste Landwirtschaft zu realisieren. Maßnahmen für
den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und gegen Klimaveränderungen beinhalten
u. a. Verringerung von Aufpflügung, reduzierter Einsatz von Pestiziden,
Nutzung optimierter Bewässerungssysteme und Einsatz digitaler
Technologien. In Russland setze man dabei auf die Zentralisierung, da
landwirtschaftliche Großbetriebe zumeist ein größeres
Verantwortungsbewusstsein in Hinsicht Klimaschutz und Bodenerhaltung
besitzen.

Digitalisierung von Landtechnik

Geschäftsführerin Cornelia Horsch erklärte, dass in ihrem
Landtechnikunternehmen HORSCH Maschinen GmbH Bodenbearbeitungs- und
Sämaschinen entwickelt werden, die an unterschiedliche Boden- und
Klimabedingungen angepasst seien. Sie ist davon überzeugt, dass sich der
moderne Agrarsektor zukünftig in Richtung einer Hybridlandwirtschaft, also
der Kombination aus konventioneller und ökologischer Landwirtschaft,
entwickelt werde. Neben guter Ausbildung, Weiterbildung und den
Erfahrungen der Landwirte und Landwirtinnen dienen vor allem die
Digitalisierung von Maschinen und Prozessen als wichtige
Entscheidungshilfen. Eine besondere Relevanz sollte der fortschreitende
Ausbau digitaler Netzwerke in ländlichen Regionen haben, um den
Informationsaustausch in der Landwirtschaft zu verbessern.

Nachhaltige Bodennutzung durch Pflanzenzucht

Torsten Spill, Generalbevollmächtigter der German Seed Alliance GmbH,
legte dar, was die Entwicklung und Produktion von Saatgut zur nachhaltigen
Bodennutzung beitragen. Optimierte Mischungen von Zwischenfrüchten bzw.
Untersaaten können Böden dauerhaft verbessern, beispielsweise durch
Stickstofffixierungen, Humus- und Nährstoffaufbau sowie Verringerung von
Erosion und Unkraut. Des Weiteren werden neu Pflanzensorten entwickelt,
die selbst unter extremen Bodenbedingungen, wie Trockenheit,
Feldüberflutungen und Versalzungen, ausreichende Erträge einbringen. Spill
merkte an, dass in der Pflanzenzucht vor allem gute gesetzliche
Rahmenbedingungen zum Sortenschutz, hinsichtlich Lizenzrechte in der
Forschung und Schutz des geistigen Eigentums der Züchter, erforderlich
seien. Zudem sollten Partnerschaften zwischen Wirtschaft und staatlichen
Instituten in der Grundlagenforschung des Pflanzenbaus intensiviert und
der internationale Austausch verbessert werden. Prof. Dr. Pawel
Krasilnikow ergänzte, dass Russland sehr stark von den Saatgutimporten
anderer Länder abhängig sei. Deshalb werde in der russischen
Landwirtschaft daran gearbeitet, in Zukunft selbst mehr neue Saatgutsorten
zu entwickeln und international auszutauschen.

Ausweitung der Anbauflächen in China

Prof. Dr. Bin Zhang, Chief Scientist an der Chinese Academy of
Agricultural Sciences (CAAS), erwähnte, dass die Selbstversorgung der
chinesischen Bevölkerung von etwa 1,4 Milliarden Menschen eine zentrale
Aufgabe einnehme. Dies sei jedoch teilweise aufgrund der Verringerung des
Ackerlandes durch Verstädterung, Verschlechterung der Bodenqualität, des
Wassermangels, der Umweltverschmutzung und Lebensmittelverschwendung noch
mit großen Herausforderungen verbunden. Ziel sei es, die Anbauflächen und
Erträge nachhaltig auszuweiten und die Einkommen in der Landwirtschaft zu
erhöhen, um weniger auf Lebensmittelimporte aus dem Ausland angewiesen zu
sein. Die chinesische Regierung habe dazu zahlreiche neue Aktionspläne für
eine ressourcenschonende und umweltfreundliche Landwirtschaft auf den Weg
gebracht, dies beinhalte u. a. rechtliche Regelungen zum Schutz von
Ökosystemen, Bodenqualität und ländlichen Lebensräumen sowie finanzielle
Subventionen für den Einsatz neuer Technologien und von verbessertem
Saatgut.

Die Podiumsdiskussion fand in Kooperation mit dem Ost-Ausschuss der
Deutschen Wirtschaft und dem Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialog
statt.

Die Aufzeichnung des Fachpodiums 10 finden Sie hier: www.gffa-
berlin.de/aufzeichnungen

Über das GFFA

Das 14. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) fand virtuell vom 24.
bis 28. Januar 2022 unter dem Titel „Nachhaltige Landnutzung:
Ernährungssicherung beginnt beim Boden“ statt. Das GFFA ist eine
internationale Konferenz zu agrar- und ernährungspolitischen Fragen. Es
wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in
Kooperation mit dem Senat von Berlin, der Messe Berlin GmbH und dem GFFA
Berlin e.V. veranstaltet. Allgemeine Informationen zum GFFA 2022 erhalten
Sie auf der Konferenzwebseite: www.gffa-berlin.de.

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien
(IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft
sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich
von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-,
Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet
dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen,
strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es
die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor
sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung
werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik
abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das
IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft
an.