„Bücher bewegen“: Forschungsbibliothek Gotha feiert 375. Gründungsjubiläum
Die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt feiert in diesem
Jahr ihr 375. Gründungsjubiläum. Dies soll mit zahlreichen Veranstaltungen
und Aktionen gewürdigt werden.
„Für uns wird 2022 ein bewegendes Jahr“, sagt Dr. Kathrin Paasch, die
Leiterin der Forschungsbibliothek Gotha. „Wir freuen uns auf spannende
Gäste und Ereignisse. Zugleich stellt das Jahr eine Zäsur in der
Geschichte der Forschungsbibliothek und eine Zeit der großen
Herausforderungen dar. Denn für die bauliche Ertüchtigung des Ostturms von
Schloss Friedenstein, in dem die Bibliothek seit dem Ende des 17.
Jahrhunderts beheimatet ist, ziehen wir mit einem großen Teil unserer
Bücher aus. Gleichzeitig wollen wir für unsere Nutzer*innen in der
Bibliothek und im virtuellen Raum optimale Möglichkeiten schaffen, weiter
miteinander und mit unseren wertvollen Bibliotheksobjekten und -sammlungen
zu forschen und zu arbeiten."
Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das Jubiläumsjahr unter dem
Leitgedanken „Bücher bewegen“ steht. Ob vor Ort oder digital – die Gäste
erwartet 2022 eine ganze Reihe spannender Veranstaltungen und Einblicke.
Im Mittelpunkt steht dabei die Eröffnung der Jubiläumsausstellung "Bücher
bewegen. 375 Jahre Forschungsbibliothek Gotha" am 9. April. Die Schau geht
der bewegten Geschichte der Forschungsbibliothek Gotha, der Herkunft der
Bücher sowie Schreib- und Gedankenbewegungen ihrer Leser*innen nach. Sie
erzählt Gothaer Buch- und Bibliotheksgeschichte(n) von der
Bibliotheksgründung 1647 bis in das 21. Jahrhundert, zeigt Kostbarkeiten
und Kuriositäten, stellt bibliothekarischen Alltag vor und widmet sich den
Umbrüchen in der Bibliotheksgeschichte aus der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts. Zu sehen ist sie bis zum 19. Juni.
Am 14. Mai findet ein großes Bibliotheksfest statt, mit dem die
Forschungsbibliothek gemeinsam mit Angehörigen, Förderern sowie
Freundinnen und Freunden ihren Geburtstag feiern wird. Neben einer
Gesprächsrunde und Lesungen wird es Livemusik, einen Poetry-Slam und
weitere Überraschungen geben. Eine weitere Festveranstaltung ist dann am
14. Oktober im Spiegelsaal auf dem Friedenstein geplant.
Mit dem Portugiesen Alberto Manguel erwartet die Forschungsbibliothek am
13. Juli einen ganz besonderen Gast. Der „Weltbürger“ ist in mehreren
Sprachen zu Hause, wirkte er u. a. in Buenos Aires, Paris, Mailand, London
und Toronto als Verlagslektor, Literaturdozent und Übersetzer. Sein in
alle Weltsprachen übersetztes Buch „Eine Geschichte des Lesens“ wurde 1998
mit dem Prix Medicis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen die Titel „Eine
Geschichte der Neugierde“ (2016) und „Die verborgene Bibliothek“ (2018).
Die Veranstaltung mit dem Gutenberg-Preisträger findet in englischer
Sprache statt und wird simultan übersetzt.
Die Sommerschule „Cultural Heritage in Cyperspace“ lädt vom 18. bis 22
Juli Nachwuchswissenschaftler*innen in die Forschungsbibliothek Gotha ein,
die sich über die wertvollen orientalischen Handschriften der Bibliothek
austauschen und über Projekte im virtuellen Raum sprechen werden.
Fortgesetzt werden auch im Jubiläumsjahr die „Gotha Manuscript Talks“
sowie die „Gothaer Bibliotheksgespräche“. Die Sammlung Perthes lädt am 2.
Juli zum 200. Geburtstag von August Petermann mit einem Tag der offenen
Tür zu Sonderführungen durch ihre kartografischen Bestände an. Weitere
Führungen gibt es durch die Jahresausstellung und auch ein Rundgang durch
den Ostturm zur Bau- und Bibliotheksgeschichte steht auf dem Programm. Das
Thüringer Polizeiorchester unter der Leitung von Christian Beyer spielt am
17. September ein Konzert unter dem Titel „Der Gothaer Hofkapellmeisters
Johann Heinrich Walch (1776–1855)“. Darüber hinaus finden verschiedene
Konferenzen, Workshops und Tagungen statt, darunter auch eine Tagung unter
der Leitung von Prof. Dr. Martin Mulsow, dem Direktor des
Forschungszentrums Gotha, mit dem Titel „Emil/Emilie: Herzog August von
Sachsen-Gotha – Literat, Kunstkenner und Transgender-Provokateur“. Der
Herzog war ein ungewöhnlicher Fürst. Die Tagung wird vor diesem
Hintergrund die Fluidität seiner Geschlechteridentität, seine
geschmacklichen Idiosynkrasien und seine unveröffentlichten literarischen
Aktivitäten zum Zentrum einer umfassenden Neubewertung machen. Sie stützt
sich unter anderem auf den in der Forschungsbibliothek Gotha überlieferten
Nachlass des Herzogs.
Alle Termine und Veranstaltungen finden Sie auch auf unserer Website zum
Jubiläum unter: www.uni-erfurt.de/forschungsbi
gotha/bibliothek/aktuelles/bib
