Jod, Folsäure und Schwangerschaft - Tipps für die Praxis BfR aktualisiert Merkblatt für Ärztinnen und Ärzte
Für gesunde Menschen in Deutschland, die sich ausgewogen und vielfältig
ernähren, sind Nahrungsergänzungsmittel meist überflüssig. Eine Ausnahme
bilden Schwangere und Stillende: Um ausreichend mit Jod und Folat/Folsäure
versorgt zu sein, empfehlen medizinische Fachgesellschaften sowie die
Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine zusätzliche Einnahme über
Präparate. Das gilt insbesondere für Folsäure bereits bei der Planung
einer Schwangerschaft. Doch viele Frauen beginnen mit der Einnahme zu spät
oder gar nicht. „Wenn es darum geht, Wissen über die Bedeutung von Jod und
Folat/Folsäure zu vermitteln und sowohl Mangelerscheinungen als auch
Überdosierungen zu vermeiden, spielt die ärztliche Beratung rund um die
Schwangerschaft eine maßgebliche Rolle,“ sagt BfR-Vizepräsidentin
Professorin Dr. Tanja Schwerdtle. Um das medizinische Personal bei dieser
wichtigen Aufgabe zu unterstützen, hat das Bundesinstitut für
Risikobewertung (BfR) das Merkblatt „Jod, Folat/Folsäure und
Schwangerschaft - Ratschläge für die ärztliche Praxis“ aktualisiert.
Merkblatt „Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft - Ratschläge für die
ärztliche Praxis“:
<https://www.bfr.bund.de/cm/35
schwangerschaft.pdf>
Für die medizinische Beratung und Begleitung von Schwangeren, Stillenden
und Frauen mit Kinderwunsch ist es unerlässlich, auch die Ernährung und
besondere Nährstoffbedürfnisse im Blick zu haben. Eine gute Versorgung mit
Jod und Folat/Folsäure ist in der sensiblen Phase rund um die
Schwangerschaft besonders wichtig. Informationen über die Bedeutung dieser
lebenswichtigen Mikronährstoffe für die Gesundheit von Mutter und
(ungeborenem) Kind sollten daher ein wesentlicher Bestandteil der
ärztlichen Beratung von Frauen mit Kinderwunsch sowie in Schwangerschaft
und Stillzeit sein. Ziel des neu aufgelegten BfR-Merkblatts ist es,
Ärztinnen und Ärzte bei der Beratungstätigkeit im Praxisalltag zu
unterstützen. Die aktualisierte Fassung informiert über Ursachen, Folgen
und Risikogruppen einer unzureichenden Versorgung mit Jod oder
Folat/Folsäure sowie über Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung.
Ergänzend zum Hintergrundwissen stellt die Publikation Werkzeuge für die
Beratungspraxis zur Verfügung: u. a. einen Fragenkatalog für die
Jodanamnese sowie konkrete Empfehlungen zur Deckung des Folatbedarfs vor
und während der Schwangerschaft.
Laut Daten aus dem nationalen Gesundheitssurvey des Robert Koch-Instituts
(RKI) besteht bei etwa 30 Prozent der untersuchten Erwachsenen und 44
Prozent der Kinder und Jugendlichen ein Risiko für eine unzureichende
Jodaufnahme. Für Frauen im gebärfähigen Alter ist das Risiko besonders
hoch. Dabei ist eine gute Versorgung mit Jod gerade für Schwangere und
Stillende wichtig, weil das Spurenelement für die körperliche und geistige
Entwicklung des Kindes lebensnotwendig ist. Daher wird in Deutschland für
Schwangere und Stillende - nach vorheriger ärztlicher Rücksprache - die
Einnahme von Präparaten mit 100 (bis 150) Mikrogramm Jod pro Tag
empfohlen.
Bei Folat deuten die Daten des RKI auf eine ausreichende Versorgung der
erwachsenen Allgemeinbevölkerung hin. Allerdings erreicht die Mehrheit der
Frauen im gebärfähigen Alter nicht die Folatkonzentrationen im Blut, die
die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Verringerung des Risikos für
kindliche Fehlbildungen (Neuralrohrdefekte) empfiehlt. Ein
Neuralrohrdefekt ist zum Teil mit schweren Folgen für die Gesundheit des
Kindes verbunden und kann mit lebenslangen Behinderungen einhergehen. Um
das Risiko von Neuralrohrdefekten zu senken, wird neben einer folatreichen
Ernährung empfohlen, mindestens vier Wochen vor Beginn und in den ersten
drei Monaten einer Schwangerschaft täglich 400 Mikrogramm Folsäure in
Tablettenform zu ergänzen.
Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich
unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die
Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und
Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in
engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.
