Chatbot oder Mensch – Wer entscheidet besser bei der Rekrutierung? FAU- Team legt Studie zur KI im Personalwesen vor
Eine offene Stelle, 1000 Bewerbungen: Immer häufiger setzen vor allem
große Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) ein, um im Bereich Human
Resources (HR) effizienter arbeiten, insbesondere geeignetes Personal
finden zu können. Beispielsweise kann für Bewerberinnen und Bewerber bei
der Jobsuche ein Chatbot nützlich sein, etwa um sich vorab ein Bild vom
Tätigkeitsprofil zu machen und die eigenen Chancen einzuschätzen. An der
Friedrich-Alexander-Universitä
durch die Adecco Stiftung für Arbeit und soziales Leben ein dreijähriges
Projekt zum Thema „Künstliche Intelligenz, Chatbots und Rekrutierung“
abgeschlossen.
Untersucht wurde das Verhältnis von Mensch und Maschine im Personalwesen,
unter anderem wurden so wertvolle Erkenntnisse über die Akzeptanz sowie
ethische Aspekte dieser digitalen Systeme gewonnen. Dazu führten die
Forscherinnen und Forscher am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik,
insbesondere Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft
(Stiftungslehrstuhl) Interviews mit potenziellen Nutzer/-innen und
Akteur/-innen im Personalbereich, aber auch mit KI-Expertinnen und
-Experten. Das Nürnberger Forschungsteam um Prof. Dr. Sven Laumer hat die
Ergebnisse jetzt in einem Bericht zusammengefasst, der sowohl für die
Praxis als auch für die Wissenschaft von Relevanz ist. Die
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler halten Chatbots für geeignete
Dialogsysteme, um Prozesse im Bereich HR effizienter zu gestalten, geben
jedoch zu bedenken, dass Chatbots intelligenter werden und individueller
auf die Nutzerinnen und Nutzer eingehen müssen. Auch wenn Algorithmen in
Personalabteilungen bei der Entscheidungsfindung unterstützen können, so
sind Recruiter mitunter skeptisch, sich auf die reine Datenlage zu
verlassen. Laut der Studie bevorzugen Nutzerinnen und Nutzer bei sensiblen
Themen mit personenbezogenen Daten sowie bei zukunftsrelevanten
Empfehlungen den Mensch gegenüber der Maschine. Eine weitere Erkenntnis:
KI wird vor allem dann akzeptiert, wenn Entscheidungen als fair empfunden
werden. In diesem Zusammenhang wurde ein mehrdimensionales Fairnessmodell
entwickelt und getestet. Überdies können Unternehmen, die eine digitale
Rekrutierung anbieten, von Bewerberinnen und Bewerbern als innovativ und
somit als attraktiv wahrgenommen werden.
Weiterhin zeigt sich, dass die aktive Vermeidung von Diskriminierung
adressiert werden muss. Häufig finden diskriminierende Merkmale (z. B. die
Beurteilung nach demographischen Merkmalen) in Modellen Anwendung, auf
deren Grundlage Empfehlungen generiert werden. Deshalb ist ein hoher Grad
an Transparenz wichtig, der die KI-gestützte Personalgewinnung erklärbar
macht.
Gefördert wurde das Projekt von der in Düsseldorf ansässigen Adecco
Stiftung, die sich dem Themenfeld „Neue Wege für Arbeit und soziales
Leben“ verschrieben hat. „Die Zukunft der Arbeit ist seit jeher eines
unserer Kernthemen“, sagt die Geschäftsführerin der Adecco Stiftung Janine
Bischoff. „Deshalb war es für uns direkt ein spannendes Themenfeld, das
wir gerne fördern wollten.“ Um die Forschung zur Digitalisierung an der
FAU weiterzuführen und an das Adecco-geförderte Projekt anzuknüpfen,
fördert die Dr. Theo und Friedl Schöller-Stiftung ab Februar 2022 unter
anderem den Aufbau eines Forschungslabors zur Zukunft der Arbeit.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Sven Laumer | Jessica Ochmann, M.Sc.
Schöller-Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsinformatik,
insb. Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft
Institut für Wirtschaftsinformatik des Fachbereichs
Originalpublikation:
https://www.adecco.de/adecco-s
