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Wie können Lieferwege regionaler Produkte nachhaltig gestaltet werden?

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Studierende entwickelten Handlungsempfehlungen für Belieferung des REWE-
Marktes Wiesbaden/Erbenheim mit Produkten lokaler und regionaler Anbieter

Mit der Frage, wie die Produkte von Bauernhöfen und weiteren regionalen
Lieferanten aus Hessen unter ökologischen und ökonomischen Aspekten
nachhaltig in den REWE-Markt in Wiesbaden-Erbenheim gelangen, haben sich
16 Studierende der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt
UAS) im Wintersemester 2021/22 beschäftigt. Sie studieren im Bachelor-
Studiengang Betriebswirtschaft bzw. International Business Administration
mit dem Studienschwerpunkt Produktionsmanagement und Logistik. Die
Studierenden haben die logistischen Prozesse und Abläufe der kleinen,
mittleren und großen Betriebe, die sich unter dem Dach der Labels
„Landmarkt“, „Aus deiner Region“ sowie dem „Gutes aus Hessen-Regal“ (mit
den Siegeln „Geprüfte Qualität – Hessen“ und „Bio aus Hessen“) vermarkten,
ebenso untersucht wie die Marktprozesse vor Ort. Aktuell liefern die
einzelnen Betriebe jeden Markt individuell organisiert an. Um die Logistik
zu optimieren, empfahlen die Studierenden die Überarbeitung der
bestehenden Kommunikationswege, die Implementierung digitaler
Schnittstellen, die Bündelung von Lieferanten, den Einsatz von Cross
Docking, das Einbeziehen von Logistikern und die Umsetzung von Mini Hubs
in Verbindung mit Crowd Logistik.

„Um Bestellung, Transport und Anlieferung mit Blick auf die Nachhaltigkeit
zu optimieren, liegen nun verschiedene Handlungsempfehlungen vor, die für
die einzelnen, sehr heterogenen Lieferantengruppen anwendbar sind. Unser
Fazit besteht darin, dass je Lieferantengruppe und Situation im REWE-Markt
vor Ort eine Kombination von verschiedenen Maßnahmen sinnvoll wäre, um die
ökologischen und ökonomischen Aspekte stärker in den Fokus zu rücken. Die
von den Studierenden gesammelten und ausgewerteten Daten sowie konkreten
Empfehlungen können der REWE Region Mitte als Hilfe dienen, die passende
Entscheidung für die einzelnen Märkte und ihre Lieferanten zu treffen“,
fasst Projektleiterin Prof. Dr. Kerstin Wegener vom Fachbereich Wirtschaft
und Recht der Frankfurt UAS die Ergebnisse zusammen. „Unsere Studierenden
konnten ihr erlerntes Wissen an einem konkreten, aus der Praxis
entnommenen Fall nutzbringend anwenden und das Kooperationsprojekt
zwischen unserer Hochschule und REWE mit zahlreichen Handlungsempfehlungen
für eine nachhaltige Lieferung erfolgreich abschließen.“

„Regionale und lokale Waren sind bei unseren Kundinnen und Kunden sehr
beliebt und machen speziell im REWE Green Farming Markt in Erbenheim einen
großen Teil des Sortiments aus. Gerade die Tatsache, dass sie aus der
Region angeliefert werden, trägt zur Beliebtheit der Produkte bei. Umso
spannender war es für uns zu erfahren, welche Optimierungsvorschläge es
für eine nachhaltigere Logistik dieser Artikel gibt. Wir danken den
Studierenden der Frankfurt UAS für ihre gute Recherche und Ausarbeitung“,
so Anja Loewe, Leiterin Unternehmenskommunikation der REWE Region Mitte.

Die Studierenden erarbeiteten zielgruppenspezifische Handlungsempfehlungen
für die logistischen Prozesse und Abläufe, sowohl im Markt als auch bei
den Lieferanten. Letztere unterteilten sie dafür in drei Zielgruppen: Die
Kleinlieferanten, die mittelgroßen und die Großlieferanten.
Herausforderungen stellten u.a. die konkreten Vorgaben der Verbände, unter
welchen die Labels laufen, dar, wie die Direktvermarktung, fehlende
Kapazitäten etwa von Personal oder von einem Fuhrpark, teils fehlende
Technik, fehlende einheitliche Prozesse oder Lieferzeiten und
Kommunikationsschwierigkeiten.

Kleinlieferanten
Als eine Handlungsempfehlung ergab sich für die Kleinlieferanten die
Einführung sog. Mini Hubs in Verbindung mit Crowd Logistik. Bei diesen
kleinen Umschlagplätzen würden sich mehrere Kleinlieferanten
zusammenschließen und ohne klassische Logistiker je nach freier Kapazität
ihre Produkte gemeinsam an die Märkte ausliefern. Auch Cross Docking
könnte eingesetzt werden, was zum Ziel hat, Produkte nicht mehr zu lagern,
sondern direkt umzuschlagen. Die Kleinlieferanten würden ihre Produkte für
die jeweiligen Märkte kommissionieren und die Produkte würden über
Umschlagpunkte weitergeleitet. Für solche Mini-Umschlagplätze müssten
Großlager im Umfeld der Lieferanten gefunden werden. Bei diesen könnten
die REWE-Flotte oder Drittanbieter die Produkte abholen und zum Markt
bringen. Direkte Ansprechpartner/-innen im Markt könnten die Kommunikation
optimieren, damit die Transparenz erhöht und der Wissensaustausch
verbessert wird. Bei einer möglichen Bündelung von Lieferanten würden die
Verbände selbst mehr in die Verantwortung genommen werden, indem sie eine
Datenbank aufbauen. Das erhöht den Wissensaustausch und verkürzt die
Transportwege. Die Studierenden empfahlen zudem, eine mobile Bestell-App
einzuführen, welche die Bestellprozesse und Kommunikation vereinheitlicht
und eine klare Dokumentation ermöglicht.

Mittelgroße Lieferanten
Bei den mittelgroßen Lieferanten identifizierten die Studierenden eine
hohe Kooperations- und Anpassungsbereitschaft, woraus sich folgende
Handlungsempfehlungen ergeben: Hinsichtlich der Bestellungen sollten
Ansprechpartner/-innen des Marktes die Lieferanten in regelmäßigen
Abständen besuchen und eine App, ein System oder eine Web-Anwendung sollte
etabliert werden. Bereits genutzte Bestellsysteme könnten um eine solche
Anwendung erweitert werden mit dem Ziel, eine kostenintensive Entwicklung
zu vermeiden. Mit Blick auf den Transport differenzierten die Studierenden
in ihren Empfehlungen zwischen dem System „Gutes aus Hessen-Regal“ sowie
„Landmarkt“, da beide unterschiedliche Vorgaben mitbringen. Für
Lieferanten des „Gutes aus Hessen-Regals“ sind Lagerlieferungen sowie die
Lieferung über Logistiker zu präferieren, bei „Landmarkt“ könnten die
Liefergemeinschaften verschiedener Lieferanten ausgebaut sowie eine IT-
basierte Crowd Logistik erfolgversprechend eingesetzt werden. Bei der
Anlieferung wird empfohlen, die aktuellen Kommunikationswege mit den
Lieferanten im Vorfeld der Anlieferung zu überarbeiten, damit Liefermenge
und Lieferzeit so früh wie möglich bekannt sind. Ziel sollte es sein,
feste Liefertage zu definieren sowie einen gemeinsamen Kalender
einzuführen.

Großlieferanten
Auch bei den Großlieferanten sahen die Studierenden eine Möglichkeit im
Einsatz von Cross Docking. Mehrwert wären dabei die Reduzierung der
Lieferwege bei gleichzeitiger Beibehaltung der Bestellart. Die Kosten
würden ebenso reduziert wie der Zeitaufwand sowohl für die Lieferanten als
auch für die Märkte. Geringer würden dabei jedoch die Kontaktpunkte
zwischen Lieferanten und Markt ausfallen. Bei der vorgeschlagenen
Warenbündelung könnte auf REWE-Fahrzeuge, Logistiker oder den
Zusammenschluss der Lieferanten selbst zurückgegriffen werden. Die
Studierenden empfahlen darüber hinaus eine digitale Schnittstelle für die
Kommunikation zwischen Lieferanten und Markt, beispielsweise in Form einer
App. Hier könnten Informationen wie Ansprechpartner/-innen im Markt,
Lieferantenverzeichnisse und Rechnungen zusammengeführt und später ein
direkter Zugriff auf das Warenwirtschaftssystem implementiert werden.

Zum Vorgehen
Die Studierenden werteten für die IST-Analyse Daten zur Lieferbeziehung
zwischen lokalen und regionalen Lieferanten des REWE-Marktes in Wiesbaden-
Erbenheim unter dem Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit aus: 40
Lieferanten von „Landmarkt“, 50 von „Aus deiner Region“ sowie zehn aus dem
System „Gutes aus Hessen-Regal“ mit den Siegeln „Geprüfte Qualität –
Hessen“ und „Bio aus Hessen“. Diese Vermarkter liefern aktuell ihre
Produkte selbst; jeder Betrieb hat seine eigene Lieferzeit und
-entscheidung, wann er das Sortiment im Markt auffüllt. Dementsprechend
sollte auch vor Ort im Markt beim Verräumen und Präsentieren der Ware
individuell, und den Gegebenheiten der Vermarkter angepasst, vorgegangen
werden. Die Studierenden stützten sich auf Dokumente, Umfragen,
Marktbesuche sowie Experteninterviews. Zuerst untersuchten sie die
logistischen Prozesse und Abläufe im Markt, wie Bestellung und
Warenannahme. Schließlich betrachteten sie die Vorgehensweise der
regionalen Lieferanten, darunter Auftragseingang, Handling der Bestellung
und Warentransport. Berücksichtigen mussten sie die Heterogenität der
Betriebe (Umsatzvolumen, Saisonalität, Anzahl der belieferten Märkte),
ebenso wie die Altersstruktur der Lieferanten und die wirtschaftlichen
Hintergründe (Startups, Familienbetriebe).

Der Markt der neuen Green Building 2.0 Generation der REWE Group zeichnet
sich dadurch aus, dass er nicht nur ein Supermarkt ist, sondern auch eine
Produktionsstätte der angebotenen Ware: Auf der markteigenen Dachfarm
wächst Basilikum für die Märkte in der Region Mitte, das als Dünger
Ausscheidungen der Fische erhält, die vor Ort gezüchtet und dann verkauft
werden. Mit Holz als tragendes Baumaterial ebenso wie mit natürlichem
Lichteinfall hat sich der Markt einer nachhaltigen Bauweise verschrieben.

Kontakt Praxisfallprojekt: Frankfurt University of Applied Sciences,
Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht, Prof. Dr. Kerstin Wegener,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.; Kontakt Hochschulkooperationen: Frankfurt UAS,
Astrid Kramer, Leiterin Hochschulförderung, +49 69 1533-2131, kramer@hsf
.fra-uas.de

Informationen zum Bachelor-Studiengang International Business
Administration unter: <www.frankfurt-university.de/iba>; zum Bachelor-
Studiengang Betriebswirtschaft unter: <www.frankfurt-university.de/ba-bw>.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 3: Wirtschaft und
Recht, Prof. Dr. Kerstin Wegener, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.