Erasmus Plus EU-Projekt schafft Standards und Vergleichbarkeit in der med. Grundausbildung
Wie acht europäische Universitäten unter der Leitung der
Universitätsmedizin Magdeburg die akademische Lehre für das Fachgebiet der
Haut- und Geschlechtskrankheiten europaweit harmonisieren.
Ein Zusammenschluss der Universitätskliniken für Dermato-Venerologie in
Magdeburg, Helsinki, Paris, Brüssel, Verona, Barcelona, Zagreb, der
Hautklinik Dessau sowie dem Spezialisten für Cyberlearning Swiss4Ward hat
im Rahmen des EU-Programmes ERASMUS+ ein Kooperationsprojekt zur
Verbesserung und europaweiten Harmonisierung der akademischen Lehre im
Fachgebiet der Haut¬ und Geschlechtskrankheiten umgesetzt. Das 2018
gestartete Projekt unter der Leitung der Universitätsmedizin Magdeburg
durch Prof. em. Dr. Harald Gollnick setzt im Ergebnis unter anderem auch
auf den stärkeren Einsatz elektronischer Plattformen und digitaler Lern-
und Lehrmethoden.
Grund für einen Arztbesuch sind in etwa 20 bis 25 Prozent der Fälle
Probleme der Haut. Das Fachgebiet der Dermato-Venerologie ist entsprechend
ein wichtiger Bestandteil der Grundausbildung im Medizinstudium. Prof.
Gollnick erläutert, weshalb die europaweite Harmonisierung der
akademischen Lehre für dieses Gebiet wichtig ist: „Gegenwärtig besteht
europaweit ein unerwünschtes Missverhältnis zwischen den Inhalten und den
Unterrichtsstunden an den Universitäten. Die Unterschiede bei den
Vorlesungsstunden schwanken von Land zu Land zwischen 40 und 130“. Hinzu
käme laut des Projektleiters die Tatsache, dass weniger als 3 Prozent der
Ärztinnen und Ärzte in Europa auf Dermato-Venerologie spezialisiert seien.
„Je besser also die medizinische Grundausbildung an der Universität ist,
desto besser sind die diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen
und die interdisziplinäre Beratung zu dem Zeitpunkt, wenn der Studierende
das Niveau eines approbierten Arztes für das Handeln in der täglichen
Praxis erreicht hat.“
Im ersten Teil des Projektes wurde nun das Curriculum für die medizinische
Grundausbildung in Dermato-Venerologie überarbeitet, um den
uneinheitlichen Lehrinhalten und -zeiten in Europa gerecht zu werden. Es
wurde ein neuer grundlegender und harmonisierter Europäischer
Lernzielkatalog EHC-DV mit einem komplett überarbeiteten Inhalt in Form
eines über 500 Seiten umfassenden Webbooks und auf der e-learning-
Plattform „Cyberderm“ erarbeitet, die beide mit einem über zweitausend
klinische Bilder umfassenden Thesaurus unterlegt sind. Der zweite Teil
betrifft das "Blended Learning" als Kombination von klassischen Lehr- und
Lernmitteln (Frontalvorlesungen, Praktika, Bedside Teaching) mit modernen
E-Learning-Tools für selbstgesteuertes, zeit- und raumunabhängiges Lernen.
„Die Dermato-Venerologie ist eine visuelle Disziplin und daher besonders
geeignet für den Einsatz computergestützter Technologien, die, je nach
gegenseitigem Einverständnis, das Wissensprofil des einzelnen
widerspiegeln können“, erklärt Prof. Gollnick die Vorteile von modernen
didaktischen E-Learning-Methoden. Darüber hinaus sei eine neu berechnete
Stundenzahl von Vorlesungen, Seminaren, Bedside Teachings, Workshops und
eine Empfehlung des neuen Curriculumsformats als Strukturempfehlung
erarbeitet worden.
Die schrittweise Umsetzung soll zunächst an den
Projektpartneruniversitäten erfolgen und wird wie schon während des
Projektes durch Befragungen der Studierenden und Feedback der Lehrenden
begleitet. Unterstützt wird das Projekt durch das Europäische
Dermatologie-Forum - einer Assoziation von über 200 lehrenden
Lehrstuhlinhabern aus 27 europäischen Ländern gemeinsam mit der von ihr
eingesetzten Medical Undergraduate-Training Kommission.
Erasmus+
Erasmus+-Projekte befassen sich mit vielen der Herausforderungen, vor
denen Europa jetzt und in den kommenden Jahren steht. Dazu gehören die
steigende Arbeitslosigkeit, der Klimawandel, die Migration aus
wirtschaftlichen Gründen und nach Konflikten, die Digitalisierung, die
Globalisierung, der Bewegungsmangel und die mehrsprachige Struktur der
vereinten, aber vielfältigen Nationen Europas.
Hochschulen erhalten mit den z.B. in diesem Projekt gewählten
Strategischen Partnerschaft ein innovatives und flexibles Instrument, um
ihre Internationalisierungsstrategi
regional ausgerichtete Netzwerke zu bilden und Maßnahmen wie gemeinsame
Curriculumsentwicklung, Sommerschulen oder Langzeitdozenturen zu schaffen.
Ziel ist es, den Hochschulen mit neuen Prioritäten und innovativen
Ansätzen u.a. eine umfassendere Internationalisierung, die Verbesserung
der Qualität von Lehre und Lernen sowie die Vernetzung zwischen
Hochschulen sowie mit Gesellschaft und Wirtschaft ermöglichen.
