nternat. Frauentag 2022: Karrierewege ebnen und Nachteile abbauen bleiben zentrale Themen zur Stärkung der Parität
Neue Studie in der Hämatologie und Medizinischen Onkologie
Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e. V. setzt sich seit Jahren für die Förderung von Ärztinnen ein. Für die
Hämatologie und Medizinische Onkologie ist dies besonders wichtig, denn
als eine der innovativsten Fachdisziplinen in der gesamten Medizin ist sie
auf exzellent ausgebildete Kolleg*innen angewiesen. Nun hat die DGHO e. V.
eine Studie in Auftrag gegeben, um karriereförderliche und
karrierehinderliche Bedingungen im beruflichen und persönlichen Bereich
von hämatologisch und onkologisch tätigen Ärzt*innen zu untersuchen.
Das Phänomen des Verlustes von Ärztinnen im Rahmen beruflicher Karrieren
wurde in verschiedenen Untersuchungen beschrieben. So absolvieren zwar
mehr Studentinnen als Studenten das Medizinstudium, ab der Karrierestufe
von Oberärzt*innen nimmt der männliche Anteil allerdings wieder deutlich
zu. Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische
Onkologie e. V. ist dem Fortschritt verpflichtet und begreift es als eines
ihrer zentralen Ziele, diesem auch als „Leaky Pipeline“ bekannten Phänomen
entgegenzuwirken. So hat die Fachgesellschaft bereits 2014 mit dem 5. Band
ihrer Gesundheitspolitischen Schriftenreihe „Die berufliche Situation von
Frauen in der Hämatologie und Onkologie. Fakten und Forderungen“ eine
Situationsanalyse und im Jahr 2019 mit dem Positionspapier „Paritätische
Positionierung von Frauen in der Hämatologie und Medizinischen Onkologie“
einen Katalog von entsprechenden Maßnahmen vorgelegt.
Um in der Thematik noch rascher und konkreter voranzukommen, hat die DGHO
einen weiteren wesentlichen Schritt unternommen: Ziel der vom Verein zur
Förderung der Weiterbildung in der Hämatologie und Onkologie e. V. (WBHO)
durchgeführten Studie, die in Form einer Online-Umfrage unter den
Mitgliedern der DGHO, der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie
und Medizinische Onkologie, der Schweizerischen Gesellschaft für
Medizinische Onkologie und der Schweizerischen Gesellschaft für
Hämatologie umgesetzt wurde, ist es, den aktuellen Stand der Genderparität
zu ermitteln sowie Mittel und Wege zu identifizieren, um den in der
Hämatologie und Onkologie tätigen Ärztinnen eine nachhaltige Aussicht auf
gleichwertige Karriereoptionen wie ihren männlichen Kollegen zu
ermöglichen.
Die Studie nimmt detailliert karriereförderliche und -hinderliche
Bedingungen im beruflichen und persönlichen Bereich in den Fokus und
untersucht, welche Veränderungen sich Ärzt*innen wünschen, um ihre
Karriere besser voranbringen zu können. „Die ersten Befragungsergebnisse
zeigen uns bei Ärztinnen und Ärzten eine gleichermaßen hohe
Eigenmotivation im beruflichen Kontext“, so Prof. Dr. med. Hermann
Einsele, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der
Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Würzburg.
Mit Blick auf die beruflichen Rahmenbedingungen zeigt sich, dass
Arbeitgeber*innen und Vorgesetzte viel zu einer nachhaltigen Stärkung der
Parität – und damit zur Sicherung fachlicher Expertise in der Zukunft –
beitragen können. Dabei wurden flexible, aber planbare Arbeitszeiten, ohne
dass damit Nachteile für die berufliche Laufbahn verbunden sind, in der
Online-Umfrage am häufigsten genannt. Als ausbaufähig werden die aktuellen
Betreuungsangebote für Kinder begriffen und somit eine Erweiterung
entsprechender Angebote gewünscht. Ein großer Anteil der Befragten gibt
an, dass Karriere und Familie bzw. Privatleben nur mit Kompromissen
miteinander vereinbar sind, wobei sich in diesem Punkt kein signifikanter
Unterschied in der Einschätzung von Ärztinnen und Ärzten zeigt. Die
Befragten auf den höheren ärztlichen Hierarchieebenen sind zufriedener mit
ihrer Karriereentwicklung als die Befragten auf den unteren
Hierarchieebenen. Mit Blick auf eine Differenzierung nach Geschlecht zeigt
sich hier eine – wenn auch geringe aber statistisch signifikante – höhere
Zufriedenheit bei den männlichen Befragten. „Unser Fachgebiet ist extrem
innovativ. Wir sind davon überzeugt, dass sich Innovationen auch im Rahmen
der beruflichen Realitäten unserer Kolleginnen und Kollegen abbilden
müssen. Hier setzen wir uns beispielsweise für die Ermöglichung moderner
Arbeitszeitmodelle ein“, so Prof. Maike de Wit, Mitglied im Vorstand der
DGHO und Chefärztin der Klinik für Innere Medizin – Hämatologie, Onkologie
und Palliativmedizin am Vivantes Klinikum Neukölln und dem Auguste-
Viktoria-Klinikum.
In diesem Zusammenhang konnte ein – noch nicht veröffentlichtes –
Gutachten einer anderen wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaft
bei Ärztinnen ein Zuwachs der ärztlich Tätigen von 60 Prozent gegenüber
2011 verzeichnen, während es bei den Ärzten 12 Prozent sind. Der Anteil
der Ärztinnen in der Inneren Medizin liegt inzwischen bei 40 Prozent. Im
Jahr 2011 waren es noch 32 Prozent. „Diese Entwicklung begrüßen wir
außerordentlich“, so Einsele.
Zwischen Ende April und Anfang Juli 2021 haben 469 Personen an der Online-
Umfrage teilgenommen. 58,6 Prozent der Rückläufe stammen aus Deutschland,
15,6 Prozent aus Österreich, 24,5 Prozent aus der Schweiz und 1,3 Prozent
aus einem anderen Land. Der Fragebogen wurde von 61 Prozent Frauen und
38,6 Prozent Männern beantwortet. Die Rücklaufquote schränkt die
Repräsentativität zwar leicht ein, gleichwohl zeigen die statistischen
Analysen interessante Ergebnisse sowohl für den Geschlechter- als auch für
den Ländervergleich.
Die Studie wurde von Maike Busson-Spielberger, M. A., Dr. phil. Marianne
Giesler und Dr. phil. Bärbel Miemietz durchgeführt und erste Ergebnisse
während der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und
Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie
2021 in Berlin vorgestellt. Die komplette Auswertung wird im Rahmen eines
Bandes der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe der DGHO im Mai 2022
veröffentlicht. Darüber hinaus werden Ergebnisse auf der Jahrestagung der
Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen
e. V. (bukof) – Kommission Klinika ebenfalls Anfang Juni präsentiert.
Über die DGHO
Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
e. V. besteht seit über 80 Jahren und hat heute mehr als 3.800 Mitglieder,
die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer
Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und
Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der
Wissensdatenbank, mit der Durchführung von Fachtagungen und
Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesundheitspolitischen Engagement
fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patientinnen
und Patienten im Fachgebiet. In mehr als 30 Themen-zentrierten
Arbeitskreisen engagieren sich die Mitglieder für die Weiterentwicklung
der Hämatologie und der Medizinischen Onkologie.
Informationen unter: https://www.dgho.de
