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Wie würden wir auf dem Mars leben?

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Soziologe Prof. Dr. Stefan Selke von der Hochschule Furtwangen unternimmt
in seinem neuen Buch „Wunschland“ eine Reise in die Zukunft unserer
Gesellschaft

Alles fing mit einem Widerspruch an. Prof. Dr. Stefan Selke hörte einen
Vortrag der European Space Agency (ESA), in dem das Zukunftsthema
Weltraumkolonien behandelt und davon ausgegangen wurde, dass man in
solchen Settings auch in einer Art zivilisatorischem Neustart
„kontrolliert“ beobachten könne, wie Menschen zusammenleben. Selke, der
selbst aus der Luft- und Raumfahrttechnik kommt und in die Soziologie
gewechselt hatte, brachte das ins Nachdenken. „Gesellschaft ist doch ein
‚offenes Labor‘, wir werden immer von Störfaktoren von außen beeinflusst“,
überlegte der Wissenschaftler, der an der Hochschule Furtwangen (HFU) eine
Professur „Gesellschaftlicher Wandel“ und die Forschungsprofessur
„Transformative und Öffentliche Wissenschaft" innehat. Selke fragte sich:
„Wie würden wir wirklich auf dem Mars leben?“ und geht der Idee der
zukünftigen Gesellschaft in seinem neuen Buch „Wunschland“ nach, das nun
im Ullstein Verlag erschienen ist.

Selke stellt Überlegungen für die Zukunft an, in dem er auch auf
vergangene  zivilisatorische Experimente wie etwa Aussteiger-Kommunen,
Idealstädte oder schwimmende Mikronationen zurückschaut. Allesamt
Menschheitslabore, die es seit 1900 ungefähr im 50-Jahres-Abstand weltweit
immer wieder gab. „Dabei entdeckte ich ein Muster, das sich durch all
diese real-utopischen Experimente zog, unabhängig von deren inhaltlichem
Ansatz oder äußerem Erscheinungsbild“, berichtet Selke. „Letztlich
durchlaufen alle Utopien verschiedene Phasen. Egal, wie idealistisch die
Ausgangsidee war, alles mündet immer in ‚Alltag‘ – und endet nach vielen
Widersprüchen zwischen Anspruch und Wirklichkeit mit einem Scheitern“,
sagt er. „Tröstlich ist aber, dass immer wieder andere nachkommen und
weitermachen“; Selke nennt das Lernen aus gescheiterten Ideen die „Poesie
der Hoffnung“.

Selkes Buchthema hat eine enorme aktuelle Brisanz, denn bei allen
Gedankenexperimenten stellt der Soziologe klar: „Menschheit ist ein
Gruppensport, der immer wieder neu gespielt wird. Wir werden nie ganz neu
anfangen können, unsere Erfahrungen, Traditionen, unsere erlebten Krisen
nehmen wir immer mit“. Ob er selbst auf eine Kolonie in den Weltraum
ziehen würde? „Nur unter zwei Bedingungen. Wenn meine Frau mitkommt und
wenn ich dort die Aufgabe habe, eine moderne Universität zu gründen –
vielleicht ja als weitere Außenstelle der HFU, wer weiß?“

Stefan Selke „Wunschland“; Ullstein Verlag, 528 Seiten, ISBN:
9783550050671, 26,99 Euro.