Warum Kinder mehr Schlaf brauchen
Anlässlich des Weltschlaftages am 18. März informiert die Stiftung
Kindergesundheit über die Schlafprobleme von Heranwachsenden und was
Eltern dagegen tun können
Ausreichender und erholsamer Schlaf ist eine wesentliche Grundlage der
Entwicklung und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dennoch schlafen
viele Kinder und Jugendliche nicht genug, beklagt die Stiftung
Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme: Sie schlafen schlecht
ein, wachen in der Nacht oft oder zu früh auf, fühlen sich am Morgen eher
matt als erholt und starten missmutig und müde in den neuen Tag. Nach
aktuellen Untersuchungen leidet heute jeder achte 12- bis 17-Jährige unter
einem chronischen Schlafmangel. Guter Schlaf ist außerdem ungerecht
verteilt: Mädchen sind häufiger von Schlafmangel betroffen als Jungen.
Der Schlafbedarf von Heranwachsenden verringert sich mit zunehmendem
Alter, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Während Kinder im Alter
von 3 oder 4 Jahren noch circa 11,5 Stunden schlafen, reduziert sich die
nächtliche Schlafdauer bis zum Schuleintritt auf etwa 10,5 Stunden. Kinder
im Grundschulalter schlafen noch circa 9,5 Stunden. Allerdings benötigen
auch Jugendliche durchschnittlich noch rund 9 Stunden Schlaf. Dies ist
vielen Jugendlichen und auch den Eltern oft nicht bewusst. Erst mit 17 bis
18 Jahren pendelt sich dann das Schlafbedürfnis auf täglich 7 bis 8
Stunden ein.
Um den tatsächlich Schlafbedarf eines Kindes festzustellen, hilft es, in
den Schulferien über zwei Wochen hinweg ein Schlaftagebuch zu führen,
empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Man schreibt dabei genau auf,
wann das Kind ins Bett geht und wann es morgens von selbst aufwacht. Daran
sieht man, wie viel Schlaf es wirklich braucht, um ausgeschlafen zu sein.
Guter Schlaf macht schlau und schlank
„Sind Kinder oder Jugendliche unausgeschlafen, zeigen sich vielfältige
Auswirkungen auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden“, sagt
Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung
Kindergesundheit: „Der Mangel an Schlaf führt zu Schläfrigkeit am Tage,
beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit und das Gedächtnis und hat
nicht selten schlechtere schulische Leistungen zur Folge. Zu wenig Schlaf
macht außerdem manche Kinder fahrig oder auch aggressiv“.
Schlafmangel in den jungen Jahren kann auch langfristige Folgen haben,
berichtet die Stiftung Kindergesundheit: Im Schlaf wird das
Wachstumshormon produziert, das für das Knochenwachstum benötigt wird.
Manche Kinder, die andauernd zu wenig oder schlecht schlafen, erreichen
deshalb möglicherweise später nicht die Körpergröße, die sie bei
ausreichendem Schlaf hätten.
Eine besonders schwerwiegende Folge von Schlafstörungen geriet erst in den
letzten Jahren in den Fokus der Wissenschaft, nämlich der Einfluss des
Schlafes auf das Körpergewicht. Professor Berthold Koletzko berichtet:
„Mehrere Studien haben gezeigt, dass eine zu kurze Schlafdauer mit
gehäuftem Auftreten von Übergewicht und Adipositas bei Kindern verbunden
ist. Eine längere Schlafdauer kann ein hilfreicher Faktor zur
Normalisierung des Körpergewichts sein“.
Schlaf-Risiko: Exzessive Nutzung von Medien
Fernsehgeräte, Handys und Smartphones begleiten heute viele Jugendliche
bis ans Bett und hindern sie am Schlafen, beklagt die Stiftung
Kindergesundheit. Die Folgen kann man sich leicht denken: Wie eine Studie
der Universität Koblenz-Landau in Landau in der Pfalz zeigte, waren
Jugendliche, die nachts gewollt oder ungewollt durch ihr Smartphone
geweckt wurden, tagsüber häufiger müde und neigten dazu, im Unterricht
einzunicken.
Die Ergebnisse der Landauer Untersuchung stimmen mit den Daten überein,
die in der 2015 veröffentlichten Deutschen Azubi-Gesundheitsstudie (DAG)
mit über 13.000 Auszubildenden im Alter zwischen 16 und 25 Jahren
ermittelt wurden. Auch in dieser Studie kam es heraus, dass Jugendliche
mit hohem Medienkonsum weniger ausgeruht und leistungsfähig sind, häufiger
in der Schule und am Arbeitsplatz fehlen, häufiger unter Schlafstörungen
leiden und ein geringeres Wohlbefinden haben. Sie bewegen sich außerdem
weniger, nehmen mehr koffeinhaltige Getränke zu sich und schlafen weniger
und schlechter.
Blaulicht hemmt das Schlafhormon
In einer weiteren Studie kalifornischer Wissenschaftler zeigte sich, dass
allein die Anwesenheit eines „small screens“ in der Bettumgebung von
Jugendlichen, wie es ein Smartphone oder ein Tablet-PC darstellt, die
Schlafzeit um 20,6 Minuten verkürzt. Einer der Gründe für die
schlafkillende Wirkung der Geräte liegt offenbar in dem blauen Licht ihrer
LED-Bildschirme. Helles Licht hemmt die Produktion von Melatonin, des
Hormons, das die innere Uhr steuert, müde macht und das Einschlafen
fördert.
Die LED-Bildschirme der meisten digitalen Medien enthalten einen höheren
Anteil von blauem Licht. Dadurch führt das Betrachten von Bildschirmen am
Abend und in der Nacht zu späterem Einschlafen und zu einer Verlangsamung
der inneren Uhr und damit zu einer erhöhten Müdigkeit am nächsten Morgen –
mit entsprechenden Folgen für die Leistungen in der Schule und am
Arbeitsplatz.
Guter Schlaf – bessere Noten
Erholsamer Schlaf macht jedoch klüger: Während der Nachtruhe ordnet das
Gehirn die Lernerfahrungen des Tages und arbeitet an Problemlösungen.
Schlafmangel dagegen führt zu Erinnerungslücken, reduziert die
Arbeitsleistung am Tage um 25 Prozent und macht durch die Schädigung des
Immunsystems anfälliger für Krankheiten.
Eine Bestätigung erbrachte eine kürzlich veröffentlichte Studie
niederländischer Wissenschaftler an der Universität Leiden, für die 1.400
Studenten befragt wurden. Sie ergab bei jedem dritten Studenten einen
chronischen Schlafmangel. Diese Studenten litten häufiger unter
Konzentrationsstörungen und schnitten bei Prüfungen schlechter ab als ihre
ausgeschlafenen Kommilitonen.
Um den gesundheitsschädlichen Medienkonsum bei Jugendlichen zu reduzieren,
sollte die Nutzung von Smartphones möglichst klar geregelt werden,
empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Ein wichtiger Ansatzpunkt für
mehr Leistung und besseres Wohlbefinden sei der Verzicht auf digitale
Medien schon in den letzten zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen und
erst recht in der Nacht.
Wer gut schläft, ist gesünder, erfolgreicher und lebt länger: Studien
haben gezeigt, dass Menschen, die zwischen sieben und neun Stunden pro
Nacht schlafen, ein geringeres Sterberisiko zeigen, als solche mit
kürzeren Schlafzeiten. Schlafgestörte Menschen haben dagegen ein fünffach
höheres Risiko, während eines Jahres einen schweren Unfall in Haushalt,
Beruf oder Verkehr zu erleiden als Menschen mit gesundem Schlaf.
Zehn Tipps für einen gesunden Schlaf
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin DGKJ hat für ihre
Elterninformationen folgende Liste zur Förderung des Schlafes bei
Grundschulkindern erstellt:
1. Regelmäßige Einschlaf- und Aufstehzeiten einhalten. Schlafrituale,
wie z. B. ein Lied singen, beruhigende Musik hören oder eine Geschichte
erzählen fördern diese Regelmäßigkeit.
2. Das Kind wird erst dann zum Schlafen gelegt, wenn es müde ist.
3. Zubettgehen sollte Spaß machen und keine Strafe darstellen.
4. Das Bett ist zum Schlafen gedacht.
Im Bett sollten die Kinder weder lesen, noch spielen, fernsehen oder gar
herumtoben.
5. Zwischen Abendmahlzeit und Zubettgehen sollte genügend Zeit sein.
Leichte Kost kann schlaffördernd wirken.
6. Koffeinhaltige Getränke sind für Kinder generell zu vermeiden.
7. Sport oder aufregende Aktivitäten wie Fernsehen, Computerspiele,
spannende Lektüre u. ä. vor dem Schlafengehen behindern einen erholsamen
Schlaf.
8. Störende Lichtquellen, Lärmgeräusche und extreme Temperaturen im
Schlafzimmer des Kindes sollten beseitigt oder reduziert werden. Kurz: das
Ambiente muss stimmen.
9. Möglicherweise schläft Ihr Kind deshalb nachts schlecht, weil der
Mittagsschlaf nicht mehr nötig ist?
10. Nachts werden viele Informationen des Tages verarbeitet – Träumen
ist normal. Ein Kind ist ausgeschlafen, wenn es rasch wach wird und sich
tagsüber aktiv beschäftigt.
