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Gong-Klänge drücken auf der Kinder-ITS des Dresdner Uniklinikums nach Zeiten des Bangens Freude und Zuversicht aus

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Ab sofort erklingt auf der Intensivstation der Klinik für Kinder- und
Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden regelmäßig
ein Gong. Der Anlass ist für die Patientinnen und Patienten mit einem
wichtigen Schritt zurück ins Leben verbunden. Sie dürfen auf das
Instrument, das einen Durchmesser von einem Meter aufweist, in dem Moment
ihrer Entlassung schlagen. Trotz der Größe lassen sich dem Gong auch leise
und zarte Töne entlocken. Sie bieten denjenigen, die diese Station nun
verlassen dürfen, Gelegenheit, Freude und Zuversicht nach Wochen des
Bangens auszudrücken. Der Moment soll auch für die Familien ein Symbol für
den Abschluss einer schwierigen Zeit sein.

Die Schwingungen des Gongs erreichen zugleich die Patientinnen und
Patienten, die weiterhin auf der ITS behandelt werden müssen. Die
Abschiedstöne sollen ihnen Motivation und Hoffnung geben, die Station bald
selbst verlassen zu können. Mit dieser und weiteren Spenden möchte der
Verein IntensivZeit die auf der Intensivstation versorgten Kinder und
Jugendlichen sowie deren Familien mit Angeboten unterstützen, die über die
intensivmedizinische Versorgung hinausgehen. Ein Schwerpunkt sind hier
insbesondere die psychischen und sozialen Bedürfnisse.

„Mit dem Gong bieten wir unseren Patientinnen und Patienten nun etwas, auf
das sie hinarbeiten können“, sagt Dr. Matthias Richter. Von dem Oberarzt
der Intensivstation ging die Idee aus, mit einem so mächtigen Instrument
einen klangvollen Abschied der Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen, die
in einer gesundheitlich kritischen Situation dem Uniklinikum anvertraut
worden sind. Das Besondere an dem Gong ist, des es weder großer Kräfte
noch einer musikalischen Ausbildung bedarf, um dem Instrument harmonische
Töne zu entlocken. Es reicht das Streichen eines kleinen Schlegels, um die
geschmiedete Messingplatte in Schwingungen zu versetzen. Die Tonhöhe lässt
sich leicht variieren und die Töne können aufeinander aufbauen, ein
einzelner Ton kann lange nachschwingen oder lässt sich abrupt stoppen. Das
Ergebnis ist ein Klangteppich, der lange nachklingt. Es gibt aber auch
einen Schlegel mit einem faustgroßen Kopf aus Filz. Mit mächtigem
Gongschlag lässt sich ein akustischer Schlusspunkt des ITS-Aufenthalts
setzen.

Ein wenig Zuspruch von Dr. Richter brauchte Evangelos Ropos schon. Als
erster Patient durfte er anlässlich der Einweihung des Instruments den
Schlegel schwingen. „Das ist wirklich ein Mutmacher, Zeichen der
Hoffnung“, sagt der 16-Jährige, nachdem der Ton langsam verhallt.
Evangelos lag im Herbst vergangenen Jahres für mehr als einen Monat auf
dieser Intensivstation und rang mit dem Leben. Davon ist ihm heute nichts
mehr anzumerken: Er geht wieder zur Schule, muss sich lediglich beim Sport
noch etwas bremsen. Das macht nicht nur seine Eltern glücklich, sondern
auch das ganze Team der Intensivstation, die über Wochen alles taten, um
der heimtückischen Infektion der Nerven zu begegnen, die am Ende fast den
ganzen Körper ergriff.

Das Streichen oder Schlagen des Instruments wirkt nicht nur auf
diejenigen, die die ITS verlassen können, sondern auch auf die Mädchen und
Jungen, die noch bleiben müssen. Der Klang des Gongs soll ihnen Mut
machen, die Zeit auf der ITS zu überstehen und darauf hinzuarbeiten, so
schnell wie möglich selbst den Gong schlagen zu dürfen. Solche
symbolischen Momente sind gut für die Seele, sind aber nicht Teil der
intensivmedizinischen Pflege und Behandlung. Deshalb werden der Gong oder
andere Dinge, die den Aufenthalt auf der Station ein wenig erleichtern,
nicht von den Krankenkassen finanziert. Weil sie trotzdem wichtig sind,
haben sich Eltern ehemaliger Patientinnen und Patienten sowie Pflegende
und ärztliche Mitarbeitende zusammengetan und vor zwei Jahren den Dresdner
Verein IntensivZeit gegründet.

Ziel des Vereins ist es, die auf der ITS versorgten Kinder und Familien
über die intensivmedizinische Versorgung hinaus zu unterstützen. Das
Augenmerk liegt insbesondere auf den psychischen und sozialen
Bedürfnissen. Alle Akteure sind sich einig, dass jedes freudige Ereignis,
jeder Grund zu Lachen, jedes Erfolgserlebnis und jede Ablenkung vom
plötzlich und oft unerwartet eingetretenen kritischen Krankheitsfall den
Genesungsprozess entscheidend fördert. Dafür fehlt es oftmals an
vermeintlich kleinen, einfachen Dingen auf Station, mit denen sich der
Alltag der Patientinnen oder Patienten sowie deren Angehöriger leichter
bewältigen lässt. Deshalb fertigt und verteilt der Verein bereits seit
einem Jahr die Eule Annika als Mut machendes Kuscheltier. Sie begleitet
die Patienten und Patientinnen während ihres Aufenthaltes und darüber
hinaus bis nach Hause. Dank der nun ersten großen gelungenen Spendenaktion
konnte der Verein nicht nur den Gong finanzieren, sondern der ITS auch
Tablet-PCs zur Verfügung stellen. Das erleichtert den Kindern und
Jugendlichen, die in Zeiten der Pandemie nur von einer Person besucht
werden dürfen, den Austausch per Videoanruf. So wird es möglich, mit
Geschwistern, Großeltern oder Freundinnen und Freunden ausgiebig zu
plauschen. Die gesammelten Spenden reichten auch aus, um neue, bunte
Bluetooth-Lautsprecher anzuschaffen, mit denen im Zimmer eigene Musik und
Geschichten gehört werden können.

Die Intensivstation der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

Die Station verfügt über zwölf Betten, in denen jährlich knapp 600 Kinder
und Jugendliche ab dem 28. Lebenstag versorgt werden. Das
Behandlungsspektrum umfasst invasive und nicht invasive
Beatmungsverfahren, Kreislaufunterstützung, Nierenersatzverfahren,
Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Polytrauma, höhergradigen
thermischen Verletzungen oder Organversagen. Tag und Nacht werden die
Patientinnen und Patienten von speziell intensivmedizinisch geschultem
Personal betreut. Eine enge Zusammenarbeit besteht mit den Fachkräften aus
dem allgemein-pädiatrischen Spektrum, dem operativen Bereich – vor allem
die Kliniken für Kinderchirurgie und Neurochirurgie – der pädiatrischen
Hämato-Onkologie sowie der Neuropädiatrie.