Abstand zwischen Benzin- und Rohölpreisen hat sich während der Ukraine- Krise verringert
Die Preise für Rohöl haben in Folge des Überfalls Russlands auf die
Ukraine die höchsten Werte seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht. Die
Preise für Kraftstoffe sind seither jedoch nicht im selben Maße gestiegen,
insbesondere die Preise für Superbenzin und Diesel. Das ergibt die
Auswertung der Kraftstoff- und Rohölpreisdaten des Jahres 2022 im Rahmen
des RWI-Benzinpreisspiegels. Offenbar geben die Tankstellenbetreiber
aktuell die steigenden Rohölpreise nur beschränkt an ihre Kundschaft
weiter.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die globalen Ölmärkte sind in Folge des Überfalls Russlands auf die
Ukraine in Aufruhr geraten: Lag der Rohölpreis der Sorte Brent unmittelbar
vor Ausbruch der Kampfhandlungen am 24. Februar noch etwas unter 100 US-
Dollar pro Barrel (159 Liter), stieg er danach in der Spitze auf über 125
US-Dollar (Abbildung 1). Seit Beginn der Spekulationen um einen russischen
Überfall auf die Ukraine im Dezember 2021 ist der Brent-Preis von rund 70
US-Dollar auf aktuell rund 100 US-Dollar gestiegen, ein Anstieg von rund
50 Prozent.
- Infolgedessen stiegen auch die Benzinpreise stark an, besonders in der
vergangenen Woche, in der die durchschnittlichen Preise für Superbenzin
und Diesel mit rund 2,20 und 2,30 Euro neue Allzeithochs erreichten
(Abbildung 2).
- Besonders auffällig ist, dass Diesel zwischenzeitlich teurer geworden
ist als Superbenzin (Abbildung 2), obwohl Diesel bei der Mineralölsteuer
einen steuerlichen Vorteil von rund 18 Cent je Liter hat und daher
üblicherweise erheblich günstiger ist als Superbenzin. Dies ist ein Indiz
dafür, dass Diesel aktuell besonders knapp ist. Das wird unter anderem
damit erklärt, dass die Herstellung von Diesel mit der von Heizöl
konkurriert und Heizöl gerade stark nachgefragt ist, ehe Rohöl noch teurer
werden könnte.
- Dennoch ist die Differenz zwischen Diesel- und Rohölpreisen seit dem
vergangenen Jahr sogar gesunken. Betrug die Lücke im Jahr 2021 noch rund
0,3 Euro pro Liter, hat sie sich bis zum 14. März auf rund 0,15 Euro pro
Liter verringert (Abbildung 3). Das ist das Ergebnis der Auswertung der
jüngsten Kraftstoffpreis- und Rohölpreisdaten für das Jahr 2022 im Rahmen
des RWI-Benzinpreisspiegels. In der Regel folgen die Kraftstoffpreise den
Preisen für Rohöl mit einer gewissen Verzögerung. Es scheint den
Tankstellenbetreibern aktuell bei steigenden Rohölpreisen jedoch schwer zu
fallen, die gestiegenen Preise in gewohntem Umfang an ihre Kundschaft
weiterzugeben.
- Die Auswertung im Rahmen des RWI-Benzinpreisspiegels hat zudem ergeben,
dass die Differenz zwischen den E10-Superbenzinpreisen und den
Rohölpreisen pro Liter ebenfalls noch weit geringer ausfällt als zu
früheren Zeiten (Abbildung 3).
Zur vorgeschlagenen Einführung eines Tankrabatts bei Benzinpreisen über 2
Euro sagt der Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen“ am RWI,
Manuel Frondel: „Mit einem Tankrabatt wird nicht nur den Bedürftigen,
sondern auch den Wohlhabenden geholfen und Steuergeld mit der Gießkanne
verteilt. Statt solch eher aktionistischer Maßnahmen sollte man erst
einmal abwarten, wie sich die bereits wieder gesunkenen Rohölpreise weiter
entwickeln“.
