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Konjunkturprognose: Gestiegene Energiepreise belasten die wirtschaftliche Erholung

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Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung senkt aufgrund der
Auswirkungen der Ukraine-Krise seine Prognose für das deutsche
Wirtschaftswachstum im Jahr 2022 auf 2,5 %, für 2023 erwartet es 3,6 %.
Die kräftig gestiegenen Öl- und Gaspreise belasten Unternehmen und
Haushalte, wobei positive Impulse von den Lockerungen der Corona-
Infektionsschutzmaßnahmen ausgehen. Die Arbeitslosenquote dürfte 2022 bei
5 %, 2023 bei 4,9 % liegen. Die Inflation dürfte in diesem Jahr aufgrund
der hohen Energiepreise 5,2 % betragen und im nächsten auf 2,3 %
zurückgehen. Das staatliche Budgetdefizit dürfte im laufenden Jahr auf
knapp 89 Mrd. Euro, im Jahr 2023 weiter auf gut 70 Mrd. Euro sinken.

Das Wichtigste in Kürze:

- Das RWI senkt aufgrund der Auswirkungen der Ukraine-Krise seine Prognose
des deutschen Wirtschaftswachstums für 2022 gegenüber Dezember vergangenen
Jahres von 3,9 auf 2,5 Prozent. Für 2023 erwartet es nun 3,6 statt 2,5
Prozent.

- Die Prognose beruht auf der Annahme, dass keine weiteren
Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt und gleichzeitig die
russischen Gaslieferungen an Deutschland fortgeführt werden. Zudem wird
angenommen, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen ab dem zweiten Quartal
zurückgeht, die Infektionsschutzmaßnahmen weitgehend aufgehoben und im
kommenden Winter nicht erneut nötig sein werden. Darüber hinaus wird
unterstellt, dass die Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten sich
nach und nach auflösen.

- Die aktuell steigenden Energiekosten belasten Verbraucher und
Unternehmen. Bei den Unternehmen sind vor allem energieintensive Branchen
des Verarbeitenden Gewerbes betroffen, wie beispielsweise die Chemische
Industrie sowie die Stahl-, Papier- und Glasindustrie. Die Belastungen
werden die Produktion bereits im ersten Quartal dieses Jahres nochmals
sinken lassen und in den folgenden Quartalen anhalten. Auch im
Dienstleistungssektor werden die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine
spürbar sein, er dürfte sich ab dem zweiten Quartal jedoch aufgrund
gelockerter Infektionsschutzmaßnahmen erholen.

- Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiter robust. Im Verlauf des Jahres dürfte
die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weiter kräftig um
fast 300.000  steigen. Auch die Zahl der geringfügig Beschäftigten dürfte
nach den kräftigen Rückgängen der vergangenen Pandemiewellen wieder
zunehmen, wobei die Anhebung des Mindestlohns für sich genommen zu einem
Rückgang der geringfügigen Beschäftigung zugunsten der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung führen dürfte. Selbstständige
leiden weiterhin unter den Unsicherheiten der Pandemie. Die
Arbeitslosenquote dürfte 5 Prozent in diesem und 4,9 Prozent im nächsten
Jahr betragen.

- Die Inflation dürfte in diesem Jahr bei 5,2 Prozent liegen und im
nächsten auf 2,3 Prozent zurückgehen. In diesem Jahr führen die steigenden
Erdgas- und Rohölpreise zu höheren Heiz- und Benzinkosten und wirken so
direkt auf die Verbraucherpreise. Dieser Preisanstieg dürfte erst im
Verlauf des Jahres nachlassen. Da kurzfristig keine deutlichen
Steigerungen bei den Tariflöhnen zu erwarten sind, wird es voraussichtlich
zu keiner Lohn-Preis-Spirale kommen.

- Das staatliche Budgetdefizit dürfte in diesem Jahr knapp 89 Milliarden
Euro betragen und damit deutlich geringer ausfallen als im Vorjahr mit 132
Milliarden Euro. Die Staatseinnahmen dürften im Zuge der weiteren
wirtschaftlichen Erholung deutlich zulegen, die Staatsausgaben nur
geringfügig steigen, da viele krisenbezogene Maßnahmen auslaufen. Im Jahr
2023 dürfte das Finanzierungsdefizit dann weiter auf gut 70 Milliarden
Euro zurückgehen.

- Auch die Entwicklung der Weltwirtschaft steht unter dem Eindruck des
Krieges in der Ukraine und der gegen Russland verhängten Sanktionen. Die
Probleme in den globalen Lieferketten werden sich infolge dessen wohl
langsamer lösen, als es sonst zu erwarten gewesen wäre.  Eine allmähliche
Normalisierung ist dennoch zu erwarten. In den Schwellenländern dürfte die
Entwicklung heterogen bleiben. Die Länder, die fossile Energieträger
exportieren, erzielen weiterhin hohe Erlöse. Hingegen wird die Konjunktur
in den Nettoimportländern von Öl und Gas durch die hohen Preissteigerungen
belastet. Dies trifft auch auf die Länder zu, die in besonderem Maß von
Nahrungsmittelimporten aus der Ukraine und aus Russland abhängig sind,
etwa in Nordafrika und dem Nahen Osten. Im Jahresdurchschnitt erwartet das
RWI für dieses Jahr einen Zuwachs des Welthandels von 4,7 Prozent, für das
kommende Jahr von 3,2 Prozent.

Zu den weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen der Ukraine-Krise und
weiteren Risiken für die deutsche Wirtschaft sagt RWI-Konjunkturchef
Torsten Schmidt: „Der Krieg in der Ukraine belastet die Erholung der
deutschen Wirtschaft von der Corona-Krise stark. In den kommenden Monaten
dürften sich die Auftriebskräfte jedoch wieder stärker durchsetzen.“

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Torsten Schmidt, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. , Tel.: 0201
8149-287

Originalpublikation:
http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/publikationen/rwi-
konjunkturberichte/rwi-kb_1-2022.pdf

Dieser Pressemitteilung liegt der RWI-Konjunkturbericht 1/2022 zugrunde.
Weitere Informationen zur RWI-Konjunkturberichterstattung: www.rwi-
essen.de/forschung-und-beratung/wachstum-konjunktur-oeffentliche-
finanzen/projekte/konjunkturdiagnose-und-prognose/
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