PerfluorAd®: Marktreife Lösung zur Reduktion von PFAS in kontaminiertem Wasser und Abwasser
Aufgrund ihrer besonderen physikalisch-chemischen Eigenschaften sind Per-
und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) in vielen zukunftsrelevanten
Technologien, aber auch Alltagsprodukten essenziell. Die hohe Stabilität
der Verbindungen und ihre allgegenwärtige Verbreitung bergen jedoch
Gefahren für Mensch und Umwelt. Die EU plant daher ein Herstellungs- und
Einsatzverbot. Im Rahmen eines Informationsaustauschs besuchte NRW-
Umweltminister Oliver Krischer die Cornelsen Umwelttechnologie GmbH, um
über die künftigen Herausforderungen bei der Beseitigung von PFAS und im
Speziellen über die am Fraunhofer UMSICHT mitentwickelte
Aufbereitungstechnologie PerfluorAd® zu sprechen.
Zukunftsrelevante Technologien wie Brennstoffzellen oder Li-Ionen-
Batterien, Alltagsprodukte wie Outdoor-Textilien oder Kosmetika, diverse
Funktionsbeschichtungen und Feuerlöschmittel haben eins gemein: Sie alle
enthalten PFAS; eine über 10 000 verschiedene Chemikalien umfassende
Stoffgruppe[1], deren human- und ökotoxikologische Wirkungen eindeutig
belegt sind. Für zahlreiche der genannten Anwendungen gibt es jedoch noch
keine fluorfreien Alternativen. Der nationale Wasserstoffrat empfiehlt aus
diesem Grund eine vertiefende Forschung und Ausnahmeregelungen, bis
umweltfreundliche Lösungen verfügbar sind. Ebenfalls und mit Blick auf die
Aufgaben der angewandten Forschung, positioniert sich die Fraunhofer-
Gesellschaft in der aktuellen PFAS-Diskussion und ist im intensiven
Austausch mit Politik und Wirtschaft.
Aufbereitungskosten minimieren und Umwelt schonen
Das Fraunhofer UMSICHT und Cornelsen waren mit Beginn ihrer
Forschungsaktivitäten zu PFAS im Jahr 2008 die Ersten in Deutschland, die
sich mit deren anspruchsvoller Beseitigung aus kontaminiertem Grundwasser,
Sickerwasser und Industrieabwasser beschäftigten. Gemeinsam wurde das
patentgeschützte PerfluorAd®-Verfahren entwickelt, mit dem sich PFAS
effektiv und kostengünstig aus Löschwasser entfernen lassen. Die am
Brandort verbleibenden PFAS-haltigen Reste an Schaum bzw. Wasser werden
direkt aufgefangen – z. B. in speziellen Löschwasser-Auffangbecken von
Industrieanlagen. Die anschließende Aufbereitung und Dekontaminierung
kann, je nach Begebenheit, vor Ort oder extern erfolgen.
Mittlerweile hat Cornelsen viele unterschiedliche
Wasseraufbereitungsprojekte und Dekontaminierungen von PFAS-belasteten
Systemen durchgeführt. Das PerfluorAd®-Verfahren ist nämlich auf weitere
Anwendungsfälle übertragbar und lässt sich mit verschiedenen PFAS-
Aufbereitungstechnologien wie Ionenaustausch, Membranverfahren oder
Aktivkohleadsorption kombinieren. »Durch die Vielzahl der Stoffe und
Anwendungsfälle gibt es keine Universallösung – und genau hier spielen wir
unsere Stärken aus. Wir minimieren die Aufbereitungskosten signifikant und
schonen gleichzeitig die Umwelt«, sagt Dr.-Ing. Martin Cornelsen,
Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens. »Für die Entfernung von
PFAS aus flüssigen Medien und die Dekontaminierung fester Oberflächen
stellen wir dem Markt eine erprobte Technologie zur Verfügung.«
Während Cornelsen die verfahrenstechnische Umsetzung verantwortet, hat das
Fraunhofer UMSICHT in den Bereichen Analytik, Chemie und IP zum Gelingen
des PerfluorAd®-Verfahrens beigetragen. »Wir haben die Relevanz der
Thematik frühzeitig erkannt und kontinuierlich an praxisnahen Lösungen der
PFAS-Problematik geforscht«, so Prof. Dr.-Ing. Christian Doetsch,
Institutsleiter Fraunhofer UMSICHT. Er bestätigt, dass das Anwendungsfeld
auch im Bereich Energie, z. B. in der Elektromobilität als wichtiges
funktionelles Element in Brennstoff- bzw. Elektrolysezellen, stark an
Bedeutung gewinnt. »Ein Bereich, in dem wir am Institut eine langjährige
Kompetenz in der Materialentwicklung aufgebaut haben.«
Neue Anlage zur Beseitigung von PFAS aus Löschwasser
Die hochaktuelle PFAS-Problematik und die damit einhergehenden
Herausforderungen für Industrie, Forschung, Politik und Wirtschaft wurden
während des jüngsten Besuchs von NRW-Umweltminister Oliver Krischer bei
Cornelsen rege diskutiert und weitere notwendige Schritte vorgeschlagen.
Martin Cornelsen: »Wir haben über ein bevorstehendes Verbot und mögliche
Ausnahmen, die Klassifizierung von Abfällen und auch Förderprogramme
gesprochen.« Christian Doetsch betonte, dass jetzt die (NRW-)Unternehmen
an einen runden Tisch gebracht werden müssen, die bisher nicht wissen,
dass ihre Produkte PFAS enthalten bzw. die sich noch nicht ausreichend
über Alternativen informiert haben.
Die Beteiligten nutzten die Gelegenheit und ließen sich vor Ort die
neueste mobile PerfluorAd®-Anlage zur Dekontaminierung von PFAS-belasteten
Feuerwehrfahrzeugen und stationären Löschsystemen im Detail erklären. Die
Anlage wird im Rahmen einer von Cornelsen exklusiv angebotenen
Dienstleistung bei den Kunden zum Einsatz kommen, um dort nach erfolgter
Dekontaminierung der Löschsysteme deren Umstellung auf PFAS-freie Produkte
zu ermöglichen.
Umweltwirtschaftspreis.NRW 2022
Die Cornelsen Umwelttechnolgie GmbH hat im Jahre 2022 den dritten Platz
beim Umweltwirtschaftspreis.NRW belegt. Mit dem Wettbewerb würdigen das
Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-
Westfalen und die NRW.BANK Vorzeigeunternehmen, die Umwelt- und
Klimaschutz mit wirtschaftlichem Erfolg verbinden.
[1] https://www.bmuv.de/faqs/per-u
Originalpublikation:
https://www.umsicht.fraunhofer
/reduktion-von-pfas.html
