Viadrina-Wissenschaftlerin Ulrike Klinger wird als Thomas Mann Fellow zu Wahlkampf forschen
Prof. Dr. Ulrike Klinger, Professorin für Digitale Demokratie an der
European New School of Digital Studies der Europa-Universität Viadrina
Frankfurt (Oder), gehört zu den Thomas Mann Fellows für das kommende Jahr.
Unter dem für 2024 gewählten Leitthema „Democracy and Vulnerability“
(Demokratie und Verwundbarkeit) werden sich 13 Persönlichkeiten aus
Wissenschaft, Kultur und Medien für jeweils mehrere Monate im ehemaligen
Wohnhaus des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann in Los Angeles
aufhalten, um ihre eingereichten Forschungsvorhaben umzusetzen.
Prof. Dr Ulrike Klinger, deren Aufenthalt im Thomas Mann House im
September 2024 beginnt, wird dabei aus einer transatlantischen Perspektive
auf die Wahlkämpfe in der Europäischen Union und den USA im Jahr 2024
blicken. Ihr Projekt konzentriert sich auf Akteure und Behauptungen, die
die Legitimität der Wahlen selbst in Frage stellen, auf Wahlbetrugs-
Kampagnen sowie Desinformation über den Wahlprozess. „Election Denialism,
also das Abstreiten der Gültigkeit legaler und legitimer Wahlen, ist in
den USA kein Randthema mehr. Fast die Hälfte der republikanischen
Wählerschaft ist von der Betrugsanfälligkeit einer Briefwahl überzeugt.
Auch in Europa wurde dieses Kampagnen-Narrativ von Parteien bereits
ausprobiert“, erläutert die Viadrina-Professorin ihr Forschungsthema.
Angesichts ihrer Nominierung als Thomas Mann Fellow sagt Prof. Dr. Ulrike
Klinger: „Ich freue mich schon sehr auf den Austausch und intensive
Debatten über die Wahlen im transatlantischen Vergleich im Thomas Mann
House."
Zur Person
Prof. Dr. Ulrike Klinger ist Kommunikationswissenschaftleri
Inhaberin des Lehrstuhls für Digitale Demokratie an der European New
School of Digital Studies (ENS) der Viadrina. Sie ist assoziierte
Forscherin am Weizenbaum Institut für die Vernetzte Gesellschaft in
Berlin, an dem sie bis 2020 die Forschungsgruppe „Nachrichten, Kampagnen
und die Rationalität öffentlicher Diskurse“ leitete. Sie forscht zu
digitaler politischer Kommunikation, Technologie und Macht und der
Transformation digitaler Öffentlichkeiten.
Zum Fellowship
Das Thomas Mann House wurde im Auftrag von Schriftsteller Thomas Mann
(1875-1955) während seines US-Exils in der Zeit des Nationalsozialismus
gebaut und bis 1952 von der Familie Mann bewohnt. 2016 wurde es von der
Bundesregierung erworben und wird heute für Residenzprogramme und als
transatlantische Begegnungsstätte genutzt, um den geistigen Austausch
zwischen Deutschland und den USA zu fördern. Neben der Viadrina-
Professorin hat der Beirat des Thomas Mann House folgende Personen
ebenfalls als Fellows nominiert: die Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr.
Susanne Baer, die Soziologin Prof. Dr. Sabine Hark, die Philosophin Prof.
Dr. Rahel Jaeggi, die Journalistin Aida Baghernejad, die Autorin und
Journalistin Theresia Enzensberger, die Autorin Julia Franck, den
Politikwissenschaftler Dr. Johannes Gerschewski, die
Sozialwissenschaftlerin Dr. Pola Lehmann, den Historiker und Juristen
Prof. Dr. Dieter Gosewinkel, die Autorin Ciani-Sophia Hoeder, den Autor
und Moderator Friedemann Karig und die Kommunikations- und
Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Andrea Römmele.
