Ab ins Körbchen? Experten der Deutschen Leberstiftung warnen vor Pilzvergiftungen
Die Niederschläge im Frühling und Sommer lassen Pilzfreunde
schon jetzt auf eine gute Pilzsaison 2023 hoffen. Doch der Genuss selbst
gesammelter Pilze kann gefährlich sein: Immer wieder landen – häufig bei
unerfahrenen Pilzsammlern – giftige Exemplare im Körbchen, dann auf dem
Teller und die Betroffenen im Krankenhaus. Schlimmstenfalls kann der
Verzehr von Giftpilzen lebensgefährlich sein und beispielsweise zu einem
akuten Leberversagen führen. Damit die noch bis Oktober dauernde
Pilzsaison möglichst vergiftungsfrei verläuft, mahnt die Deutsche
Leberstiftung zur Vorsicht beim Pilze sammeln und gibt Tipps für den
Vergiftungsfall.
Der an sich unbeschwerte Spaß, in Wald und Flur zu gehen, um sich an der
frischen Luft zu bewegen, Pilze zu sammeln und sie anschließend
zuzubereiten, sollte keinesfalls die damit verbundenen Gefahren
ausblenden. Pilzvergiftungen führen in jedem Jahr dazu, dass Menschen um
ihr Leben kämpfen müssen. Der momentan andauernde Regen in Kombination mit
milden Temperaturen führt schon Anfang August zu hohem Pilzwachstum. In
Niedersachsen sind bereits mehrere Fälle von Pilzvergiftungen mit zum Teil
tödlichem Ausgang bekannt geworden.
Unwissen ist häufig der Grund für eine Pilzvergiftung. Das bestätigt auch
der Naturschutzbund (NABU), der im Abnehmen von Naturkenntnissen in der
Allgemeinheit einen möglichen Grund für einen Anstieg bei den
Pilzvergiftungen sieht.
Viele giftige Pilze ähneln essbaren Exemplaren. So kann es bei
oberflächlicher Betrachtung zu Verwechslungen kommen. Daher warnt das
Giftinformationszentrum Nord alle Pilzunkundigen dringend vor dem Sammeln
und dem Verzehr einheimischer Wildpilze.
Warum eine Pilzvergiftung tödlich enden kann, erklärt der Leberexperte und
Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung Prof. Dr. Michael P.
Manns: „Im schlimmsten Fall kommt es nach dem Verzehr von Giftpilzen zu
einem Organversagen. Wenn die Toxine aus dem Magen- und Darmtrakt
aufgenommen sind und über die Blutbahn in die Leber kommen, kann das zu
einem Leberversagen führen. Einer der giftigsten Pilze in Europa ist der
Knollenblätterpilz. Dieser ist für mindestens 80 Prozent der tödlich
verlaufenden Pilzvergiftungen verantwortlich. Für die lebensbedrohliche
Wirkung des Knollenblätterpilzes sind sogenannte Amatoxine verantwortlich,
vor allem das α-Amanitin. Schon ein einzelner Pilz kann tödlich giftig
sein.“
Daher ist beim Pilze sammeln Vorsicht geboten. Pilzexperten raten nur
geübten Sammlern, selbst gesammelte Pilze zu verzehren. Und sie warnen
davor, bei der Identifizierung von essbaren Pilzen ausschließlich einem
Pilzbestimmungsbuch oder einer App zu vertrauen. Anhand von Fotos ist die
Unterscheidung der Pilze oft kaum möglich. Es ist dringend ratsam, vor dem
Verzehr einen Pilzsachverständigen zu Rate zu ziehen. Auch angebliche
überlieferte Merkmale für die Ungiftigkeit von Pilzen wie Maden- oder
Schneckenbefall sind irreführend.
„Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte man sich sofort an ein
Giftinformationszentrum oder an das nächste Krankenhaus wenden oder den
Notarzt rufen. Um die Diagnose zu erleichtern, sollten die Pilzreste,
Reste der Mahlzeit oder das Erbrochene aufgehoben und an den Arzt
weitergegeben werden. Damit kann die Vergiftung bestimmt und die
entsprechende Behandlung besser ermittelt werden. Betroffene sollten
keinesfalls auf angebliche Hausmittel gegen Vergiftungen wie ‚Milch
trinken‘ oder ‚Erbrechen hervorrufen‘ vertrauen. Erbrochenes kann in die
Lunge geraten und Milch die Aufnahme von Gift sogar begünstigen. Damit
kann man unter Umständen die Situation noch verschlechtern“, betont Prof.
Manns.
Doch nicht nur bei Giftpilzen, auch bei essbaren Exemplaren kann die
Gefahr einer Vergiftung bestehen: Zu alte Pilze, gleichgültig ob aus
eigenem Sammelgut oder gekauft, können gesundheitsschädlich sein. Und auch
falsch gelagerte Pilze, die beispielsweise nicht durchgehend gekühlt
werden, in einer nicht atmenden Plastikverpackung aufbewahrt werden oder
tagelang in Kellern und Kisten liegen, können die Ursache für eine
Vergiftung sein. Viele Waldpilze verderben ähnlich schnell wie rohes
Hackfleisch und sollten innerhalb von 24 Stunden zubereitet werden. Bei
matschigen Pilzen hat bereits die Zersetzung des Pilzeiweißes begonnen,
was zu einer Lebensmittelvergiftung führen kann.
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Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
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Forschungsförderung, Forschungsvernetzung und wissenschaftliche Projekte
zu verbessern. Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung
die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher
erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet
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