Zum Hauptinhalt springen

Jugendliche in Deutschland blicken optimistischer in die eigene Zukunft als vor einem Jahr

Pin It

Das Liz Mohn Center der Bertelsmann Stiftung hat zum zweiten Mal in einer
repräsentativen Umfrage die Lage der Kinder und Jugendlichen in
Deutschland erhoben. Das Ergebnis der diesjährigen Befragung: Die Mehrheit
der jungen Menschen in Deutschland blickt optimistischer in die Zukunft
als 2022. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind bereit, sich für die
Gesellschaft zu engagieren.

Gütersloh, 17.08.2023. Die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland im
Alter von 12 bis 18 Jahren blickt optimistischer in die persönliche
Zukunft als noch vor einem Jahr. 52 Prozent geben an, dass ihre
persönliche Zukunft in drei Jahren besser sein wird als jetzt (2022 waren
es noch 43 Prozent). 20 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen
schauen positiv auf die Zukunft Deutschlands, aber rund 38 Prozent der
Befragten sind kritisch, was die Entwicklung angeht und befürchten, dass
Deutschland in drei Jahren schlechter dasteht. Das sind die zentralen
Erkenntnisse der diesjährigen repräsentativen Jugendbefragung
"Einstellungen und Sorgen der jungen Generation Deutschlands“ des Liz Mohn
Centers der Bertelsmann Stiftung.

Die Umfrage wird im Vorfeld des diesjährigen Salzburger Trilogs
veröffentlicht. Das Thema des Salzburger Trilogs in diesem Jahr lautet:
"International Cooperation in a Polarized World – In Search for a
Contemporary Structure“. Liz Mohn, Präsidentin des nach ihr benannten Liz
Mohn Centers, sagt: „Wir sollten den wachsenden Optimismus der jungen
Menschen nutzen, eine Aufbruchstimmung zu schaffen. Ihre Perspektiven,
Pläne und Werte werden unsere Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten
ausmachen. Deshalb ist es wichtig, jungen Menschen zuzuhören, sie ernst zu
nehmen und ihnen attraktive Rahmenbedingungen für ihr Engagement zu
schaffen."

Demokratie zukunftsfest machen

Für 85 Prozent der jungen Menschen ist es wichtig, Verantwortung zu
übernehmen und 73 Prozent möchten einen Beitrag für die Gesellschaft
leisten, in der sie leben. Im vergangenen Jahr lagen diese Werte bei 80
Prozent (Verantwortung übernehmen) und 69 Prozent (Beitrag für die
Gesellschaft).

Allerdings scheint politisches Engagement eher wenig attraktiv für die
Jugend zu sein. Es besteht unter den Befragten wenig Interesse daran,
ihren Beitrag für die Gesellschaft über die Mitgliedschaft in einer
politischen Partei zu leisten. Nur 20 Prozent ist dies "eher wichtig“ bis
"sehr wichtig“. Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) gaben an, kein
Interesse daran zu haben, sich in einer politischen Partei zu engagieren.
"Die Parteien bleiben aufgefordert, für Kinder und Jugendliche
attraktivere Rahmenbedingungen für ein Engagement zu schaffen. Demokratie
ist keine Selbstverständlichkeit, Jugendliche benötigen attraktive
Optionen, um sich zu engagieren“, sagt Jörg Habich, Geschäftsführer des
Liz Mohn Centers zu den Ergebnissen.

Die empirische Untersuchung macht auch deutlich, dass die Demokratie nicht
in allen gesellschaftlichen Schichten über eine mehrheitliche Zustimmung
verfügt. Es zeichnet sich ein Gefälle ab, wonach die Demokratie eine
stabile Unterstützung bei höher gebildeten Kindern und Jugendlichen hat,
in den mittleren und niedrigen Bildungsschichten jedoch an Zustimmung
verliert. So stimmen über drei Viertel (77 Prozent) der höher Gebildeten
einer Bewertung von Demokratie als guter Regierungsform zu. Damit wächst
der Anteil in dieser Gruppe im Vergleich zu 2022 um sieben Prozentpunkte
an. Die Befragten mit (angestrebtem) mittlerem Schulabschluss bewerteten
die Demokratie jedoch nur noch zu 55 Prozent als gut. In der Gruppe der
Befragten mit (angestrebtem) niedrigerem Bildungsstand rutscht die
Zustimmung zur Demokratie im Vergleich zum Vorjahr um ganze 15
Prozentpunkte ab und liegt aktuell bei lediglich 40 Prozent. Die
Demokratie verliert damit in dieser Gruppe zunehmend an Rückhalt.

Jungen Menschen eine Stimme geben

Die Jugendlichen kritisieren auch das Desinteresse der Politik an ihren
Meinungen und Einstellungen. Eine Mehrheit von 64 Prozent der Befragten
stimmt der Aussage zu, dass Politiker:innen die Meinung junger Menschen
nicht ernst nähmen. Über die Hälfte (51 Prozent) der Befragten meint,
Politiker:innen nähmen das Thema Klimaschutz nicht ernst genug. Fast jeder
Zweite (47 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass die ältere Generation zu
viel Einfluss auf Politik habe.

Die jungen Menschen in Deutschland wollen Dinge gestalten und sich von den
anstehenden Krisen und Herausforderungen nicht abschrecken lassen, obwohl
die damit einhergehenden Sorgen wie vor einem Krieg in Deutschland (81
Prozent), dem Scheitern des eigenen Bildungswegs (78 Prozent) oder dem
Klimawandel (77 Prozent) groß sind. Hoffnung prägt aber auch hier die
Sichtweise der jungen Menschen, wenn über die Hälfte der Befragten die
persönliche Freiheit durch den Krieg mehr zu schätzen weiß (55 Prozent)
und darüber nachdenkt, wie man zu einer besseren Welt beitragen kann (52
Prozent). "Diese Potentiale gilt es zu nutzen, indem die entsprechenden
Angebote gemacht werden“, sagt Habich.

Zusatzinformationen
Der Umfrage "Einstellungen und Sorgen der jungen Generation Deutschlands“,
durchgeführt vom Meinungsforschungsinstituts IPSOS, liegt eine
repräsentative Stichprobe der deutschen Wohnbevölkerung im Alter von 12
bis 18 Jahren zugrunde. Die Umfrage ist quotiert und gewichtet nach Alter,
Geschlecht, Region und Bildung. Die Online-Interviews (CAWI – Computer-
Assisted Web Interviews) wurden vom 10. bis 21. Februar 2023 durchgeführt.
Die Stichprobengröße liegt bei 500 Teilnehmenden. Eine vergleichbare
Umfrage wurde bereits im Mai 2022 durchgeführt.

Über den Salzburger Trilog
Beim Salzburger Trilog trifft sich seit über 20 Jahren einmal im Jahr ein
kleiner Kreis
internationaler Persönlichkeiten, um wechselnde Zukunftsfragen zu
diskutieren. Bei dem Gedankenaustausch stehen die unterschiedlichen
Perspektiven aus Wirtschaft, Politik und Kultur im Vordergrund. Durch
engagierte Diskussionen um Werte und Grundsätze hat sich der Salzburger
Trilog im Laufe der Jahre als außergewöhnliche Dialogveranstaltung
etabliert.