Energieeffiziente Gebäude: Faktencheck Wärmepumpe
Statt mit Emotionen und Vermutungen arbeitet Prof. Dr. Michael Schaub beim
Thema Wärmepumpe mit Zahlen und Fakten – dabei räumt der Wissenschaftler
der Hochschule Coburg mit allerlei Vorurteilen und Fehlinformationen auf.
Ein Viertel der Energie in Deutschland wird im Haushalt verbraucht –
Gebäudetechnik spielt eine große Rolle. An der Fakultät Design der
Hochschule Coburg werden Expert:innen im Bachelor-Studiengang
„Bauingenieurwesen - Energieeffizientes Gebäudedesign“ ausgebildet. Hier
forscht und lehrt Prof. Dr. Michael Schaub als Professor für
energieeffiziente Gebäudetechnik. Aus einem Interview, das er vor einiger
Zeit zum Thema gegeben hat, ist jetzt ein aktueller Podcast des Anbieters
Lekker geworden, in dem Schaub die häufigsten und wichtigsten Fragen
beantwortet. Hier eine Zusammenfassung – der Rest zum Nachhören im Podcast
(unter anderem hier bei Spotify:
https://open.spotify.com/episo
https://podcasts.apple.com/us/
energieeffizienter/id159050878
1) Um eine Wärmepumpe zu betreiben, braucht es Strom – wie effizient
und klimafreundlich ist das?
„Wir können aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden
nutzbare Wärme gewinnen – die Effizienz ist bei Wärmepumpen enorm“, sagt
Schaub. „Drei Anteile Umweltwärme werden genau an dem Ort, an dem ich es
brauche, und zu dem Zeitpunkt, zu dem ich es brauche, einkoppelt.“ Diese
drei Anteile Energie müssen nicht transportiert und gespeichert werden,
wodurch die Stromnetze weniger belastet werden. Auch hinsichtlich der
CO2-Emmissionen ist die Wärmepumpe eindeutig eine Verbesserung: im
Vergleich zur Öl- und Gasheizung um 40 bis 60 Prozent – und das bereits
mit dem heutigen Strommix. „Die Wärmepumpen-Strategie, die in ganz Europa
sehr stark forciert wird, ist nicht aus der Luft gegriffen. Es gibt
zahlreiche Studien zur Transformation des Energiesystems.“ Verschiedenste
Rahmenbedingungen wurden wissenschaftliche betrachtet: einzelne
Bundesländer, ganz Deutschland oder Europa, mal ein Fokus auf
betriebswirtschaftliche, mal auf volkswirtschaftliche Aspekte und auch
unterschiedliche Szenarien wie der Elektropfad, der Wasserstoffpfad und
der Biomassepfad wurden untersucht. „Trotz der unterschiedlichen
Schwerpunkte sind die Ergebnisse im Kern relativ gleich“, erklärt Schaub.
Die Studien sagen ziemlich einheitlich voraus, dass irgendetwas zwischen
60 und 80 Prozent der Wärme durch Wärmepumpen gedeckt werden wird. Der
Rest durch Wärmenetze und sonstige Energieträger.
2) In der Diskussion wird oft auch gefordert, die Wärmewende
technologieoffen anzugehen. Welche Alternativen gibt es zur Wärmepumpe?
„Viel kommt nicht in Frage.“ Etwa zehn Prozent des Bedarfs werden derzeit
durch Fernwärme gedeckt. Anders als heute sollte diese künftig aus
erneuerbarer Energie gewonnen werden, aber ansonsten beurteilt Schaub
Wärmenetze als sehr zweckmäßig – immer dort, wo es vor Ort möglich ist.
Bei der erneuerbaren Wärme gibt es aktuell einen Spitzenreiter: Biomasse
macht zwei Drittel aus. Aber das Potenzial ist begrenzt. Maximal etwa zehn
Prozent des gesamten Wärmebedarfs könnten damit gedeckt werden. Und
effizient wäre das auch nicht: „Wenn wir eine Fläche beispielsweise für
Wind und Photovoltaik statt für Biomasse nutzen, erzielen wir etwa zehn
Mal so viel Energie.“ Sinnvoller sei es, beispielsweise Holz (statt es zu
verbrennen) als Baustoff zu nutzen und Biogas für Prozesse, die wirklich
hohe Temperaturen erfordern oder beispielsweise für Kraftwärmekopplung.
Den Einsatz von Wasserstoff sieht Schaub vor allem als Lösung für
Prozesse, bei denen fossile Energien nicht anders ersetzt werden können –
nicht fürs Heizen. Denn da lassen sich Öl und Gas sehr gut durch die
Wärmepumpe ersetzen.
3) Bei gut isolierten Neubauten ist das nachvollziehbar - aber was
ist mit Bestandsimmobilien?
„Für Wärmepumpen in Bestandsgebäuden gab es in den vergangenen zwei Jahren
eine enorme Entwicklung: Durch das natürliche Kältemittel Propan schaffen
wir es, bei Minus zehn Grad Außentemperatur 70 Grad warmes Wasser zu
liefern und dieses reicht aus für die allermeisten Bestandsgebäude – auch
mit Heizkörpern. An ganz kalten Tagen ist die Wärmepumpe nicht besonders
effizient. Aber solche Minustemperaturen kommen auch nicht so häufig vor.“
Zwei Drittel der Heizwärme werden bei Außentemperaturen von über Null Grad
erzeugt. Im Jahresdurchschnitt liefert die Wärmepumpe damit auch im
Bestandsgebäude sehr effiziente Werte. „Diese Technologien bringen Zeit.
Wir können eine Wärmepumpe einbauen. Wir müssen nicht gleichzeitig
sanieren. Das können wir im nächsten Schritt nachholen.“
4) Und wie soll das alles finanziert werden?
Es gehe nicht darum, auf einen Schlag alle Heizungen auszutauschen, wie
der Professor betont. „Es geht nur darum, dass Geräte, die jetzt defekt
sind, durch eine andere Technologie ersetzt werden. Da sind auch die
Hersteller gefragt, beispielsweise durch Geräte, die sich einfach
montieren lassen.“ Schaub erwartet auch, dass die Preise sinken, weil
Hersteller weltweit gerade in das Thema investieren. Insbesondere bei der
Technologie mit Propan für Bestandsgebäude ist Europa technologisch zur
Zeit führend – volkswirtschaftlich ein Vorteil. Aber wie können
Hausbesitzer:innen den Wandel zu einem effizienten Gebäude umsetzen und
finanzieren? „Man muss einen Plan erstellen. Und man muss anfangen!“
Welche Maßnahmen wann erfolgen und auch wie sie finanziert werden, muss
geplant werden. „Sinnvoll ist, erst einmal mit low hanging fruits zu
starten, beispielsweise mit Dämmung der Kellerdecke oder der obersten
Geschossdecke“, erklärt Schaub. Als nächstes Themen wie eine kontrollierte
Wohnungslüftung einplanen – ein oft unterschätztes Problem: „Bis zu einem
Drittel der Wärmeverluste im Bestandsgebäude werden durch das hygienisch
notwendige Lüften verursacht.“ Zuletzt sollten die
investitionsintensiveren Maßnahmen auf die Agenda. „Das muss individuell
für jedes Gebäude differenziert werden: Sind die Fenster vielleicht
sowieso demnächst fällig oder muss die Heizung ausgetauscht werden? Ist
vielleicht ein Außenanstrich geplant, der sich mit einer Dämm-Maßnahme
kombinieren lässt? „Das wichtigste ist, einen Plan zu erstellen und nach
und nach umsetzten. Damit man nicht irgendwann alles auf einmal
finanzieren muss.“
Informationen zum Studiengang „Bauingenieurwesen - Energieeffizientes
Gebäudedesign“ und zur Einschreibung gibt es unter www.hs-coburg.de.
