Absolventin der HBC erhält BUND-Forschungspreis 2023
Die Versiegelung von städtischen Flächen beeinträchtigt den natürlichen
Niederschlagsablauf und führt zu verstärktem Oberflächenabfluss sowie
reduzierter Verdunstung. Dadurch entsteht das Risiko von Überflutungen bei
starken Regenfällen. Gezieltes Regenwassermanagement gewinnt daher
zunehmend an Bedeutung. Selma Weduwen, Absolventin des Studiengangs
Projektmanagement (Bau) an der Hochschule Biberach, hat sich in ihrer
Bachelorthesis mit diesem Thema auseinandergesetzt und Möglichkeiten sowie
Grenzen eines nachhaltigen Regenwassermanagements am Beispiel der HBC
erforscht. Ihre Leistung wurde nun mit dem Forschungspreis 2023 des Bund
für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gewürdigt.
Absolventin der HBC erhält BUND-Forschungspreis 2023
Mit dem unaufhaltsamen Vormarsch der Versiegelung von Flächen in
städtischen Gebieten verliert der Boden seine Fähigkeit, Niederschlag
aufzunehmen und die natürlichen Abläufe zu bewahren. Diese Versiegelung
führt zu verstärktem Direktabfluss und verringerter Verdunstung, wodurch
sich die urbane Umgebung aufheizt und lokale Hitzeinseln entstehen.
Gleichzeitig steigt das Risiko von Überschwemmungen während starker
Regenfälle aufgrund der eingeschränkten Bodendurchlässigkeit. Das
effiziente Ableiten von Regenwasser wird angesichts der wachsenden
Bebauung zu einer immer größeren Herausforderung. Besonders bei starken
Regenfällen sind die bestehenden Kanalsysteme überfordert. In diesem
Kontext gewinnt ein gezieltes Regenwassermanagement zunehmend an
Bedeutung.
Selma Weduwen, Absolventin des Bachelorstudiengangs Projektmanagement
(Bau) an der Hochschule Biberach (HBC), hat sich in ihrer wegweisenden
Bachelorthesis diesem komplexen Thema gewidmet. Sie hat Möglichkeiten und
Grenzen eines klimafreundlichen Regenwassermanagements am Beispiel des
Campus Stadt der HBC untersucht. Für diese Arbeit hat sie nun eine
herausragende Anerkennung erhalten: Der Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) hat Selma Weduwen mit dem Nachhaltigkeitspreis 2023
ausgezeichnet.
Betreut wurde sie bei ihrer Abschlussarbeit von Prof. Dr. Ulrike Zettl,
die Siedlungswasserwirtschaft in der Fakultät Bauingenieurwesen und
Projektmanagement lehrt, sowie von Tobias Götz und Nicole Ottmann, die als
wissenschaftliche Mitarbeiter*innen im Projektbüro „Campus Zukunft“
arbeiten. Dank Herrn Götz habe sich Weduwen überhaupt für den Preis
beworben. „Ich war mir unsicher, ob meine Bachelorarbeit thematisch zum
Preis passt, da sie wenig Forschung dafür mehr Anwendung beinhaltet“, so
die Preisträgerin. Gerade aber der Praxis- und Aktualitätsbezug habe den
BUND und dessen Jury überzeugt.
Die Absolventin hat in ihrer Thesis am Beispiel der Hochschule Biberach
untersucht, wie die Umsetzung eines modernen Regenwassermanagements im
Bestand gelingen kann. Maßnahmen wie Versickerungselemente,
Fassadenbegrünung, Regenwassernutzung- und speicherung können dazu
beitragen, den städtischen Wasserhaushalt dem des unbebauten Zustands
wieder anzunähern, um die negativen Auswirkungen der Versiegelung durch
Infrastruktur zu mindern.
Die Bestandsanalyse zeigt, dass im Fall der HBC eine Erhöhung der
Verdunstung und gleichzeitig die Reduktion des Direktabflusses anzustreben
ist. Eine Verbesserung der Grundwasserneubildung sei laut Weduwen aus
wasserhaushaltstechnischer Sicht nicht sinnvoll. Die aus der
Bedarfsanalyse entwickelten Lösungsansätze hat die Projektmanagerin in
drei aufeinander aufbauende Varianten konzipiert, die sich in Aufwand,
Kosten und Wirkung unterscheiden. Durch Entsiegelungsmaßnahmen wird der
Direktabfluss reduziert (Variante 1). Begrünungsmaßnahmen und
Biotopbildung erhöhen die Verdunstung (Variante 2). Diese Maßnahmen
verändern den lokalen Wasserhaushalt positiv. Darüber hinaus tragen sie
zur Starkregenvorsorge und der Verbesserung der Aufenthaltsqualität bei
(Schwerpunkt Variante 3). „Frau Weduwen hat sehr schnell erkannt, dass
durch ein stufenweises Konzept die Akzeptanz erhöht und die Umsetzung der
Maßnahmen besser erreicht werden kann. Großen Wert legte sie auch auf die
Gestaltung der Außenanlagen, um diese für die Studierenden als
Aufenthaltsraum und Lernort nutzbar zu machen“, lobt Prof. Zettl ihre
ehemalige Studentin.
Die Ergebnisse und Ideen der Preisträgerin sollen im besten Falle auch in
die Umsetzung kommen, denn die HBC soll bis 2030 netto-treibhausgasneutral
gestaltet werden. Bestandsgebäude werden saniert, die Wärmeversorgung soll
auf erneuerbare Energien umgestellt und der Ausbau von Photovoltaikanlagen
vorangetrieben werden. „Damit bieten sich beste Voraussetzungen, dass die
Ideen aufgegriffen und in ein nachhaltiges, klimazukunftsfähiges
Gesamtkonzept eingebunden werden, indem die Puzzleteile des modernen
Regenwassermanagements wie Regenwassernutzung und Kühlung durch
Verdunstung mit der Schaffung von Grünzonen als attraktive Aufenthalts-
und Lernorte für Studierende sowie als Lebensraum für Pflanzen, Insekten
und Tiere verknüpft werden“, so die Betreuerin.
Inzwischen studiert Selma Weduwen an der Hochschule Bielefeld im Master
„Integrales Bauen“. Über den Preis vom BUND hat sie sich sehr gefreut:
„Der Preis ist eine großartige Wertschätzung meiner Arbeit und gibt dem
wichtigen Thema eine Plattform.“ Auch die Hochschule Biberach ist über die
bundesweite Auszeichnung von Frau Weduwen begeistert. Nachhaltiges Bauen,
Gestalten und Handeln sind Schwerpunkte an der HBC, die nicht nur einen
Bestandteil der Lehrinhalte darstellen, sondern auch in den
(Methoden-)Kompetenzen vermittelt werden. „Unsere Absolvent*innen sollen
befähigt werden, zukunftsweisende nachhaltige Entscheidungen treffen zu
können“, so Zettl. Die Auszeichnung bestärke die Hochschule in ihrem
Lehrangebot, aber auch in der Zielsetzung, die vorgeschlagenen Maßnahmen
zum modernen Regenwassermanagement und zur Vermeidung urbaner Hitzeinseln
in die Entwicklung des Hochschulcampus einfließen zu lassen.
Der BUND lobte 2023 zum siebten Mal einen Forschungspreis aus, der für
Forschung zur nachhaltigen Entwicklung vergeben wird. Damit soll dieses
Thema gestärkt werden und die öffentliche Aufmerksamkeit für
wissenschaftliche Leistungen in diesem Bereich erhöht werden.
Mit diesem Preis will der BUND herausragende Leistungen anerkennen und
insgesamt zu einer stärkeren Ausrichtung des Wissenschaftssystems an den
großen gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen. Damit sollen auch
wertvolle Grundlagen für praktische Natur- und Umweltschutzaktivitäten
unseres Verbandes gelegt und gefördert werden.
Über die Preisvergabe entschied eine Jury aus Mitgliedern des
Wissenschaftlichen Beirats des BUND. Die Jury entschied insbesondere
aufgrund der Bedeutung für die Arbeit des BUND. Die Entscheidung der Jury
ist endgültig; der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Preise werden im Rahmen einer BUND-Veranstaltung Ende des Jahres
verliehen.
