Expedition zu Langzeitobservatorium vor Oregon
MARUM-Team birgt in Bremen entwickeltes Tiefsee-Observatorium
Wie viel Methan tritt aus dem Ozeanboden aus? Diese Frage steht im Fokus
eines internationalen Projekts, an dem auch das MARUM – Zentrum für Marine
Umweltwissenschaften der Universität Bremen beteiligt ist. Jetzt zu Ende
des M³-Projektes (Sonar-Monitoring von Methanaustritten am Meeresboden)
startet eine Expedition zum Unterwasser-Observatorium vor der Westküste
der USA mit dem Forschungsschiff THOMAS G. THOMPSON und dem Tauchroboter
JASON.
Methan wirkt als starkes Treibhausgas, wenn es in die Atmosphäre gelangt.
Während die Methanemissionen an Land vergleichsweise leicht abzuschätzen
sind, ist dies für die unterseeischen Gasemissionen in den Ozeanen
schwieriger. Ein Unterwasserobservatorium im Rahmen der Ocean Observatory
Initiative (OOI) hilft dabei, Methangasemissionen am südlichen
Hydratrücken am oberen Kontinentalhang vor Oregon zu messen und ihre
Variabilität zu verstehen.
Das MARUM ist an dieser Initiative beteiligt und hat eigens dafür
Sonarsysteme entwickelt, um die Methanemissionen kontinuierlich zu messen,
die als Gasblasen aus dem Meeresboden austreten. Installiert wurden die
Geräte vor sechs Jahren, die Daten wurden über das OOI-Tiefseekabel und
das Internet auf dem MARUM-Server in Bremen gespeichert. Über die gleiche
Kabelverbindung konnten auch im Bedarfsfall die Messprogramme der Sensoren
des Tiefsee-Observatoriums nach wissenschaftlichen Kriterien
umprogrammiert werden.
Erste Ergebnisse der Langzeitbeobachtung deuten nun darauf hin, dass die
Menge des austretenden Gases stark variieren können. Grund dafür sind zum
Beispiel die Gezeiten im Pazifik vor der Westküste der USA. Der südliche
Hydratrücken, auf dem das Observatorium platziert ist, gehört zu den sehr
aktiven Methanaustrittsgebieten am Kontinentalrand der Kascaden-
Gebirgskette von Nordamerika.
„Es ist beeindruckend zu sehen, wie sehr ein Gezeitenunterschied von nur
drei Metern den Beginn und das Versiegen von einzelnen Methanemissionen in
der Tiefsee in über 800 Metern Wassertiefe beeinflussen kann. Der
Bodenwasserdruck ist jedoch nur ein Faktor, der die Gasfreisetzung
steuert, und es gibt gewisse hochfrequente Schwankungen, die sich nicht
allein durch die Gezeiten erklären lassen“, erklärt Dr. Yann Marcon,
Projektleiter vom MARUM. „Dank der kabelgebundenen Infrastruktur haben wir
entdeckt, dass die Morphologie des Meeresbodens extrem dynamisch ist, was
eine eher stochastische lokale Variabilität verursacht. Es ist wichtig,
dies bei der Messung von Methanflüssen am Ozeanboden zu berücksichtigen.“
Auf der Expedition, die am 23. August in Newport, Oregon, startet, wird
der Tauchroboter JASON (Woods Hole Oceanographic Institution) eingesetzt,
um das Observatorium zu warten sowie den Zustand der Geräte und den
Einsatzort zu dokumentieren. Vom MARUM sind Eberhard Kopiske und Jan
Gümpel mit an Bord des Forschungsschiffs THOMAS G. THOMPSON.
Mit dieser Expedition endet das M³-Projekt, das in zwei Phasen über sechs
Jahre lief. In dieser Zeit sind am MARUM entwickelte Geräte am Ozeanboden
installiert und betrieben worden. Aktuell sind ein Kamera-Observatorium,
eine Sonde zur Messung ozeanographischer Parameter und ein akustisches
Sonar Teil des Bremer Tiefseeinstrumentariums. Während der
„Visions23“-Expedition werden alle MARUM-Geräte geborgen, um wieder nach
Bremen zurück gebracht zu werden.
Das M³-Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
gefördert.
Die Expedition zum Observatorium am Ozeanboden kann im Live-Stream
verfolgt werden: https://interactiveoceans.wash
video/
