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Motor für Branche und Bauwende“ Deutscher Umweltpreis für Unternehmerin Dagmar Fritz-Kramer

Vorhang auf: Holzbau-Unternehmerin Dagmar Fritz-Kramer erhält 2023 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie sei „Motor für Branche und Bauwende“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.  © Jongebloed | DBU
Vorhang auf: Holzbau-Unternehmerin Dagmar Fritz-Kramer erhält 2023 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie sei „Motor für Branche und Bauwende“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. © Jongebloed | DBU
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Vorhang auf: Holzbau-Unternehmerin Dagmar Fritz-Kramer erhält 2023 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie sei „Motor für Branche und Bauwende“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.  © Jongebloed | DBU
Vorhang auf: Holzbau-Unternehmerin Dagmar Fritz-Kramer erhält 2023 den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie sei „Motor für Branche und Bauwende“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. © Jongebloed | DBU

Motor der Baubranche, Ökopionier, Vorreiter bei der Bauwende:
Der mittelständische Allgäuer Familienbetrieb Bau-Fritz GmbH & Co. KG in
Erkheim, kurz Baufritz, macht seit Jahrzehnten vor, wie Klima- und
Umweltschutz durch Fertigholzbau bei Häusern, Wohnungen und Sanierungen
gelingt. Für diese herausragende Leistung erhält Baufritz-
Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer (52) den diesjährigen Deutschen
Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Auszeichnung in
Höhe von 500.000 Euro zählt zu den höchstdotierten Umweltpreisen Europas.
Fritz-Kramer teilt sich den Betrag mit Klimawissenschaftlerin Prof. Dr.
Friederike Otto. Beiden wird der Preis am 29. Oktober in Lübeck von
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.

„Vorzügliche Pionierarbeit“ durch energieeffizientes und ökologisches
Bauen

„Diplom-Ingenieurin Fritz-Kramer leistet mit ihrem Betrieb vorzügliche
Pionierarbeit“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Sie und ihre
Mitarbeitenden sind echter Motor für Branche und Bauwende. Diesen
überragenden Beitrag zum energieeffizienten und ökologischen Bauen würdigt
die DBU mit dem Deutschen Umweltpreis.“ Denn der Betrieb setze sowohl beim
Neubau als auch bei Sanierungen und Aufstockungen von Gebäuden zentral auf
den Baustoff Holz. „Ein exzellenter Klimaschützer, weil Holz große Mengen
an Kohlenstoff speichert und so die Bildung von klimaschädlichem
Kohlendioxid verhindert. Das ist fast so, als ob man einen zweiten Wald
aus Häusern baut“, so Bonde. Das sei „genau die richtige Strategie, damit
der Gebäudesektor klimaneutral wird, um so die internationalen Klimaziele
zu erreichen“. Baufritz-Geschäftsführerin Fritz-Kramer nennt die
bevorstehende Auszeichnung in einer ersten Reaktion „wertvoll für ein
wichtiges Thema. Denn die Bauwende bedeutet große Herausforderungen,
bietet aber auch viele Möglichkeiten für mehr Klimaschutz.“

Gebäudesektor verursacht fast 40 Prozent aller Treibhausgasemissionen in
Deutschland

Das Potenzial ist tatsächlich beachtlich: Laut Gebäudereport 2023 der
Deutschen Energie-Agentur (dena) im Auftrag des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Klimaschutz gibt es derzeit in Deutschland rund 21,4
Millionen Gebäude, darunter ungefähr zwei Millionen sogenannte
Nichtwohngebäude. Allesamt verursachen diese Immobilien hierzulande etwa
40 Prozent der laut Umweltbundesamt-Statistik des Jahres 2022 bundesweit
rund 746 Millionen Tonnen Emissionen an klimaschädlichen Treibhausgasen
(THG). Hauptursache für den hohen Anteil des Gebäudesektors ist der
immense Altbestand hierzulande: Nahezu zwei Drittel der Gebäude wurden vor
1977 errichtet – also bevor eine Wärmeschutzverordnung die Dämmung von
Dächern, Decken und Wänden vorschrieb. „Wir müssen Tempo machen bei der
Sanierung“, so Bonde. Die Herausforderung: Die Europäische Union will bis
2050 klimaneutral sein, Deutschland schon bis 2045 – also ohne Ausstoß
klimaschädlicher THG wie Kohlendioxid (CO2), der nicht anderweitig
gebunden werden kann. Bonde: „Das schließt natürlich den Gebäudesektor
ein, der aber gerade deshalb ein Riesenhebel für das Erreichen der
Energiewende ist. Ein Schlüsselfaktor ist dabei die Holzbauweise.“ Laut
einer Studie der Ruhr Universität Bochum eröffnen sich bereits bis 2030
Chancen, wenn man konsequent auf Holz als Baustoff setzt: Demnach könnten
auf diese Weise allein in Deutschland binnen der nächsten sieben Jahre 42
Millionen Tonnen THG eingespart werden.

Urgroßvater Sylvester Fritz startete als klassische Landzimmerei

Die Bau-Fritz GmbH & Co.KG will dazu seit vielen Jahrzehnten beitragen.
Der Familienbetrieb existiert mittlerweile in vierter Generation. Alles
nahm seinen Anfang 1896 mit Urgroßvater Sylvester Fritz, der den Schritt
in die Selbstständigkeit wagte. „Wir sind aus einer klassischen
Landzimmerei entstanden. Einige Dachstühle von damals gibt es heute noch
in Erkheim“, sagt Dagmar Fritz-Kramer. Sie absolvierte zunächst eine Lehre
als Schauwerbegestalterin, holte das Abitur nach, um schließlich in den
Fachrichtungen Innenarchitektur sowie Wirtschaftsingenieurwesen jeweils
ihr Diplom zu erlangen. Seit 2004 ist die zweifache Mutter
geschäftsführende Gesellschafterin im Familienbetrieb, wo rund 500
Mitarbeitende in 15 Abteilungen tätig sind, darunter – für eine
mittelständische Firma bemerkenswert – auch der Bereich Forschung und
Entwicklung. Diese Strategie hat sich ausgezahlt: Der Betrieb hält mehr
als 40 Patente und Schutzrechte.

Grandioser Gedanke: Dämmung aus Spänen, Soda und Molke

Das Fundament für die Firmenentwicklung legten Großvater Johann und Vater
Hubert. Opa Johann kam auf die seinerzeit revolutionäre Idee,
(Holz-)Bauteile in externen Hallen vorzufertigen – statt wie zuvor üblich
direkt auf der Baustelle. Dieses Verfahren hat der Familienbetrieb im Lauf
der Jahrzehnte perfektioniert. Vater Hubert schließlich hatte – ganz im
Sinn von Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Baubiologie – den
grandiosen Gedanken, mit sowieso bei den Säge- und Hobelwerken anfallenden
Holzspänen energieeffiziente und gesundheitlich unbedenkliche Dämmung zu
kreieren. Jahrelang blieb er hartnäckig, experimentierte, tüftelte – und
landete letztlich bei der Kombination mit Soda und Molke, um neue Vorgaben
für Ungeziefer- und Brandschutz zu erfüllen. Die Patentierung folgte
prompt, die Methode wurde Markenzeichen der Allgäuer – ebenso wie ein
spezielles Holz-Stecksystem und als neue Innovation ein „Energie-
Wändemodul“. Es sei „das Technik-Herz eines Hauses, alles in einem Raum“ –
von Schaltschrank und Stromspeicher über Lüftungsanlage und
Trinkwasserverteilung bis hin zu Wärmeerzeuger und Waschmaschine, so
Dagmar Fritz-Kramer.

„Sand so rar, dass er aus dem Meer gesogen werden muss“

Die designierte DBU-Umweltpreisträgerin ist überzeugt, „dass die Bau- und
Wärmewende in den nächsten zehn Jahren gelingt“, sieht dazu aber auch die
Industrie in der Pflicht. „Noch verursacht die Baubranche fast zwei
Drittel des Müllbergs in Deutschland. Da müssen wir ran“, so Fritz-Kramer.
Neben Sanierung seien Recycling und Ressourcenschonung essentiell. „Sand
ist mittlerweile so rar, dass es aus dem Meer gesogen werden muss“, sagt
die Geschäftsführerin. Ihr Betrieb Baufritz verarbeitet in Zusammenarbeit
mit Säge- und Hobelwerken im 120-Kilometer-Radius nach eigenen Angaben pro
Jahr vor allem „heimisches Fichtenholz vor der Haustür“ – aus nahezu
11.900 Kubikmetern entstehen etwa 143.000 Quadratmeter Fläche von Wänden
über Dächer bis hin zu Decken. Fritz-Kramer: „Im Durchschnitt bedeutet
jedes Baufritz-Gebäude eine CO2-Ersparnis von rund 50 Tonnen. Das sind pro
Jahr insgesamt etwa 12.000 Tonnen Kohlendioxid.“

Daten, Zahlen, Fakten, Hintergründe und Reportagen im DBU-Umweltpreis-
Blog: https://www.dbu.de/umweltpreis/umweltpreis-blog/