Zum Hauptinhalt springen

Deutscher Umweltpreis der DBU für Klimaforscherin und Holzbau-Pionierin

Auszeichnung: Holzbau-Pionierin Dagmar Fritz-Kramer (links) und Klimaforscherin Friederike Otto erhalten dieses Jahr den Deutschen Umweltpreis der DBU.  © Baufritz | © guy@strikingfaces
Auszeichnung: Holzbau-Pionierin Dagmar Fritz-Kramer (links) und Klimaforscherin Friederike Otto erhalten dieses Jahr den Deutschen Umweltpreis der DBU. © Baufritz | © guy@strikingfaces
Pin It
Auszeichnung: Holzbau-Pionierin Dagmar Fritz-Kramer (links) und Klimaforscherin Friederike Otto erhalten dieses Jahr den Deutschen Umweltpreis der DBU.  © Baufritz | © guy@strikingfaces
Auszeichnung: Holzbau-Pionierin Dagmar Fritz-Kramer (links) und Klimaforscherin Friederike Otto erhalten dieses Jahr den Deutschen Umweltpreis der DBU. © Baufritz | © guy@strikingfaces

Friederike Otto und Dagmar Fritz-Kramer ausgezeichnet
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeichnet dieses Jahr
zwei Frauen mit dem Deutschen Umweltpreis aus: Klimaforscherin Prof. Dr.
Friederike Otto und Holzbau-Unternehmerin Dipl.-Ing. Dagmar Fritz-Kramer
teilen sich die zum 31. Mal vergebene renommierte Auszeichnung in Höhe von
insgesamt 500.000 Euro. Sie zählt zu den höchstdotierten Umweltpreisen
Europas. Überreicht wird der Preis am 29. Oktober in Lübeck von
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

„Beide Preisträgerinnen sind echte Inspiration und Motivation“

„Beide Preisträgerinnen beweisen jeweils in ihrem Metier mit
herausragender Tatkraft, dass wir keine Zeit im Kampf gegen die Klimakrise
verlieren dürfen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Nach seinen
Worten gelingt Friederike Otto und Dagmar Fritz-Kramer etwas
Entscheidendes: „Sie sind echte Inspiration und Motivation, aus den
bereits unübersehbaren Folgen der Erderwärmung zu lernen und deshalb Tag
für Tag noch mehr Umwelt- und Ressourcenschutz umzusetzen, damit der
Planet lebenswert bleibt“, so Bonde.

Zusammenhang zwischen Klimawandel und Wetter

Friederike Otto vom Imperial College London hat sich laut Bonde als
„exzellente Klimawissenschaftlerin mit wegweisenden Forschungsarbeiten um
die sogenannte Zuordnungswissenschaft verdient gemacht“. Die auch
Attributionsforschung genannte Disziplin spürt der Frage nach, welche
Rolle der Klimawandel beim Wetter spielt – „ob es also Zusammenhänge
zwischen Klimaverände­rungen und Extremwetter wie Hitzewellen, Dürren,
Überflutungen und Starkregen gibt“, so der DBU-Generalsekretär. 2015 hat
die 41-jährige Klimawissenschaftlerin zusammen mit ihrem mittlerweile
verstorbenen niederländischen Kollegen Prof. Dr. Geert Jan van Oldenborgh
die Initiative World-Weather-Attribution (WWA) gegründet und das Verfahren
der Attribution von extremen Wetterereignissen zum menschengemachten
Klimawandel maßgeblich mitentwickelt.

Bonde zufolge zeichnen drei Faktoren Ottos Arbeit aus: die schnelle
Veröffentlichung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse über mögliche
Zusammenhänge zwischen globalem Klimawandel und regionalem Extremwetter,
neben Ursachenforschung auch die Darstellung lokaler Folgen der globalen
Klimakrise sowie schließlich drittens Vorschläge für wirksame
Anpassungsmaßnahmen. Bonde: „Die Präsentation fundierter Forschung in
Echtzeit ist nicht nur bahnbrechend für einen ausgewogenen Diskurs über
Klimawandel, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen, sondern entzieht auch
Falschnachrichten den Boden. All das macht die Erderwärmung real und
begreifbar.“ Die Arbeiten von Klimawissenschaftlerin Otto und ihrem Team
versetzen die Menschen laut Bonde „überhaupt erst in die Lage,
vorausschauend zu handeln, um sich gegen die Klimakrise zu wappnen“.  Für
Aufmerksamkeit sorgte jüngst eine aktuelle WWA-Studie im Juli. Fazit: Ohne
den menschengemachten Klimawandel wären die diesjährigen Hitzewellen in
Nordamerika und Südeuropa nicht möglich gewesen. Bonde: „Eine deutliche
Aufforderung zu Hitzeaktionsplänen sowie zum schnellstmöglichen Verzicht
auf fossile Energieträger, die erheblich zum Aufheizen des Planeten
beitragen.“

„Ideengeberin für neue Wege im Bausektor“

Dagmar Fritz-Kramer ist als Geschäftsführerin des Allgäuer
Familienbetriebs Bau-Fritz GmbH & Co.KG, kurz Baufritz, nach den Worten
des DBU-Generalsekretärs „Ideengeberin für neue Wege im Bausektor“. Bonde
weiter: „Sie und ihr Unternehmen sind Motor für die Branche und
Vorreiterin für die Bauwende.“ Denn bei Neubau, Sanierungen und
Aufstockungen setze Baufritz fast ausschließlich auf den Baustoff Holz –
„ein exzellenter Klimaschützer, der große Mengen an Kohlenstoff speichert
und auf diese Weise die Bildung von klimaschädlichem Kohlendioxid
verhindert“. Der Gebäudesektor ist nach Bondes Einschätzung „einer der
Schlüsselfaktoren, wenn Deutschland wie geplant bis 2045 klimaneutral
werden will“. Aus gutem Grund: Der Gebäudebereich verursacht hierzulande
etwa 40 Prozent der laut Umweltbundesamt-Statistik des Jahres 2022
bundesweit 746 Millionen Tonnen Emissionen an klimaschädlichen
Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2). Dringend saniert werden muss
deshalb der Gebäude-Altbestand hierzulande – fast zwei Drittel der rund
21,4 Millionen Immobilien in Deutschland fallen in diese Kategorie.
Baufritz-Geschäftsführerin Fritz-Kramer sieht die eigene Branche auch
deshalb in der Pflicht, „weil sie fast zwei Drittel des Müllbergs in
Deutschland verursacht“.  Sanierung, Recycling und Ressourcenschonung
nennt die 52-Jährige „essentiell“, auch weil Sand zu einem raren Gut
geworden sei. Baufritz verarbeitet vor allem heimisches Fichtenholz und
erreicht nach eigenen Angaben durch die Bauprojekte jedes Jahr eine
CO2-Ersparnis von etwa 12.000 Tonnen. „Wir brauchen Menschen wie Frau
Fritz-Kramer, die mit Weitsicht, Wagemut und wirtschaftlicher Kompetenz
Nachhaltigkeit, Umwelt- und Ressourcenschutz in die Praxis umsetzen. Nur
so schaffen wir die Klimaziele“, so DBU-Generalsekretär Bonde.

Familienbetrieb in vierter Generation und Klimawissenschaftlerin mit
internationalem Renommee

Diplom-Ingenieurin Dagmar Fritz-Kramer ist seit 2004 geschäftsführende
Gesellschafterin im Familienbetrieb, der 1896 seinen Anfang nahm und
mittlerweile in vierter Generation existiert. Das mittelständische
Unternehmen mit rund 500 Mitarbeitenden hat eine eigene Abteilung
Forschung und Entwicklung und hält mehr als 40 Patente und Schutzrechte.
Klimawissenschaftlerin Friederike Otto ist eine Leitautorin des sechsten
Sachstandsberichts des Weltklimarats (IPCC). Die Physikerin und
promovierte Philosophin erhielt im November 2022 eine Exzellenzprofessur
der Petersen-Stiftung. Als WWA-Mitgründerin wurde sie auf der renommierten
Time100-Liste als eine der einflussreichsten Menschen der Welt geführt.

Daten, Zahlen, Fakten, Hintergründe und Reportagen im DBU-Umweltpreis-
Blog: https://www.dbu.de/umweltpreis/umweltpreis-blog/