Post/Long-COVID könnte zu hohen Kosten durch Arbeitsausfälle führen
Mit einer Erkrankung an Post/Long-Covid könnten neben medizinischen auch
hohe indirekte Kosten durch Arbeitsausfall verbunden sein. In einer
Online-Befragung des RWI in Zusammenarbeit mit Long COVID-Deutschland
(LCD) lagen diese indirekten Kosten von an Post/Long-COVID-Erkrankten bei
durchschnittlich etwa 22.200 Euro pro Person. Alleine für die gut 1.000
Betroffenen, die an der Befragung teilnahmen, bezifferten sich die
indirekten Kosten der Erkrankung damit auf schätzungsweise rund 23
Millionen Euro. Zudem zeigt die Analyse, dass sich die Erkrankung mit
zunehmendem Schweregrad auch stärker auf Lebensqualität und finanzielle
Situation der Betroffenen auswirkt.
Das Wichtigste in Kürze:
• Mit einer Erkrankung an Post/Long-Covid könnten neben medizinischen auch
hohe indirekte Kosten verbunden sein. In einer Online-Befragung des RWI in
Zusammenarbeit mit Long COVID Deutschland (LCD) lagen die indirekten
Kosten von an Post/Long-COVID-Erkrankten durch Arbeitsausfall zum
Zeitpunkt der Erhebung bei durchschnittlich etwa 22.200 Euro pro Person.
Die durchschnittliche Krankschreibungsdauer betrug 237 Tage. Alleine für
die gut 1.000 Betroffenen, die an der Befragung teilnahmen, bezifferten
sich die indirekten Kosten der Erkrankung damit auf schätzungsweise rund
23 Millionen Euro.
• Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation entwickeln nach einer
Infektion mit SARS-CoV-2 rund 10 Prozent der Erkrankten anhaltende oder
neu auftretende gesundheitliche Beschwerden in Form von Long COVID. Halten
die Beschwerden länger als zwölf Wochen an, wird dieser Krankheitszustand
als Post-COVID-Syndrom bezeichnet. Für Deutschland liegen bislang keine
genauen Angaben zum Vorkommen des Post-COVID-Syndroms in der Bevölkerung
vor.
• Im Rahmen der Erhebung wurden 26 Symptome und ihre Ausprägung abgefragt.
Die Befragten wurden je nach Anzahl und Ausprägung ihrer Symptome in drei
verschiedene Cluster eingeteilt: mildes, moderates und schweres Post-
COVID-Syndrom. Je nach Schweregrad der Erkrankung lagen die
durchschnittlichen indirekten Kosten zwischen 18.400 Euro pro Erkrankten
(bei einer durchschnittlichen Krankschreibungsdauer von 193 Tagen) und
24.200 Euro (bei einer durchschnittlichen Krankschreibungsdauer von 265
Tagen).
• Zu den besonders häufig als „häufig/stark“ ausgeprägten Symptomen
gehören chronische Erschöpfung, Zustandsverschlechterung nach Belastung
(Post-exertionelle Malaise, kurz PEM) sowie allgemeine Müdigkeit und
Kraftlosigkeit.
• Befragte, die dem Cluster „schweres Post-COVID-Syndrom“ zugeordnet
wurden, gaben deutlich stärkere Auswirkungen auf ihre finanzielle
Situation und die Versorgung von Kindern und Familie an als Befragte aus
dem Cluster „mildes Post-COVID-Syndrom“.
• Teil der Befragung war auch eine Abfrage zur Lebensqualität anhand des
sog. SF-36-Score, einem Zahlenwert zwischen 0 und 100. Bei Befragten ohne
Long/Post-COVID lag dieser bei rund 70 Punkten, bei Personen mit Long
/Post-COVID bei einem deutlich geringeren Wert von rund 37 Punkten.
• Die Studie basiert auf einer Online-Befragung, für die eigens ein
Fragebogen konzipiert wurde. Aufrufe zur Teilnahme erfolgten überwiegend
über die Internetseite von LCD sowie die LCD-Selbsthilfegruppe auf
Facebook. Die Erhebung wurde vom 26. Juni 2022 bis zum 31. Juli 2022
durchgeführt, von insgesamt 2.756 Teilnehmenden beantworteten 2.145 (rund
78 Prozent) mindestens die Hälfte aller Fragen. Die Angaben dieser
Personen bilden die Datengrundlage der Studie.
• Der Fragebogen wurde überwiegend von Frauen ausgefüllt, nur 22 Prozent
der Befragten waren Männer. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei
42,9 Jahren. Die Teilnehmenden waren nach eigenen Angaben in der Mehrheit
an Long/Post-COVID erkrankt.
• Die Ergebnisse der Analysen sind aufgrund der Art, wie der Fragebogen in
Umlauf gebracht wurde, nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung oder
alle Long/Post-COVID-Erkrankten. Zudem handelt es sich bei den Analysen um
Korrelationen und nicht um Kausalzusammenhänge. Gleiches gilt für die
Kostenanalyse. Sie ist nur eine Momentaufnahme der Kosten innerhalb der
Analysestichprobe, weil ein großer Teil der Betroffenen zum Zeitpunkt der
Befragung noch krankgeschrieben war.
„Unsere Analyse zeigt, dass eine Erkrankung an Long/Post-COVID nicht nur
die Lebensqualität vieler Betroffener stark einschränkt, sondern auch
gesamtwirtschaftlich mit hohen Kosten verbunden sein könnte“, sagt RWI-
Gesundheitsökonom Alexander Haering. „Die Integration Post-COVID-
Erkrankter in ihr soziales und berufliches Umfeld ist eine enorme
gesellschaftliche Herausforderung. Unsere Analyse gibt einen Einblick in
schweregradabhängige Krankheitsfolgen und zu erwartende Ausfälle durch
langwierige Arbeitsunfähigkeiten“, ergänzt Dr. Claudia Ellert von Long
COVID Deutschland (LCD).
