Tag der Weiterbildung am 26. September: Neue Studie zeigt Hindernisse für Mütter bei der beruflichen Weiterbildung
Berufliche Weiterbildung ist für Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmer ein
wichtiger Faktor um dauerhaften beruflichen Erfolg zu fördern und
Aufstiegschancen zu sichern. Eine neue Studie mit Daten des Nationalen
Bildungspanels zeigt nun erstmals einen alarmierenden Trend: Nach der
Geburt ihres Kindes investieren Frauen in Deutschland deutlich weniger in
ihre berufliche Weiterbildung. Männer hingegen beteiligen sich auch als
frischgebackene Väter fast ohne Abstriche weiter am lebenslangen Lernen.
Weiterbildung steht für junge Eltern hinten an
Die Studie zeigt, dass berufliche Weiterbildung für junge Eltern zunächst
generell in den Hintergrund rückt – jedoch aus ganz unterschiedlichen
Gründen. Dafür berücksichtigte Zoch in den Modellen weitere Veränderungen
nach der Geburt, beispielsweise die gestiegene Zeitverwendung im Haushalt
oder Veränderungen in der beruflichen Situation. Auch hier zeigen sich
große Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Während Väter ihre
Weiterbildungsaktivitäten nur vorübergehend einschränken, insbesondere
während der – meist kurzen – Erwerbsunterbrechung durch die Elternzeit,
verzichten Mütter langfristiger auf berufliche Weiterbildungen.
Mütter verzichten längerfristig auf Weiterbildung
Für Mütter hingegen ist die Elternzeit überraschenderweise nicht der
Hauptgrund, auf berufliche Weiterbildung zu verzichten. Laut Studie ist
vielmehr ausschlaggebend, dass sie mit einer verringerten Arbeitszeit in
den Beruf zurückkehren und langfristig stärker durch die Kinderbetreuung
belastet sind. Beides scheint für einen längeren Zeitraum nach der Geburt
die Bereitschaft und die Möglichkeiten zu reduzieren, in berufliche
Weiterbildungsmaßnahmen zu investieren.
Die Geburt eines Kindes führt dazu, dass Frauen nach wie vor den Großteil
der Familienarbeit übernehmen, häufiger in Teilzeit arbeiten, ihre
beruflichen Ambitionen reduzieren oder auch weniger unterstützt werden und
daher seltener an berufsbezogenen Weiterbildungen teilnehmen. Dies kann
sich langfristig nicht nur negativ auf Beförderungschancen, sondern auch
auf die Beschäftigungssicherheit auswirken“, so Gundula Zoch.
Kinderbetreuung reduziert Nachteile für Frauen
Wie aber können Mütter besser unterstützt werden, damit sich das
Missverhältnis in Bezug auf berufliche Weiterbildung für Frauen und Männer
wieder angleicht? Dafür untersuchte Gundula Zoch in einer weiteren Studie
den Einfluss des Kitaausbaus auf das Weiterbildungsverhalten von Müttern.
Die Ergebnisse zeigen, dass ein besseres Angebot an Betreuungsplätzen die
negativen Auswirkungen der Geburt auf die Teilnahme von Müttern an
berufsbezogenen Weiterbildungsmaßnahmen verringert.
Zoch weist darauf hin, dass familienpolitische Maßnahmen für mehr
Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt sorgen können: „Die
Ergebnisse verdeutlichen, wie wichtig der flächendeckende Ausbau von
frühkindlichen Betreuungsangeboten von guter Qualität ist, um die
geschlechtsspezifischen Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt zu
verringern.“
Zur Datengrundlage:
Die dargestellten Ergebnisse beruhen auf Daten des Nationalen
Bildungspanels in Deutschland (NEPS). Als Längsschnittstudie erhebt NEPS
Daten zu verschiedenen Bildungsprozessen über die gesamte Lebensspanne.
Einbezogen wurden alle Wellen der Jahre 2008 bis 2020, die Messungen der
Weiterbildungsbeteiligung beinhalteten. Die ausgewertete Stichprobe
umfasste 15.747 Männer mit 606 Geburten und 15.110 Frauen mit 492
Geburten.
