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Reallabore-Gesetz: Experimentierräume nachhaltig und partizipativ gestalten

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Gemeinsame Pressemitteilung von Öko-Institut und Netzwerk „Reallabore der
Nachhaltigkeit“

Das Netzwerk „Reallabore der Nachhaltigkeit“ begrüßt die Erarbeitung eines
bundesweiten Reallabore-Gesetzes wie vom Bundesministerium für Wirtschaft
und Klimaschutz (BMWK) angeregt und fordert wesentliche Ergänzungen etwa
bei der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, harmonisierte Mindeststandards und
Partizipation der Zivilgesellschaft.

Das Netzwerk als Zusammenschluss von mehr als 50 Organisationen der
deutschsprachigen Reallabor-Community mahnt in einer aktuellen
Stellungnahme insbesondere an, dass Ergebnisoffenheit und der
gesellschaftliche Diskurs bei der Erprobung von technischen und sozialen
Innovationen in Reallaboren nicht vernachlässigt werden dürfen.

„Ob künstliche Intelligenz oder der beschleunigte Ausbau der Windenergie –
Zukunftsinnovationen brauchen gesellschaftliche Diskurse, an denen sich
alle interessierten Akteure insbesondere aus der Zivilgesellschaft
beteiligen können“, erklärt Dr. Regina Rhodius, Expertin für
Reallaborforschung am Öko-Institut. „Nur so können breite
gesellschaftliche Koalitionen entstehen, die dann auch herausfordernde
Situationen etwa bei der Nachhaltigkeitstransformation mittragen.“

Konsequente Ausrichtung an Nachhaltigkeit

Das Netzwerk betont zudem, dass wirksame Reallabore grundlegende
Charakteristika erfüllen müssen, um ihr volles Potenzial entfalten zu
können. Die im Grünbuch Reallabore des BMWK genannten übergreifenden
Standards sollten deshalb um Kriterien ergänzt werden wie zum Beispiel
Forschungsorientierung: Reallabore dienen auch dazu, neues Wissen zu
erzeugen; Akteursvielfalt und Partizipation: vielfältige Akteure aus
Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und vor allem der Zivilgesellschaft
werden angemessen einbezogen; Laborcharakter: Reallabore sind Räume für
gesellschaftliche Experimente, die ergebnisoffen und reversibel
durchgeführt werden; sowie Bildung: Reallabore dienen als
transdisziplinäre Lern- und Bildungsräume.

Das Netzwerk hebt insbesondere die konsequente Orientierung von
Reallaboren an Nachhaltigkeitszielen für die gesetzliche Ausgestaltung der
Experimentierräume hervor. So sollte im Reallabore-Gesetz verbindlich
verankert werden, dass Reallabore Nachhaltigkeit als erste Prämisse für
das Erproben von Innovationen setzen. „Reallabore sollten sich am Konzept
der starken Nachhaltigkeit orientieren und wirtschaftliche und soziale
Innovationen im Rahmen planetarer Grenzen ermöglichen“, fordert Dr. Oliver
Parodi, Sprecher des Netzwerks „Reallabore der Nachhaltigkeit“. “Alles
andere wäre nicht nur unzeitgemäß, sondern auch politisch
unverantwortlich. Nicht zuletzt auch, weil der Koalitionsvertrag der
Bundesregierung das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen einfordert.“

Partizipation für eine starke Beteiligung von Zivilgesellschaft

Weltweit sind Reallabore und ähnliche ‚Labs‘ in den letzten Jahren zu
einer wichtigen Einrichtung in der transdisziplinären und transformativen
Forschung und Praxis geworden. In ihnen können innovative Ideen und neue
gesellschaftliche Praktiken konkret und praxisnah entwickelt, erprobt und
erforscht werden. Damit werden Reallabore zu Inkubatoren des Wandels und
können zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft beitragen.

Wichtigster Pluspunkt von transdisziplinär angelegten Reallaboren ist
dabei die Interaktion von Sektor-, Branchen-, Disziplinen- und
Technologie-übergreifend arbeitenden Akteuren und Akteurinnen. Das
Reallabore-Gesetz und der geplante One-Stop-Shop Reallabore – also eine
zentrale Anlaufstelle für die Beratung der Praxis, Wissenssammlung und
Wissenstransfer in die Gesetzgebung – sollten dabei die Rolle der
Zivilgesellschaft weiter stärken. Dazu gehört neben einer adäquaten
Ansprache auch die verstärkte finanzielle Förderung ihrer Arbeiten im
Reallabor.

Über das Netzwerk „Reallabore der Nachhaltigkeit“

Das Netzwerk „Reallabore der Nachhaltigkeit“ umfasst 50 Organisationen
sowie über 80 aktive und abgeschlossene Reallabore im deutschsprachigen
Raum. Die Akteure im Netzwerk arbeiten seit mehr als zehn Jahren in und zu
Reallaboren. Sie haben sowohl den theoretischen Diskurs als auch die
Verwirklichung von Reallaboren maßgeblich mitgeprägt und in diesem
Zeitraum wichtige Beiträge zur Entwicklung, Umsetzung, Rahmensetzung und
Förderung von Reallaboren geleistet.

Herausgebende Institutionen der Stellungnahme zur Initiative des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) für ein
Reallabore-Gesetz sind: Ecological Research Network (Ecornet), Frankfurt
University of Applied Sciences (FRA UAS), Leibniz-Institut für ökologische
Raumentwicklung (IÖR), ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung,
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Leuphana Universität Lüneburg,
Öko-Institut, Wuppertal Institut sowie weitere Akteure des Netzwerkes
Reallabore der Nachhaltigkeit.

Stellungnahme des Netzwerks „Reallabore der Nachhaltigkeit“ zur Initiative
des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) für ein
Reallabore-Gesetz (auf der Website des Netzwerks)
https://www.reallabor-netzwerk.de/stellungnahme-reallabore-gesetz.php

Weitere Informationen zum Netzwerk „Reallabore der Nachhaltigkeit“
https://www.reallabor-netzwerk.de/

Ansprechpartner beim Netzwerk „Reallabore der Nachhaltigkeit“

Dr. Oliver Parodi
Sprecher des Netzwerks und Leiter der Forschungsgruppe
„Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
Telefon: +49 721 608-26816
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Über das Öko-Institut

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen
Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der
Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien,
wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal
umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg,
Darmstadt und Berlin vertreten.
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