Lasten leicht, sicher und zuverlässig transportieren: 4. Nationale Radlogistik-Konferenz macht Station im Fraunhofer
Mobilität muss wettbewerbsfähig sein, nachhaltig und sicher. Leichtbau
spielt dabei eine große Rolle. Rund 80 Teilnehmende der vierten Nationalen
Radlogistik-Konferenz in Darmstadt machten auf ihrer Exkursion am 19.
September auch im Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und
Systemzuverlässigkeit LBF in Kranichstein Station. Am Beispiel des
»Lasten-LeichtBauFahrrad« (L-LBF) präsentierten die Wissenschaftlerinnen
und Wissenschaftler nachhaltige Werkstoffe, leichte Rahmenkonstruktionen,
hohe Batteriekapazität, effiziente Fertigungsverfahren und weitere
funktionsintegrierte Lösungen für die Radmobilität.
Lastenfahrräder gehören mittlerweile selbstverständlich in unser urbanes
Verkehrsbild. Und es werden immer mehr. In Zeiten des Klimawandels ist
dies eine wichtige Entwicklung, die dazu führt, dass unterschiedlichste
Fahrradkonzepte angeboten werden. Wenn in Produkten bewegliche Massen zum
Einsatz kommen, ist leicht zu bauen besonders relevant und effizient. Wird
Masse reduziert, verringert sich der erforderliche Energieaufwand – das
schont unsere Umwelt. Und immer, wenn Menschen mit diesen beweglichen
Massen interagieren, ist die Zuverlässigkeit und die Betriebssicherheit
von großer Bedeutung.
Die Mitglieder des Radlogistikverbands Deutschland, der
Interessenvertretung für emissionsfreie und stadtverträgliche Logistik mit
Lastenrädern und Anhängern, trafen sich vom 19. bis 20. September zur
jährlichen Radlogistik-Konferenz und informierten sich auch im Fraunhofer
LBF über Innovationen für die Radmobilität.
Neue Entwicklungen für vielseitigen Einsatz
Am Beispiel Lastenfahrrad hat ein Forscherteam des LBF, welches aus
Mitarbeitenden aller drei Bereiche (Betriebsfestigkeit, Adaptronik und
Kunststoffe) besteht, basierend auf ihrem langjährigen Know-how
nachhaltige, leichte und sichere Lösungen entwickelt, die skalierbar für
diverse zukünftige Mobilitätsträger sind. In der Radlogistik praktisch
einsetzbar sind beispielsweise eine sensorgesteuerte Nutzlastüberwachung,
Transportboxen aus nachwachsenden Rohstoffen, die kühlen oder wärmen,
biobasierte Beschichtungen als transparenter Kratzschutz für Regenschilde
oder Leichtbaufelgen für windschnittiges Vorankommen.
Details zum Leichtbaurahmen und einem neuen Batteriesystem
Ein Team aus Forschenden unterschiedlicher Disziplinen hat im Projekt
»L-LBF« am Fraunhofer LBF in Darmstadt-Kranichstein, basierend auf eigens
durchgeführten Fahrbetriebsmessungen sowie Ausgangsdaten über Masse und
Geometrie des gewählten kommerziellen Lastenrades, CAD-Modelle erstellt
und davon FE-Modelle abgeleitet. Diese wurden für die Entwicklung des
neuen Leichtbaurahmens verwendet. Der Clou dabei ist nicht nur die
Massereduzierung um knapp 40 Prozent im Vergleich zum Ausgangslastenrad,
sondern auch, dass in das Herzstück des Rahmens, einem zentralen
Hohlprofilträger aus hochfester Aluminiumlegierung, ein ebenfalls in
diesem Projekt entwickeltes Batteriesystem (Tubular Energy System TES)
diebstahlsicher und witterungsbeständig ohne zusätzliches Gehäuse
integriert wird. Das Batteriesystem weist die doppelte Speicherkapazität
zum regulär verwendeten Akkusystem auf.
»Wir erforschen seit 85 Jahren die Leichtbaupotenziale von Fahrzeugen und
ihren Komponenten. Davon kann die Radlogistik profitieren. Die hier
entwickelten Lösungen und Technologien werden in vielen Mobilitätsträgern
Anwendung finden«, erklärt Dr. Saskia Biehl, die das »L-LBF«-Projekt am
Fraunhofer LBF leitet, »darüber hinaus bieten die umgesetzten Features
hohes Potenzial für viele Anwendungen in unterschiedlichen Branchen, wie
Maschinenbau, Medizin oder auch Urban Air Mobility.«
