Synthetisches Methanol soll den europäischen Schiffsverkehr dekarbonisieren
Das Horizont Europa Projekt POSEIDON konzentriert sich auf die Produktion
und den Einsatz von synthetischem Methanol (E-Methanol) als Treibstoff in
der Schifffahrt und wird zur Verringerung der Abhängigkeit vom Import
fossiler Brennstoffe beitragen. POSEIDON wird von der EU mit rund 9,7
Millionen für die Laufzeit von 48 Monaten gefördert. Das Steinbeis Europa
Zentrum hat den Koordinator, das Europäische Institut für Energieforschung
(EIFER) aus Karlsruhe bei der Antragstellung begleitet und ist nun selbst
Partner im Projekt. Es führt die Maßnahmen zur Verwertung und
Kommunikation durch und hilft EIFER beim Projektmanagement.
Am 6. und 7. September 2023 fand das Kick-off-Meeting in Karlsruhe statt
und brachte 19 Organisationen aus sieben EU-Ländern zusammen. Die
zweitägige Veranstaltung ermöglichte es den Partnern, sich gegenseitig
kennenzulernen, einen Aktionsplan für die kommenden Monate zu erarbeiten,
und sich erstmals mit den Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats
auszutauschen, die das Projekt begleiten werden.
POSEIDON als zentraler Impulsgeber für neue Wertschöpfungsketten auf Basis
von synthetischem Methanol.
Mit dem POSEIDON-Projekt wird die Nutzung von synthetischem Methanol zur
Dekarbonisierung des Schifffahrtssektors demonstriert. Das Projekt
bereitet die Einführung lokaler Wertschöpfungsketten auf der Grundlage von
E-Methanol als Kraftstoff für die Schifffahrt in den Häfen von Valencia,
Spanien, und Thessaloniki, Griechenland, vor. Dies wird einerseits durch
die Vernetzung lokaler Interessengruppen und die Sammlung von
Anforderungen mittels der Bildung lokal organisierter Gruppen von Personen
(so genannte Communities of Practice) erreicht. Zum anderen wird eine
leistungsfähige Power-to-E-Methanol-Demonstrat
eines neuartigen Konzepts samt CO2-Abscheidung und Produktion von
E-Methanol errichtet. Diese Anlage wird unter nahezu realen Bedingungen
erprobt und das produzierte E-Methanol wird in 2-Takt- und 4-Takt-Motoren
getestet, um die Kraftstoffqualität und -kompatibilität zu bewerten.
Um den wirtschaftlichen Wert verschiedener Szenarien zu quantifizieren und
potenzielle Hindernisse und Optimierungspotenziale zu ermitteln, werden
detaillierte technische, wirtschaftliche, ökologische und soziale
Bewertungen durchgeführt. Zur Verbesserung der Marktakzeptanz und um den
Weg für den künftigen Einsatz von E-Methanol in der EU zu ebnen, werden
lokale Roadmaps sowie ein Replikationstool zur Machbarkeitsprüfung des
künftigen Einsatzes von E-Methanol in EU-Häfen entwickelt, damit externe
EU-Akteure die Ergebnisse von POSEIDON für sich nutzen können.
Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist die Förderung der öffentlichen
Akzeptanz durch die Aufklärung über die Vorteile von neuen erneuerbaren
Kraftstoffen für die Schifffahrt, insbesondere von Methanol. Die
Projektpartner beabsichtigen relevante Interessengruppen, wie zum Beispiel
Wissenschaftler, Vertreter der Industrie und politische
Entscheidungsträger regelmäßig über die Projektaktivitäten, Fortschritte
und Erfolge zu informieren.
Erstes Partnertreffen in Karlsruhe gab Startschuss für die erste Runde
Am 6. und 7. September fand die Eröffnungssitzung von POSEIDON in
Karlsruhe statt. Am ersten Tag stellten der Projektkoordinator und die
Arbeitspaketleiter die zentralen Aktivitäten des Projekts vor. Am
Nachmittag lud der Partner Karlsruher Institut für Technologie (KIT) alle
Teilnehmer zu einem Besuch des Energy Lab 2.0 auf dem KIT-Campus Nord ein.
Das Energy Lab 2.0 ist ein Kooperationsprojekt der drei Helmholtz-Zentren
KIT, Forschungszentrum Jülich und Deutsches Zentrum für Luft- und
Raumfahrt. Es ist ein Testfeld, in dem verschiedene innovative
Energielösungen wie Power-to-X-Anlagen, Speicherlösungen und Wasserstoff-
Elektrolyseure erprobt werden. Hier können reale Simulationen durchgeführt
und modernste Sektorenkopplungstechnologien für die Gestaltung des
zukünftigen deutschen Energiesystems getestet werden. Die Projektpartner
konnten einen Blick auf die Testanlage für E-Methanol werfen, die im
Rahmen von POSEIDON hochskaliert werden soll. Nach der Geländebesichtigung
konnten die Partner eine kurze Stadtrundfahrt in Karlsruhe und ein
gemeinsames Abendessen genießen.
Am zweiten Tag nahm der verantwortliche Project Officer der Europäischen
Kommission sowie Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats am Treffen
teil. Es folgten kurze Workshops, die von den Leitern der Arbeitspakete
moderiert wurden und dazu beitrugen, die ersten Projektaufgaben
anzustoßen. Im März 2024 wird das nächste Partnertreffen stattfinden.
POSEIDON gibt Impulse für die Ablösung fossiler Brennstoffe und die
Dekarbonisierung der EU-Schifffahrtsindustrie
POSEIDON wird zur Verringerung der Abhängigkeit vom Import fossiler
Brennstoffe beitragen, wodurch die EU im Einklang mit dem Plan REPowerEU
weniger wirtschaftlichem und politischem Druck ausgesetzt sein wird. Das
Projekt soll synthetisches Methanol als Kraftstoff in EU-Häfen und die
damit verbundenen Schlüsseltechnologien wie E-Methanol-Produktionsanlagen
und Schiffsmotoren etablieren. Es wird damit gerechnet, dass mehrere
Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette wie Anbieter von
industriellen Rohstoffen, auf erneuerbare synthetische Kraftstoffe
spezialisierte Ingenieurbüros, Häfen, Projektentwickler, Motorenhersteller
und Schiffsbauer vom wachsenden E-Methanol-Markt profitieren werden.
Darüber hinaus wird die stetige Einführung von E-Methanol-basierten
Wertschöpfungsketten in der gesamten EU zur Dekarbonisierung der Häfen und
Schifffahrt beitragen. Die neuen Methoden, Instrumente und Ergebnisse aus
POSEIDON werden mit der Wissenschafts- und Forschungsgemeinschaft sowie
den EU-Bürgern geteilt, um Innovationen zu fördern und das allgemeine
Bewusstsein über die Vorzüge von synthetischen Kraftstoffen für eine
umweltfreundliche Schifffahrt zu schärfen.
POSEIDON Projekt in Kürze
Das Projekt wird vom Europäischen Institut für Energieforschung (EIFER)
koordiniert und läuft von September 2023 bis August 2027. Es beteiligen
sich 19 Partnern aus 7 europäischen Ländern: EIFER, EDF, KIT, RINA,
Fundación Valenciaport, Aristotle University of Thessaloniki, ICODOS,
Fincantieri, Isotta Fraschini Motori - IFM, Winterthur Gas & Diesel -
WinGD, Steinbeis Europa Zentrum (Steinbeis Innovation gGmbH), Global
Omnium, Port of Thessaloniki – ThPA S.A., CERTH, CNR-STEMS, Swedish
Maritime Administration, Inventors, CAO Hellas, und AVEBIOM. Das Steinbeis
Europa Zentrum unterstützt EIFER beim Projektmanagement und ist für die
Kommunikation, Verbreitung und Verwertung der Projektergebnisse
verantwortlich.
POSEIDON wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont
Europa der Europäischen Union unter der Finanzhilfevereinbarung 101117616
gefördert. Die Europäische Kommission kofinanziert das Projekt mit fast
9,7 Mio. EUR. Die Aktivitäten des Schweizer Projektpartners WinGD werden
vom Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation
(SBFI) mitfinanziert.
