Das Wettrennen mit einem „stummen Killer“: WHO veröffentlicht globalen Bericht zu Bluthochdruck
Der aktuell von der WHO publizierte Bericht zu Bluthochdruck zeigt auf
erschreckende Weise die globale Krankheitslast dieser Erkrankung auf. Die
Zahl der Patientinnen und Patienten steigt, insbesondere in armen Ländern,
große Sorge bereitet darüber hinaus der Anteil der Betroffenen, deren
Blutdruckwerte nicht adäquat eingestellt sind. Dieser ist auch in
Deutschland mit fast 50 Prozent zu hoch. Die Deutsche Hochdruckliga hofft
daher, dass der WHO-Report aufrüttelt und die Verantwortlichen in der
Gesundheitspolitik für die Notwendigkeit verstärkter Präventionsbemühen
gegen Bluthochdruck sensibilisiert.
Am 19. September 2023 hat die WHO einen alarmierenden Bericht zu den
verheerenden globalen Folgen von Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
veröffentlicht [1]. Die erschreckenden Zahlen: Einer von drei Erwachsenen
leidet unter Hypertonie und von den Betroffenen sind vier von fünf nicht
adäquat behandelt. Damit haben all diese unzureichend behandelten
Patientinnen und Patienten ein hohes Risiko, in der Folge schwere
Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder ein Nierenversagen zu
erleiden – und letztlich auch daran zu versterben. „Die WHO bezeichnet
Bluthochdruck daher als ‚stummen Killer‘. Das Bild mag drastisch
erscheinen, hat aber einen wahren Kern. Die Erkrankung ist oft lange
symptomlos, schlägt dann aber lebensbedrohlich zu“, erklärt Prof. Dr.
Markus van der Giet, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.
Neben dem individuellen Leid, das durch Bluthochdruck verursacht wird,
zeigt der Bericht vor allem auch die gesamtgesellschaftliche Perspektive
auf. Die weltweit steigenden Erkrankungsraten und die damit verbundenen
Folgekrankheiten – zwischen 1990 und 2019 hat sich die Zahl der
Betroffenen verdoppelt – führen zu zahlreichen Todesopfern und belasten
die Gesundheitsbudgets massiv. Laut WHO gehe es nun darum, den „stillen
Killer“ aufzuhalten. Durch eine bessere Früherkennung und Versorgung der
Betroffenen könnten weltweit bis 2050 76 Millionen Todesfälle vermieden
werden.
Wer glaubt, Bluthochdruck und seine dramatischen Folgen seien nur ein
Problem der armen Länder, täuscht sich. Zwar sei die Zahl der Erkrankten
gerade in Schwellenländer massiv angestiegen und die Versorgung nicht auf
demselben Niveau wie in den Industrienationen, aber auch dort ist die
Bilanz erschreckend. „Auch in Deutschland ist fast die Hälfte der
Patientinnen und Patienten nicht ausreichend therapiert und hat zu hohe
Blutdruckwerte, obwohl die Betroffenen bei uns Zugang zu Ärztinnen und
Ärzten und zu Medikamenten haben“, erklärt Prof. van der Giet. Die Gründe
sieht der Experte in einem ungesunden Lebensstil und infolgedessen der
Zunahme von Übergewicht und Fettleibigkeit in der Bevölkerung. Hinzu
komme, dass gerade in Industrienationen eine wachsende Skepsis gegenüber
Medikamenten besteht und eine Dauertherapie schwer vermittelbar ist, wenn
die Erkrankten sich auch ohne die Therapie vermeintlich wohlfühlen. „Das
ist aber nur eine gefährliche Illusion“, warnt van der Giet.
Der Experte gibt darüber hinaus zu bedenken, dass die Bedeutung von
Bluthochdruck in der Bevölkerung massiv unterschätzt würde. „Die
Erkrankung wird oft bagatellisiert. Wenn ich mir aber die 10-Jahres-
Überlebensrate meiner Patientinnen und Patienten anschaue, die ihre
Medikamente weglassen, ist diese erschreckend gering. Ein unbehandelter
Bluthochdruck ist letztlich gefährlicher als viele Krebsarten“, so die
Einschätzung des Experten.
Die Deutsche Hochdruckliga hofft daher, dass der WHO-Report aufrüttelt und
die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik für die Notwendigkeit
verstärkter Präventionsbemühen gegen Bluthochdruck sensibilisiert. „Wir
brauchen großangelegte Informationskampagnen und Präventionsprogramme mit
Blutdruckscreenings“, so die Forderung des Vorstandsvorsitzenden der
Deutschen Hochdruckliga. Diese würden sich letztlich auch auszahlen.
„Unser Gesundheitssystem steht ohnehin vor großen ökonomischen
Herausforderungen, nachhaltig kann es nur durch Prävention entlastet
werden.“
Ein großer Schritt in diese Richtung wurde bereits mit der Publikation der
Nationalen VersorgungsLeitlinie Hypertonie [2] im Juni getätigt, die die
Bedeutung der arteriellen Hypertonie als Gesundheitsrisiko klar
herausstellt und in Arztpraxen zu routinemäßigen Blutdruckmessungen rät.
„Hausärztinnen und -ärzten kommt hier eine besondere Verantwortung zu, sie
wissen, wie wichtig es ist, die Erkrankung früh zu erkennen und zu
behandeln“, erklärt Dr. Marcel Schorrlepp, Sprecher der AG Hausärztliche
Internisten der DGIM. „Ebenso wichtig ist es aber, dass Menschen ihren
Blutdruck auch zu Hause messen und bei Bedarf ihren Lebensstil umstellen.
Informationen und Unterstützung bietet die Deutsche Hochdruckliga unter
www.hochdruckliga.de “, erklärt Prof. Dr. Florian Limbourg, Mitglied im
Vorstand der Deutschen Hochdruckliga, abschließend.
[1] Global report on hypertension: the race against a silent killer. 19
September 2023. Abrufbar unter:
https://www.who.int/teams/nonc
[2] Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV),
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie –
Langfassung, Version 1.0. 2023 [cited: 2023-09-21]. DOI:
10.6101/AZQ/000502. www.leitlinien.de/hypertonie
