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Weltherztag: Volkskrankheit Vorhofflimmern frühzeitig erkennen und behandeln

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Mehrere Millionen Menschen in Deutschland leiden an Vorhofflimmern, der
häufigsten Herzrhythmusstörung. Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.
(AFNET) forscht seit 20 Jahren für eine frühere Erkennung und bessere
Behandlung dieser Volkskrankheit und klärt über Risiken und
Behandlungsmöglichkeiten auf. Eine neue Broschüre bietet Informationen für
Betroffene und interessierte.

Herzrasen, Herzstolpern, Luftnot – so macht sich bei vielen Menschen ein
Anfall von Vorhofflimmern bemerkbar. Manche leiden sehr unter den
Beschwerden und kommen als Notfall ins Krankenhaus. Andere Betroffene
spüren keinerlei Symptome. Um Vorhofflimmern zweifelsfrei nachzuweisen,
ist ein EKG nötig. Das macht die Diagnose manchmal schwierig. Denn die
Rhythmusstörung tritt bei vielen Menschen anfallsartig auf, und meistens
endet solch ein Anfall genauso plötzlich, wie er begonnen hat. Aber auch
wenn Vorhofflimmern nur sporadisch auftritt und auch wenn es keine
Beschwerden macht, harmlos ist es trotzdem nicht.

Der Herzspezialist und AFNET Vorstand Prof. Andreas Goette, Paderborn,
erläutert die Tücken des Vorhofflimmerns: „Während des Flimmerns können
sich im Herzvorhof Blutgerinnsel bilden. Gelangt ein solches Gerinnsel
durch die Blutbahn ins Gehirn, kann es dort ein Blutgefäß verschließen und
einen Schlaganfall auslösen. Um dies zu verhindern, benötigen Menschen mit
Vorhofflimmern rechtzeitig eine gerinnungshemmende Behandlung, auch
Blutverdünnung genannt. Leider wird die Rhythmusstörung in vielen Fällen
zu spät erkannt, nämlich erst dann, wenn es bereits zum Schlaganfall oder
einer anderen Komplikation gekommen ist.“

Forschung verbessert Diagnostik und Therapie

Smartwatches und Fitnessarmbänder, sogenannte Wearables, können heutzutage
helfen, versteckte Rhythmusstörungen zu entdecken. Das Kompetenznetz
Vorhofflimmern hat in einer Studie ein freiwilliges Screening-Verfahren
getestet, in dem ältere Menschen, bei denen bis dahin keine
Rhythmusstörung bekannt war, mit Hilfe eines Armbands und einer Smartphone
App ihren Herzrhythmus überwachten. Die Studie zeigte, dass ein Screening
mit Wearables gut funktioniert, und fand Rhythmusstörungen bei fünf
Prozent der Teilnehmenden (Smart in OAC – AFNET 9).

Die Standardbehandlung von Vorhofflimmern beinhaltet eine Blutverdünnung
sowie eine Regulierung der Herzfrequenz und die Behandlung eventueller
Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Bluthochdruck. Aber auch mit dieser
empfohlenen Behandlung sterben Patient:innen mit Vorhofflimmern im
Durchschnitt nach wie vor früher als Menschen ohne Vorhofflimmern. Eine
große Studie des AFNET hat den Nutzen einer frühzeitigen
rhythmuserhaltende Behandlung untersucht und hat folgendes herausgefunden:
Patient:innen mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern, bei denen zusätzlich
zur Standardbehandlung konsequent versucht wurde, den normalen
Herzrhythmus durch Medikamente oder eine Katheterablation (ein Eingriff,
bei dem die Ursprungsorte der Rhythmusstörung im Herzvorhof unschädlich
gemacht werden) wieder herzustellen, erlitten weniger Komplikationen als
diejenigen, die ausschließlich die Standardbehandlung erhielten. Diese
Ergebnisse sind inzwischen in die Behandlungsempfehlungen eingeflossen und
haben dazu geführt, dass neuerdings immer mehr Vorhofflimmerpatient:innen
in einem frühen Stadium rhythmuserhaltende Maßnahmen bekommen (EAST –
AFNET 4).

Auch die gerinnungshemmende Behandlung für spezielle Patient:innengruppen
stand in AFNET Studien auf dem Prüfstand, beispielweise für Patient:innen
nach einer Katheterablation (AXAFA – AFNET 5) und für nierenkranke
Vorhofflimmerpatient:innen (AXADIA – AFNET 8). Eine weitere Studie hat
außerdem gezeigt, dass eine Blutverdünnung nur dann sinnvoll ist, wenn
Vorhofflimmern tatsächlich im EKG bestätigt wurde, aber nicht bei ganz
kurzen Vorhofrhythmusstörungen, die eine Vorstufe von Vorhofflimmern
darstellen (NOAH – AFNET 6).

„In den wissenschaftsinitiierten Studien des AFNET untersuchen wir neue
Diagnose- und Therapieformen für Vorhofflimmern und andere
Herzerkrankungen. Durch unsere Forschung wollen wir das Leben der
betroffenen Menschen zu verbessern. Mit diesem Ziel arbeiten wir im
Kompetenznetz Vorhofflimmern seit zwei Jahrzehnten zusammen.“ sagt Prof.
Goette.

Broschüre liefert Informationen für Betroffene und Interessierte

Den Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen des AFNET ist neben der Forschung
auch die Aufklärung der Betroffenen und Interessierten ein wichtiges
Anliegen. In der Broschüre „Vorhofflimmern – Herz aus dem Takt“
informieren sie seit 18 Jahren über Vorhofflimmern und dessen Behandlung.
Die Broschüre hat damit eine fast genauso lange Tradition wie das
Kompetenznetz Vorhofflimmern selbst, das in diesem Jahr sein 20jähriges
Bestehen feiert. Jetzt ist die fünfte aktualisierte Neuauflage der
Broschüre erschienen.

Prof. Goette erklärt: „Durch allgemeinverständliche Aufklärung wollen wir
das Bewusstsein für diese keineswegs harmlose Rhythmusstörung schärfen und
verdeutlichen, wie wichtig frühe Erkennung und eine individuell
abgestimmte Therapie sind. Außerdem ist eine Behandlung umso
erfolgreicher, je besser die Betroffenen über ihre Krankheit und die
Behandlungsmöglichkeiten Bescheid wissen. Mit dieser Broschüre liefern wir
unabhängige und verständliche Informationen auf dem aktuellen Stand der
Forschung. Wir hoffen, dass wir damit zu einer optimalen Behandlung
beitragen können.“

Bestellung oder Download der Broschüre unter
https://www.kompetenznetz-
vorhofflimmern.de/de/patienteninformation/patientenbroschuere

Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres
Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen aus Kliniken
und Praxen deutschlandweit zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es,
die Behandlung und Versorgung von Patient:innen mit Vorhofflimmern in
Deutschland, Europa und weltweit durch koordinierte Forschung zu
verbessern. Dazu führt das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V.
wissenschaftsinitiierte, nicht-kommerzielle, klinische Studien
(investigator initiated trials = IIT), Register auf nationaler und
internationaler Ebene sowie translationale Forschungsprojekte durch. Der
Verein ist aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
geförderten Kompetenznetz Vorhofflimmern hervorgegangen. Seit Januar 2015
werden einzelne Projekte und Infrastrukturen des AFNET vom Deutschen
Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) sowie einige Projekte aus EU-
Forschungsmitteln gefördert. Das AFNET verfügt über langjährige Erfahrung
in der Behandlung von Vorhofflimmern, unterstützt aber auch
Forschungsarbeiten in anderen Bereichen, die für die kardiovaskuläre
Versorgung relevant sind. Die Erkenntnisse aus der mittlerweile 20jährigen
klinischen und translationalen Forschung des Forschungsnetzes haben das
Leben von Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbessert und
Behandlungsleitlinien beeinflusst.