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MICROBELIX erobert das Saarland

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Das Kooperationsprojekt MICROBELIX wurde im Frühjahr 2023 gemeinsam von
Forschenden des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland
(HIPS) und der Naturlandstiftung Saar (NLS) ins Leben gerufen. Anlass für
die Zusammenarbeit war die Teilnahme am Wettbewerb "Auf die Plätze!
Citizen Science in deiner Stadt". Nach einer öffentlichen Abstimmungsphase
und der Bewertung durch eine Fachjury, konnte das MICROBELIX-Team nun
einen der drei Gewinnerplätze und damit ein Preisgeld von 50.000 € für
sich beanspruchen. Die Preisverleihung fand am 28. September 2023 im
Museum für Naturkunde in Berlin statt.

Im Rahmen des Mitmach-Projektes MICROBELIX werden Bürgerinnen und Bürger
dazu aufgefordert, Bodenproben in naturnahen Räumen zu sammeln und den
Forschenden am HIPS zu schicken. Dort wird die mikrobielle Zusammensetzung
der Proben genauestens unter die Lupe genommen. Die erhaltenen Daten
werden im Anschluss gleich doppelt genutzt: Während das HIPS auf der Suche
nach Bakterien ist, die Wirkstoffe für die Erforschung neuer Antibiotika
produzieren, interessiert man sich bei der NLS vor allem für Informationen
zur Biodiversität im und auf dem Boden. Das HIPS ist ein Standort des
Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Zusammenarbeit mit der
Universität des Saarlandes.

Bereits im Mai 2023 konnte sich MICROBELIX als eines von zehn Projekten
für die zweite Phase im Wettbewerb Auf die Plätze! Citizen Science in
deiner Stadt qualifizieren. Die zehn Finalisten traten im Anschluss in
einer öffentlichen Abstimmung gegeneinander an, wobei MICROBELIX mit über
2.000 Publikumsstimmen den ersten Platz belegen konnte. Nach einer
weiteren Bewertung des Projektkonzeptes durch eine Fachjury reichte dies
aus, um sich als eines von drei Projekten ein Preisgeld in Höhe von 50.000
€ sichern zu können. Die Förderung steht den Forschenden von HIPS und NLS
ab Oktober 2023 für ein Jahr zur Verfügung, um ihr Konzept in die Tat
umzusetzen. An Ideen mangelt es dem Team nicht: „Unsere bisherigen Citizen
Science-Aktivitäten haben wir seit 2017 aus den Mitteln des HIPS
finanziert.“, sagt Dr. Daniel Krug, Wissenschaftler aus der Abteilung
Mikrobielle Naturstoffe am HIPS. „Die nun eingeworbenen Fördermittel geben
uns jetzt die Möglichkeit, das Projekt auf das nächste Level zu heben.
Unter anderem planen wir die Entwicklung und Etablierung einer Smartphone-
App mit der die Teilnehmenden ihre Proben registrieren und sich
untereinander vernetzen können. Gleichzeitig können wir den Bürger:innen
so viel einfacher Rückmeldung dazu geben, was wir in ihren Proben
entdecken konnten.“

Im Projektzeitraum sind außerdem geführte Touren durch von der NLS
betreute Gebiete geplant. Im Rahmen dieser Wanderungen können
Interessierte ihre eigenen Bodenproben sammeln und erhalten von
Mitarbeitenden der NLS und des HIPS Informationen zu den Themen
Biodiversität, Antibiotikaforschung und Artenschutz. „Wir wollen Leute
erreichen, die sich entweder für Antibiotikaforschung oder Naturschutz
interessieren und sie durch unser Projekt dann auch für das jeweils andere
Thema begeistern.“, sagt Maike Lauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der
NLS Saar. „Dazu versuchen wir, die Bürger:innen möglichst aktiv in das
Projekt einzubinden. Die Teilnehmenden erhalten also nicht nur relevante
Informationen aus erster Hand, sondern können sich auch kreativ in unser
Projekt einbringen – zum Beispiel durch das Basteln eigener
„Bakterienfallen“.“ Der Kurator der NLS, Roland Krämer, betont: „Vor allem
das Thema Biodiversität und damit verbunden abnehmende Artenvielfalt liegt
der NLS als älteste deutsche Naturschutzstiftung am Herzen. Wir sind sehr
gespannt, was wir von unserem saarländischen Boden und den darin
enthaltenen Spuren von Lebewesen lernen können.“

Dass es sich bei dem Projekt keinesfalls nur um eine Spielerei handelt,
bestätigt der wissenschaftliche Direktor des HIPS, Prof. Rolf Müller: „Für
unsere Forschung macht es keinen Unterschied, ob eine Bodenprobe von
Expert:innen oder Laien gesammelt wurde, das haben wir bereits getestet.
Das bedeutet, dass wir in jeder Bodenprobe die Chance haben, einen neuen
Wirkstoff zu entdecken, der zu einem neuen Antibiotikum entwickelt werden
und damit möglicherweise vielen Menschen das Leben retten könnte.“
Interessierte können sich unter www.microbelix.de kostenlos ihr eigenes
Probensammel-Set anfordern und am Projekt teilnehmen. Weitere
Informationen zu geführten Touren und anderen Aktivitäten im Rahmen des
Projektes werden ebenfalls auf der Projektwebsite angekündigt.

Sie finden die Pressemitteilung auch unter folgendem Link: https://www
.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/news-detail/article/complete
/microbelix-erobert-das-saarland/


Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland:
Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) in
Saarbrücken wurde im Jahr 2009 vom Helmholtz-Zentrum für
Infektionsforschung und der Universität des Saarlandes gemeinsam
gegründet. Die Forschenden suchen hier insbesondere nach neuen Wirkstoffen
gegen Infektionskrankheiten, optimieren diese für die Anwendung am
Menschen und erforschen, wie diese am besten zu ihrem Wirkort im
menschlichen Körper transportiert werden können. www.helmholtz-hips.de

Naturlandstiftung Saar:
Die Naturlandstiftung Saar ist die älteste deutsche Naturschutzstiftung.
Die NLS hat sich zum Ziel gesetzt, den Artenreichtum der Pflanzen und
Tiere unserer saarländischen Heimat zu erhalten und die Vielfalt der
Lebensräume zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln. Dazu erwirbt die
Stiftung ökologisch wertvolle Flächen und knüpft ein Netz von
Schutzgebieten.

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Wissenschaftler:innen am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI)
untersuchen in Braunschweig und an anderen Standorten in Deutschland
bakterielle und virale Infektionen sowie die Abwehrmechanismen des
Körpers. Sie verfügen über fundiertes Fachwissen in der
Naturstoffforschung und deren Nutzung als wertvolle Quelle für neuartige
Anti-Infektiva. Als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und des Deutschen
Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) betreibt das HZI translationale
Forschung, um die Grundlagen für die Entwicklung neuartiger Therapien und
Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten zu schaffen. www.helmholtz-hzi.de