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Wann ist ein Planet bewohnbar?

Mitglieder des Habitable Teams bei der Präsentation des Spiels (v.l.n.r.): Eva Laplace, Vincent Bronner, Jan Henneco, Dandan Wei.  Foto: HITS
Mitglieder des Habitable Teams bei der Präsentation des Spiels (v.l.n.r.): Eva Laplace, Vincent Bronner, Jan Henneco, Dandan Wei. Foto: HITS
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Mitglieder des Habitable Teams bei der Präsentation des Spiels (v.l.n.r.): Eva Laplace, Vincent Bronner, Jan Henneco, Dandan Wei.  Foto: HITS
Mitglieder des Habitable Teams bei der Präsentation des Spiels (v.l.n.r.): Eva Laplace, Vincent Bronner, Jan Henneco, Dandan Wei. Foto: HITS

Wann ist ein Planet bewohnbar? Wie bleibt er bewohnbar, wie entwickelt
sich dort Leben, und wie gerät es in Gefahr? Forschende des Heidelberger
Instituts für Theoretische Studien (HITS) haben sich diesen existentiellen
Fragen gestellt, um spielerisch die Bewohnbarkeit von Planeten zu testen.
Herausgekommen ist ein Brettspiel, das Astronomie und Klimakrise
miteinander verbindet. Für die Idee wurde das internationale Team im
Hochschulwettbewerb zum Wissenschaftsjahr „Unser Universum“ Anfang des
Jahres ausgezeichnet. Nun ist die Onlineversion des Spiels kostenfrei
zugänglich. Der Prototyp des Brettspiels wird demnächst fertiggestellt.

„Nur ein Jahr nach der ursprünglichen Idee sind wir glücklich und
erleichtert, dass wir auf der Zielgeraden angekommen sind“, sagt die
Astrophysikerin Eva Laplace, Postdoktorandin in der der Forschungsgruppe
„Stellar Evolution Theory“ (SET)  und Mitglied im Team „Habitable“, auf
deren Initiative das Spiel beruht. Zusammen mit ihren Kolleg*innen Dandan
Wei, Jan Henneco, Duresa Temaj, Vincent Bronner, Rajika Kuruwita, Simon
Speith und Julian Saling entwickelte sie „Habitable“, das die
Bewohnbarkeit von Planeten auf spielerische Art und Weise erklärt und
zugleich auf den kritischen Zustand der Erde aufmerksam macht. Dabei kam
den Forschenden ihre Leidenschaft für Brettspiele zugute. „Es steckt schon
eine Menge Herzblut drin“, sagt Vincent Bronner, Doktorand in der
Forschungsgruppe „Stellar Evolution Theory“. „Ohne das persönliche
Engagement aller Teammitglieder wäre ein solch komplexes Spiel nie
zustande gekommen.“

Zielgruppen von „Habitable“, bei dem Spielende Exoplaneten erforschen und
einen bewohnbaren Planeten erschaffen können, sind Familien, Spielefans,
Astronomiebegeisterte und Pädagog*innen, die das Spiel bei verschiedenen
Gelegenheiten ausgiebig testen konnten und durch ihr Feedback immer wieder
wertvolle Verbesserungsvorschläge machten. Eine echte Herausforderung war
der Besuch einer Gymnasialklasse aus dem badischen Schwetzingen am HITS,
die das Spiel unter Anleitung der Wissenschaftler*innen einem letzten
kritischen Härtetest unterzog, den „Habitable“ mit Bravour bestand. Die
Onlineversion ist jetzt unter diesem Link verfügbar und kann ein Jahr lang
kostenfrei gespielt werden: <https://tabletopia.com/games/habitable> .
Die Spielenden können über die „Discord“-Plattform interagieren und
Kommentare und Anregungen zum Spiel abgeben.Außerdem gibt es ein
Spielregelheft auf Englisch und Deutsch und ein Erklärvideo auf YouTube:
<https://youtu.be/LytHF-71OTE>

Das Thema: Wann ist Leben auf einem Planeten überhaupt möglich?

Doch welche astronomischen Fakten stecken hinter „Habitable“? Jan Henneco,
Doktorand in der Forschungsgruppe „Stellar Evolution Theory“, erklärt den
wissenschaftlichen Hintergrund des Spiels: „Bis heute wurden schon mehr
als 5.000 Planeten entdeckt, die um andere Sterne im Universum kreisen, so
genannte Exoplaneten.“ So weit, so spannend. „Aber nur einige von ihnen
befinden sich in einer bestimmten Region, der so genannten bewohnbaren,
oder „habitablen“ Zone“; ergänzt Rajika Kuruwita, HITS Independent
Postdoc. „In unserem eigenen Sonnensystem gibt es drei Planeten innerhalb
der bewohnbaren Zone, aber nur auf einem davon ist nach heutigen
Kenntnisstand Leben möglich: auf unserer Erde.“

Allerdings verändert der Mensch durch seine Lebensweise die
Durchschnittstemperatur und andere wichtige Eigenschaften - eine echte
Gefahr für die Bewohnbarkeit der Erde. Die grundlegende Frage für die
Spieler*innen ist also: Wie bleibt ein Planet bewohnbar, wie kann sich
dort Leben entwickeln, und durch welche strategischen Entscheidungen gerät
es in Gefahr? „Unser Ziel ist es, dass Menschen im Familien- und
Freundeskreis ein spannendes Spiel genießen können, das sie dazu anregt,
über den Klimawandel und die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die
Bewohnbarkeit unseres Planeten nachzudenken“, sagt Dandan Wei, die als
Postdoktorandin in der SET-Forschungsgruppe „ebenfalls an der Entwicklung
von „Habitable“ beteiligt war.

Eine ausgezeichnete Entwicklung

Mit der Idee eines Brettspiels bewarben sich die HITS-Astrophysiker*innen
beim Hochschulwettbewerb von Wissenschaft im Dialog (WiD) zum
Wissenschaftsjahr 2023 „Unser Universum.“  Für die Umsetzung ihrer Idee
erhielten sie im März des Jahres Mittel in Höhe von 10.000 Euro.  Die
Wissenschaftler*innen eigneten sich zunächst in einem Workshop mit einem
erfahrenen Spieleentwickler theoretisches Wissen zum Aufbau, zur Struktur
und den Besonderheiten von Brettspielen an. Danach entwickelten sie
„Habitable“ Schritt für Schritt mit Spieletest-Veranstaltungen am HITS und
anderswo. Der Prototyp des Brettspiels wird demnächst fertiggestellt und
professionell produziert.

Das Spiel: Konkurrenz und Kooperation

In diesem Strategiespiel für bis zu fünf Spielende geht es darum, Planeten
nachhaltig bewohnbar zu machen und das Leben auf ihnen zu ermöglichen und
zu entwickeln.  Wer am Ende die meisten „Lebenspunkte“ erzielt, hat
gewonnen. Die Spielenden können aber auch kooperieren und sich gegenseitig
unterstützen. Was „Habitable“ von vielen anderen Brettspielen
unterscheidet, ist, dass es vollständig auf wissenschaftlichen
Erkenntnissen beruht – aus der Astronomie, aber auch aus der
Klimaforschung.