Ein Netzwerk für Künstliche Intelligenz
Anwendungsmöglichkeiten für Künstliche Intelligenz (KI) gibt es in vielen
Unternehmen – sie müssen nur gefunden und umgesetzt werden. An dieser
Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis vermittelt seit 2020 das
Zentrum für Künstliche Intelligenz in MV an der Universität Rostock.
Entstanden ist ein Netzwerk aus Forschern, die alle denkbaren Kompetenzen
im Bereich KI mitbringen, und Unternehmern verschiedener Branchen. Der
Verbund erstreckt sich über ganz Mecklenburg-Vorpommern und wächst ständig
weiter.
Auf Seiten der Forschung gehören unter anderem die Hochschulen in
Stralsund und Wismar sowie die Universität Greifswald dazu, außerdem das
Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung in Rostock. Auch
erfolgreiche Firmen aus dem Land wie Planet AI, deeeper.technology oder
GWA Hygiene sind in dem Netzwerk aktiv. Sie alle nutzen KI bereits und
können ihre Erfahrungen weitergeben.
„Das Zentrum bündelt die Kompetenz, welche KI-Methodik oder welches
Verfahren für eine bestimmte Aufgabe am besten geeignet ist oder wer sich
am besten damit auskennt“, sagt Prof. Kurt Sandkuhl, Inhaber des
Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Uni Rostock und einer der
Initiatoren. „Wir wollen uns im eigenen Land ja keine Konkurrenz machen,
sondern sollten zusammenarbeiten.“
Angeboten werden sowohl kostenlose Breiten- als auch Tiefenberatung sowie
individuelle Coachings für kleine und mittelständische Unternehmen. „Für
die Breitenberatung organisieren wir größere Veranstaltungen oder
Workshops“, erklärt Koordinator Emil Löffler. „Dabei wollen wir generell
informieren und neue Kontakte ermöglichen.“ Einmal im Monat gibt es den
KI-Livestream, in dem Experten über Möglichkeiten, Grenzen und Angebote
sprechen.
Beratung nach Maß
Für viele Unternehmen wichtig ist die individuelle Beratung. Besonders
Technologie-affine Startups nutzen diese Möglichkeit. „Dabei finden wir
heraus, welches Problem es gibt und ob es eine KI-Lösung dafür geben
könnte. Falls ja, greifen wir auf unser Forschungsnetzwerk zurück“, so
Löffler weiter. Jeder der beteiligten Wissenschaftler bringe spezielle
Kenntnisse ein, die je nach Anwendungsfall genutzt werden könnten. „Sie
geben das gern weiter, weil sie an der Umsetzung ihrer Forschung in der
Praxis interessiert sind.“ Wenn alles zusammenpasst, treten Informatiker
und Unternehmer in die Tiefenberatung ein.
KI geeignet für viele Branchen
Ein Beispiel für gelungene Beratung ist die Dr. Diestel GmbH, ein
Rostocker Unternehmen für Lüftungs-, Klima- und Kältetechnik. Gemeinsam
mit der Uni Rostock und der Hochschule Wismar wurde ein Projekt aufgelegt,
in dem es um die Wartung derartiger Anlagen geht. Der Informatiker Dr.
Hannes Grunert erläutert, wie hier KI eingesetzt werden kann: „Einerseits
sollen Störungen erkannt werden, aber auch durch vorsorgliche Wartung
verhindert werden. Und die Anlage soll energiesparender betrieben werden.“
Manchmal wird ein Raum geheizt, obwohl niemand darin ist. Oder die Kühlung
eines anderen Raumes soll nur zu bestimmten Zeiten laufen. Dafür wertet
die KI große Datenmengen aus. „Daraus lassen sich Regeln ableiten, die
vorher niemand bedacht hatte. Die Energieeinsparung der Anlage kann bis zu
einem Drittel betragen“, so Grunert weiter.
Etliche Firmen, die beim KI-Zentrum beraten wurden, arbeiten im
Gesundheitswesen, auf dem Energiesektor oder in der maritimen Wirtschaft.
Und es gibt sogar Beispiele, in denen Technologie-orientierte Unternehmen,
die selbst längst mit KI arbeiten, sich zu bestimmten Fragestellungen beim
Zentrum beraten lassen. „Das Netzwerk funktioniert also in alle
Richtungen“, sagt Löffler.
Finanziert wird das KI-Zentrum MV bis Ende 2023 aus Mitteln des
Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Ein Folgeantrag ist
bereits gestellt.
Das Projekt kooperiert auch mit dem Zukunftszentrum MV, das kleine und
mittelständische Unternehmen unter anderem zu Digitalisierung und KI
berät.
