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Steinmeier: Wegen des Klimawandels Lebensweise und Gewohnheiten ändern

Große Bühne: In einem feierlichen Festakt hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in Osnabrück heute (Sonntag) den diesjährigen Deutschen Umweltpreis in Höhe von gesamt 500.000 Euro in Lübeck vergeben.  Peter Himsel/DBU
Große Bühne: In einem feierlichen Festakt hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in Osnabrück heute (Sonntag) den diesjährigen Deutschen Umweltpreis in Höhe von gesamt 500.000 Euro in Lübeck vergeben. Peter Himsel/DBU
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Große Bühne: In einem feierlichen Festakt hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in Osnabrück heute (Sonntag) den diesjährigen Deutschen Umweltpreis in Höhe von gesamt 500.000 Euro in Lübeck vergeben.  Peter Himsel/DBU
Große Bühne: In einem feierlichen Festakt hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in Osnabrück heute (Sonntag) den diesjährigen Deutschen Umweltpreis in Höhe von gesamt 500.000 Euro in Lübeck vergeben. Peter Himsel/DBU

Deutscher Umweltpreis der DBU „hoch angesehen“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat heute
(Sonntag) in Lübeck Klimaforscherin Prof. Dr. Friederike Otto und Holzbau-
Pionierin Dipl.-Ing. Dagmar Fritz-Kramer „aus ganzem Herzen“ zum
diesjährigen Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
(DBU) gratuliert. Die Gratulation für den „hoch angesehenen“ Preis sei
zugleich „eine erneute Mahnung und Aufforderung an uns alle“, so
Steinmeier in seiner Rede beim Festakt in der Musik- und Kongresshalle.
„Wir müssen uns, unsere Gewohnheiten und unsere Lebensweise noch in vielem
ändern, um der großen Herausforderung des Klimawandels gerecht zu werden“,
sagte er.

Bundespräsident: Kampf gegen Klimawandel muss weiter ganz oben auf der
politischen Prioritätenliste bleiben

Steinmeiers Forderung: „Der Kampf gegen den Klimawandel darf nicht von
seinem Platz ganz oben auf der politischen Prioritätenliste verdrängt
werden“ – auch wenn nun „neue Bedrängnisse im Osten Europas oder im Nahen
Osten“ hinzugekommen seien. In den kommenden Jahren werde zwar „eine
enorme Kraftanstrengung“ erforderlich sein. „Aber die gute Nachricht ist:
Wir haben es selber in der Hand – wir alle, jede und jeder Einzelne in
unserem Alltag“, sagte das Staatsoberhaupt. DBU-Generalsekretär Alexander
Bonde sagte, man müsse den vielen Krisen der Zeit trotzen und nicht in
Verzweiflung geraten. „Denn Panik ist ein schlechter Motor für
Veränderung“, so Bonde. Wie Steinmeier rief der DBU-Generalsekretär zum
Handeln auf, um zu zeigen, „dass wir diese Krisen lösen und bekämpfen
können – nicht mit einem ,Weiter so‘ wie bisher, sondern für eine
Kurskorrektur mit aller Kraft und Energie“. Nach den Worten des
Bundespräsidenten stehen „die Länder der Welt“ auf der in Dubai bald
beginnenden 28. Weltklimakonferenz „in der Pflicht, mit ambitionierten
Maßnahmen alles Menschenmögliche zu unternehmen, um der menschlichen
Zivilisation inklusive Flora und Fauna im besten Sinn des Wortes Luft zum
Atmen zu verschaffen.“

Deutscher Umweltpreis der DBU für „zwei außergewöhnliche Frauen“

In seiner Festakt-Rede nannte Steinmeier Friederike Otto und Dagmar Fritz-
Kramer „zwei außergewöhnliche Frauen“, die beide auf jeweils
unverwechselbare Weise „mit Engagement und Überzeugung“ die Folgen des
Klimawandels bekämpfen. Fritz-Kramer zeichne „jener gute Eigensinn“ aus,
„der im besten Sinn der Wissenschaft durch Ausprobieren und Erfahrung
immer noch klüger macht“. Klimawissenschaftlerin Otto wiederum wirke wie
eine „Klima-Profilerin“ auf der Suche nach der Rolle des Klimawandels bei
Extremwetter wie Stürme, Überflutungen, Hitze oder Dürren, sagte
Steinmeier in Anspielung auf die in True-Crime-Serien nach Zusammenhängen
und Tathergängen forschenden Ermittler.

Wegweisende Forschungsarbeiten für die Zuordnungswissenschaft

Die am Imperial College London arbeitende Klimawissenschaftlerin
Friederike Otto hat sich mit wegweisenden Forschungsarbeiten um die
sogenannte Zuordnungswissenschaft einen Namen gemacht. Die auch
Attributionsforschung genannte Disziplin ergründet, welche Rolle der
Klimawandel beim Wetter spielt – also ob und welche Zusammenhänge zwischen
Klimaverände­rungen und Extremwetter wie Hitzewellen, Dürren,
Überflutungen und Starkregen bestehen. 2015 hat Otto die Initiative World-
Weather-Attribution (WWA) mit begründet und das Verfahren der Attribution
von extremen Wetterereignissen zum menschengemachten Klimawandel
maßgeblich mitentwickelt. Es geht vor allem um drei Faktoren: die schnelle
Veröffentlichung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse über mögliche
Zusammenhänge zwischen globalem Klimawandel und regionalem Extremwetter,
neben Ursachenforschung auch die Darstellung lokaler Folgen der globalen
Klimakrise sowie schließlich drittens Vorschläge für wirksame
Anpassungsmaßnahmen.

Baustoff Holz als hervorragender Klimaschützer

Dagmar Fritz-Kramer ist Geschäftsführerin des in vierter Generation
bestehenden Allgäuer Familienbetriebs Bau-Fritz GmbH & Co. KG, kurz
Baufritz. Das Unternehmen hat sich auf Fertigholzbau bei Häusern,
Wohnungen und Sanierungen spezialisiert. Der Baustoff Holz gilt als
hervorragender Klimaschützer. Denn er speichert große Mengen an
Kohlenstoff und verhindert so die Bildung von klimaschädlichem
Kohlendioxid. Der Gebäudesektor ist schon jetzt ein Schlüsselfaktor, wenn
Deutschland wie geplant bis 2045 klimaneutral werden will: Er verursacht
nämlich hierzulande etwa 40 Prozent der bundesweit jährlich ungefähr 746
Millionen Tonnen Emissionen an klimaschädlichen Treibhausgasen wie
Kohlendioxid (CO2).

„Kreislaufwirtschaft pur“ und die Rettung von Menschenleben

Steinmeier wies auf ein akutes Dilemma des Bausektors hin: Wenn es
inzwischen etwas nicht mehr gebe „wie Sand am Meer“, dann sei das
ausgerechnet Sand – bedingt durch den enormen Verbrauch für Beton und
andere herkömmliche Baumaterialien. Der Bundespräsident: „Wir haben unsere
Behausungen und Städte auf Sand gebaut und können das nicht endlos
fortsetzen.“ Fritz-Kramer habe mit ihrem Betrieb nicht nur ökologisch-
nachhaltige sowie ästhetisch attraktive vorgefertigte Häuser und
Bausysteme entwickelt, sondern biete auch Recycling an. Steinmeier:
„Kreislaufwirtschaft pur, sozusagen.“ Holz sei ein wunderbarer Rohstoff,
so Steinmeier. „Als Sohn eines Tischlers“ dürfe er das sagen. Friederike
Otto habe sich mit dem WWA-Team durch Echtzeit-Informationen über
Zusammenhänge von Klimawandel und Extremwetter große Verdienste erworben.
Sie helfe, „den häufig in die Welt gesetzten Fake News über aktuelle
Wetterphänomene überprüfbare wissenschaftliche Fakten entgegenzusetzen“,
so das Staatsoberhaupt. Und: Ottos Arbeit erlaube Voraussagen, an welchen
Orten aufgrund des Klimawandels Extremwetter drohe – und ermögliche
dadurch Präventions- und Vorbeugungsmaßnahmen, „die Menschenleben retten
können“, sagte Steinmeier.

Hintergrund:
Mit dem 2023 zum 31. Mal verliehenen Deutschen Umweltpreis der DBU werden
Leistungen von Menschen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und
Erhalt der Umwelt beitragen. Kandidatinnen und Kandidaten werden der DBU
vorgeschlagen. Berechtigt dazu sind etwa Arbeitgeberverbände und
Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und Naturschutzverbände,
wissenschaftliche Vereinigungen und Forschungsgemeinschaften, Medien, das
Handwerk und Wirtschaftsverbände. Selbstvorschläge sind nicht möglich.
Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhängiger Expertinnen und
Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen
Gruppen empfiehlt dem DBU-Kuratorium Preisträgerinnen und Preisträger für
das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die endgültige Entscheidung.
Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten:
https://www.dbu.de/umweltpreis sowie https://www.dbu.de/umweltpreis-blog/