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„Klarer Kompass für Klimaschutz“

Der Deutsche Umweltpreis der DBU geht dieses Jahr an Holzbaupionierin Dagmar Fritz-Kramer (2. v. l.) und Klimaforscherin Friederike Otto (3. v. l.) hier zusammen mit DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (l.) und dem DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Kai Niebert.  Peter Himsel | DBU
Der Deutsche Umweltpreis der DBU geht dieses Jahr an Holzbaupionierin Dagmar Fritz-Kramer (2. v. l.) und Klimaforscherin Friederike Otto (3. v. l.) hier zusammen mit DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (l.) und dem DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Kai Niebert. Peter Himsel | DBU
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Der Deutsche Umweltpreis der DBU geht dieses Jahr an Holzbaupionierin Dagmar Fritz-Kramer (2. v. l.) und Klimaforscherin Friederike Otto (3. v. l.) hier zusammen mit DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (l.) und dem DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Kai Niebert.  Peter Himsel | DBU
Der Deutsche Umweltpreis der DBU geht dieses Jahr an Holzbaupionierin Dagmar Fritz-Kramer (2. v. l.) und Klimaforscherin Friederike Otto (3. v. l.) hier zusammen mit DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (l.) und dem DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Kai Niebert. Peter Himsel | DBU

Deutscher Umweltpreis der DBU wird heute in Lübeck verliehen
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit Sitz in
Osnabrück verleiht heute (Sonntag) in Lübeck den diesjährigen Deutschen
Umweltpreis von insgesamt 500.000 Euro, eine der höchstdotierten
Umweltauszeichnungen Europas. Überreicht wird der Preis von
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an Klimawissenschaftlerin Prof.
Dr. Friederike Otto und Holzbau-Pionierin Dipl.-Ing. Dagmar Fritz-Kramer.
Trotz verheerender Kriege wie in der Ukraine und Nahost „machen die beiden
Preisträgerinnen Mut, nicht zu verzagen und Arten- sowie Umweltschutz
anzupacken“, sagten DBU-Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Kai Niebert und
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Ein „klarer Kompass für Klimaschutz“
sei mehr denn je notwendig. Die von Tatjana Geßler moderierte
Veranstaltung wird live übertragen: www.dbu.de/live.

Gefahr fürs Schelfeis und drohende Klima-Kipppunkte

Jüngste Studien bestätigen Nieberts und Bondes Aufruf: So kommt eine
Untersuchung des Polarforschungsprogramms Großbritanniens zum Schluss,
dass das Schelfeis in der westantarktischen Amundsensee komplett
abschmelzen könnte – selbst bei Erreichen des sogenannten 1,5-Grad-Ziels.
Auf der Pariser Weltklimakonferenz hatten sich die beteiligten 200 Staaten
2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5
Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Zudem warnt
ein Bericht der Vereinten Nationen vor irreversiblen Klima-Kipppunkten.
Als Schlüsselrisiken werden – neben der Gletscherschmelze – unter anderem
Artensterben, Dürren, Wassermangel und Weltraumschrott genannt.

Niebert: Nicht nachlassen bei Nachhaltigkeit und Transformation

Bonde verband damit seinen Appell, Klima- und Biodiversitätskrise „als
gemeinsames Aufgaben-Paket zu begreifen. Beides ist untrennbar miteinander
verbunden.“ Der DBU-Generalsekretär erneuerte seine Forderung vom Vortag
auf einem DBU-Symposium zum Thema: „Eine naturverträgliche Ökonomie muss
Standard werden.“ Bonde: „Was Wirtschaft leisten kann, stellt Baufritz-
Geschäftsführerin Dagmar Fritz-Kramer Tag für Tag unter Beweis.“ DBU-
Kuratoriumsvorsitzender Niebert mahnte angesichts der weltweit wütenden
Kriege, „dass wir nicht in Panik und Angst verfallen. Der Weg zur
Nachhaltigkeit und Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft ist
keine Schönwetterpolitik. Wir dürfen hier nicht nachlassen und müssen auch
in größten Krisen handlungsfähig bleiben.“ Ottos Arbeit sei dafür „enorm
wichtig“.

Bonde: Preisträgerinnen sind echte Inspiration und Motivation

Nach Bondes Worten sind Friederike Otto und Dagmar Fritz-Kramer „echte
Inspiration und Motivation, aus den bereits unübersehbaren Folgen der
Erderwärmung zu lernen und noch mehr Umwelt- und Ressourcenschutz
umzusetzen“. Friederike Otto vom Imperial College London habe sich als
„exzellente Klimawissenschaftlerin um die sogenannte
Zuordnungswissenschaft verdient gemacht“. Die auch Attributionsforschung
genannte Disziplin spürt der Frage nach, welche Rolle der Klimawandel beim
Wetter spielt – ob es also Zusammenhänge zwischen Klimaveränderungen und
Extremwetter wie Hitzewellen, Dürren, Überflutungen und Starkregen gibt.
2015 hat die 41-jährige Klimawissenschaftlerin zusammen mit ihrem
mittlerweile verstorbenen niederländischen Kollegen Prof. Dr. Geert Jan
van Oldenborgh die Initiative World-Weather-Attribution (WWA) gegründet
und das Verfahren der Attribution von extremen Wetterereignissen zum
menschengemachten Klimawandel maßgeblich mitentwickelt. Drei Faktoren
zeichnen Ottos Arbeit aus: die schnelle Veröffentlichung wissenschaftlich
fundierter Erkenntnisse über mögliche Zusammenhänge zwischen globalem
Klimawandel und regionalem Extremwetter, neben Ursachenforschung auch die
Darstellung lokaler Folgen der globalen Klimakrise sowie schließlich
drittens Vorschläge für wirksame Anpassungsmaßnahmen.

Gebäudesektor Schlüsselfaktor für Klimaneutralität

Dagmar Fritz-Kramer ist als Geschäftsführerin des Allgäuer
Familienbetriebs Bau-Fritz GmbH & Co. KG, kurz Baufritz, Bonde zufolge
„Ideengeberin für neue Wege im Bausektor“. Das Unternehmen leiste
„vorzügliche Pionierarbeit“ und mache seit Jahrzehnten vor, wie Klima- und
Umweltschutz durch Fertigholzbau bei Häusern, Wohnungen und Sanierungen
gelinge. Baufritz sei Motor für Branche und Bauwende und der Baustoff Holz
„ein exzellenter Klimaschützer, der große Mengen an Kohlenstoff speichert
und auf diese Weise die Bildung von klimaschädlichem Kohlendioxid
verhindert“. Der Gebäudesektor ist ein Schlüsselfaktor, wenn Deutschland
wie geplant bis 2045 klimaneutral werden will: Er verursacht hierzulande
etwa 40 Prozent der bundesweit jährlich ungefähr 746 Millionen Tonnen
Emissionen an klimaschädlichen Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2).
Baufritz verarbeitet nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit Säge- und
Hobelwerken im 120-Kilometer-Radius pro Jahr vor allem „heimisches
Fichtenholz vor der Haustür“. Aus nahezu 11.900 Kubikmetern entstehen etwa
143.000 Quadratmeter Fläche – von Wänden über Dächer bis hin zu Decken.
Jedes Baufritz-Gebäude bedeute eine CO2-Ersparnis von rund 50 Tonnen, pro
Jahr also etwa 12.000 Tonnen Kohlendioxid. Und allein die Sanierung der
Gebäudehülle eines Hauses aus den 1950er-Jahren kann demnach den Verbrauch
an Heizenergie auf rund ein Viertel des ursprünglichen Zustands senken.

Traditionsreicher Handwerksbetrieb und international renommierte
Klimaforscherin

Diplom-Ingenieurin Dagmar Fritz-Kramer ist seit 2004 geschäftsführende
Gesellschafterin im Familienbetrieb, der 1896 seinen Anfang nahm und
mittlerweile in vierter Generation existiert. Klimawissenschaftlerin
Friederike Otto ist eine Leitautorin des sechsten Sachstandsberichts des
Weltklimarats (IPCC).

Daten, Zahlen, Fakten im DBU-Umweltpreis-Blog: https://www.dbu.de
/umweltpreis-blog/

Hintergrund:
Mit dem 2023 zum 31. Mal verliehenen Deutschen Umweltpreis der DBU werden
Leistungen von Menschen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und
Erhalt der Umwelt beitragen. Kandidatinnen und Kandidaten werden der DBU
vorgeschlagen. Berechtigt dazu sind etwa Arbeitgeberverbände und
Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und Naturschutzverbände,
wissenschaftliche Vereinigungen und Forschungsgemeinschaften, Medien, das
Handwerk und Wirtschaftsverbände. Selbstvorschläge sind nicht möglich.
Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhängiger Expertinnen und
Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen
Gruppen empfiehlt dem DBU-Kuratorium Preisträgerinnen und Preisträger für
das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die endgültige Entscheidung.
Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten:
https://www.dbu.de/umweltpreis sowie https://www.dbu.de/umweltpreis-blog/