Restaurierung ist ein Exportartikel „Made in Hildesheim“
Das Hornemann Institut gehört seit stolzen 25 Jahren fest zum
Kulturbetrieb der Stadt Hildesheim mit ihren Weltkulturerbestätten und
trägt als „Global Player“ der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft
und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttinge
zum Erhalt von Kulturgut bei.
„Das Hornemann Institut zeigt sehr gut die ‚DNA‘ einer Hochschule für
angewandte Wissenschaften – sich mit der Region gut zu vernetzen, in der
Stadtgesellschaft beheimatet zu sein, in der sie ihre Standorte hat, aber
eben auch den Transfer der Erkenntnisse zu befördern – häufig auch online-
basiert und international“, erklärte HAWK-Präsident Dr. Marc Hudy beim
Jubiläumsfestakt vor rund 160 Gästen in der Aula der Hochschule.
Was einst 1998 als Projekt für die EXPO 2000 in Hannover begann, könne als
etabliertes Institut am heutigen Tag auf eine beeindruckende Bilanz
zurückblicken, so der Präsident. Das Resümee umfasst 25 öffentliche
Online-Kurse zur Konservierung und Restaurierung in 3 Sprachen, 22 meist
internationale Tagungen mit rund 2640 Teilnehmenden, 54 öffentliche
Vorträge in Hildesheim mit rund 3240 Teilnehmenden, 10 Forschungsprojekte,
23 Bücher, rund 4200 E-Publications, 15 Ausstellungen, 2 Schulprojekte in
der Stadt und ein europäisches, deutsche Newsletter mit rund 2550
Abonnierenden und einen englischen Newsletter, den Menschen in 44 Ländern
lesen. Er dankte der Institutsleiterin Dr. Angela Weyer, die über die 25
Jahre das Hornemann Institut maßgeblich geprägt habe. „Ihr
Aufgabenspektrum ist dabei einfach zu nennen: ‚Alles‘“.
„Ich freue mich sehr, dass mit dem Hornemann Institut eine bedeutende,
weltweit operierende Institution in Hildesheim ansässig ist, die den
Erfahrungsaustausch im Bereich der Restaurierung und der Denkmalpflege
fördert, sowie die Aus - und Weiterbildung von Fachkräften anbietet“,
sagte der Hildesheimer Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer. Als beeindruckend
zukunftsweisend und innovativ benannte er die weichenstellende
Institutsgründung, die die vorhandenen Ressourcen in der Stadt zum ersten
Mal bündelte. Und zwar die heutige HAWK (damals Fachhochschule
Hildesheim), mit ihren sehr bekannten Restaurierungsstudiengängen, die
Universität Hildesheim mit Wissen über internetbasierte Fernlehre und
Weiterbildung und die Stadt Hildesheim mit dem Roemer- und Pelizaeus-
Museum, dessen ehemaliger Leiter Prof. Dr. Arne Eggebrecht die Idee zu dem
auf Weltkulturerbe konzentrierten EXPO-Projekt entwickelte.
„Als kleine Einrichtungen, lokal, sind wir eigentlich kaum lebensfähig.
Auch Forschung braucht immer größere Zusammenhänge und insofern empfinde
ich gerade den internationalen Aspekt des Hornemann Institutes als etwas
extrem Wichtiges. Als Stadt, als Forschungseinrichtungen oder Hochschulen
wollen wir natürlich gesehen werden, aber es ist einfach auch die
Zusammenarbeit, die Weiterentwicklung, Transfer, Austausch und Forschung
erst wirklich möglich macht“, so Prof. Dr. May-Britt Kallenrode. Die
Präsidentin der Universität Hildesheim arbeitete in ihrem Grußwort heraus,
dass es dem Institut, namentlich auch Dr. Weyer, durch ein
außergewöhnliches gutes Gespür vorbildlich gelungen sei, zu
differenzieren, was im Digitalen möglich sei und was im Gegenzug die
persönliche Begleitung brauche.
Gefragt nach den Highlights in den 25 Jahren durch HAWK-Moderator Dr. Ralf
Buchholz, überlegt Dr. Angela Weyer lange, so viel ist in den vergangenen
Jahrzehnten „erstmalig“ in Hildesheim eindrucksvoll an den Start gegangen.
„In jedem Fall die Online-Kurse zu den beiden Alleinstellungsmerkmalen der
HAWK-Studiengänge der Konservierung und Restaurierung an der Fakultät
Bauen und Erhalten: Mikrobiologie und Ethik der Restaurierung von HAWK-
Professorin Dr. Ursula Schädler-Saub und unser Buch ‚1000 Jahre St.
Michaelis in Hildesheim‘. Es ist in einer hohen Auflage gedruckt worden,
längst ausverkauft, und wird nahezu täglich von unserem Fachportal
heruntergeladen“. Auch beim EU Projekt ‚EwaGlos‘ lassen sich tägliche
Downloadzahlen verzeichnen. Das Glossar zur Terminologie der Konservierung
von Wandmalerei mit 70 Mitwirkenden liegt inzwischen digital in 17
Sprachen vor. „So können Fachleute der Konservierung und Restaurierung
sehr schnell international auf einem Niveau diskutieren, weil der
englische Begriff gemeinsam definiert und dann in die einzelnen Sprachen
übersetzt wurde“. Das „EwaGlos“ gilt inzwischen als das Standardwerk in
der Konservierung und Restaurierung von Wandmalerei, fast jährlich kamen
bislang neue Sprachen hinzu.
Das Ziel im Gründungsjahr des Hornemann Institutes lautete,
Restaurierungs-Know-how weltweit via Online-Lernkurse zu verbreiten und
allgemein für die Notwendigkeit der Erhaltung unseres Kulturerbes zu
sensibilisieren und dies in einer Zeit, als das Internet noch in den
Kinderschuhen steckte. „Ich habe damals bewusst auch auf eine analoge
Schriftenreihe gesetzt, weil der Onlinebereich in den 2000ern zu
experimentell war, gerade für Restauratorinnen und Restauratoren“, so
Weyer. Alle Beteiligten haben sich da didaktisch und technisch erst
einarbeiten müssen.
Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter der vergangenen 25 Jahre ließen dann
„25 Jahre Hornemann“ aus ihrer Sicht wieder lebendig werden. Dabei waren
Dr. Annamaria Geiger, ehemalige Kultur- und EXPO-Dezernentin der Stadt
Hildesheim, Prof. Dr. Erwin Wagner, ehemaliger Leiter des Zentrums für
Fernstudium und Weiterbildung der Universität Hildesheim, Prof. Dr. Ursula
Schädler-Saub, vormals ordentliche Professorin der HAWK in den
Studiengängen der Konservierung und Restaurierung, Prof. Dr. Thomas
Vogtherr vom Historischen Seminar der Universität Osnabrück, Dr. Dörthe
Jakobs, Leiterin der Restaurierungswerkstätten des Landesdenkmalamtes
Baden-Württemberg, Prof. Dr. Steffen Laue von der Fachhochschule Potsdam,
Naturwissenschaftler im Studiengang Konservierung und Restaurierung und
Jennifer Oster, Alumna der HAWK-Studiengänge der Konservierung und
Restaurierung und heutige Lehrbeauftragte der HAWK.
Dem Festakt vorangegangen war eine interdisziplinäre Tagung zu
„Pigmentveränderungen in Mal- und Fassungsschichten“. „Das Thema ist in
idealer Weise geeignet, das 25-jährige Bestehen des Hornemann Instituts
würdig zu feiern, da wir uns von Anfang an um eine interdisziplinäre
Objekterforschung und um Erhaltung durch Restaurierungswissenschaften,
Kunstgeschichte sowie Ingenieur- und Naturwissenschaften bemühten. Analog
zur Themenbreite unserer Online-Kurse und des E-Publishings sind auch hier
wieder verschiedene Fachrichtungen der Restaurierung mit einbezogen
worden“, so Dr. Angela Weyer. Pigmentveränderungen könnten die
ursprüngliche Farbwirkung einer Malerei oder Fassung grundlegend
verwandeln und dadurch massiv in die künstlerische Aussage eingreifen. So
könne sich beispielsweise das Pigment Mennige in Bleioxid umwandeln,
wodurch sich ehemals leuchtend rote Bereiche braun bis schwarz einfärben
würden. Im Fokus der vollständig ausgebuchten Tagung standen die
materialwissenschaftliche Analytik und der restauratorische Umgang mit den
Veränderungen.
