Gib dem Menschen (noch mehr) Zucker?
Diabetes mellitus ist gerade in der westlichen Welt weiter auf dem
Vormarsch. Dabei können gesunde Ernährung und Bewegung erfolgreich als
Prophylaxe dienen. Den Weltdiabetestag am 14. November 2023 nimmt
Oberärztin Dr. Melanie Kandulski, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin
I des Universitätsklinikums Regensburg, zum Anlass, um auf mögliche
Auswirkungen einer Zuckererkrankung hinzuweisen.
Die Frage, „Was essen wir denn heute?“, wird täglich millionenfach in
Deutschland gestellt. Die Antwort darauf lautet nur allzu oft: „Packung
auf, Mikrowelle an, fertig!“ Auf die Inhaltsstoffe der Convenience-
Produkte wird dabei wenig geachtet. Dabei lohnt es sich, hier genau
hinzuschauen, denn in vielen Fällen sind in Fertigprodukten große Mengen
an Zucker und Fetten versteckt. Und so geben wir uns tagtäglich dem Risiko
hin, an Diabetes zu erkranken. „Auch wenn wir augenscheinlich auf eine
zuckerarme Ernährung achten und Lebensmittel wie Cola, Schokolade und Co.,
so gut es geht, weglassen, so sind es gerade die versteckten Zucker, denen
wir mehr Beachtung schenken sollten“, erklärt Dr. Melanie Kandulski,
Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I des UKR und
Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie. Wer sich
die Mühe macht, die Packungsbeschreibung zu lesen, selbst zu kochen und
auf frische Lebensmittel zurückzugreifen, reduziert nachhaltig sein
Diabetesrisiko. „Eine gesunde, zuckerarme Ernährung in Kombination mit
Sport und Bewegung sind eine solide Basis, um eine Zuckererkrankung zu
vermeiden. Eigentlich ganz einfach.“
Was ist eine Diabeteserkrankung und wie äußert sie sich?
Unter dem Sammelbegriff Diabetes mellitus werden vielfältige Störungen des
menschlichen Stoffwechsels zusammengefasst, deren Hauptmerkmal die
chronische Hyperglykämie, die Überzuckerung, ist. Daher spricht man auch
von der Zuckerkrankheit. Dabei spielt das Stoffwechselhormon Insulin eine
wichtige Rolle. „Insulin steuert den Kohlenhydratsoffwechsel. Wird es zu
wenig freigesetzt oder kann es nicht ausreichend wirken, kann es eine
Diabeteserkrankung auslösen oder ein Hinweis auf eine bereits bestehende
Erkrankung sein“, so Dr. Kandulski. Hier wird zwischen der eher seltenen
Typ-1-Diabetes-Form und Typ-2-Diabetes-Form unterschieden. Bei der
weltweit häufigsten Form, dem Typ-2-Diabetes, liegt eine verminderte
Wirkung des Insulins vor. Auslöser können neben falscher Ernährung,
Adipositas und Bewegungsmangel auch Erkrankungen anderer Organe oder
Gewebeerkrankungen sein. Symptome für einen Typ-2-Diabetes können häufiges
Wasserlassen, Müdigkeit, Schwindel und starker Durst sein. „Die Anzeichen
können über eine lange Zeit unentdeckt bleiben und erst im Alter zum
Vorschein kommen, weshalb wir hier früher auch von einem Altersdiabetes
sprachen.“
Eine Diabeteserkrankung bringt zum Teil erhebliche Einschränkungen in den
Ernährungsgewohnheiten mit sich und erhöht zugleich das Risiko für weitere
schwerwiegende Erkrankungen. „Herzinfarkte, Schlaganfälle und arterielle
Durchblutungsstörungen sehen wir hier als häufige Folgeerkrankungen. Wenn
man bedenkt, dass viele dieser Erkrankungen durch das Ernährungs- und
Bewegungsverhalten vermeidbar sind, ist klar, dass Prävention eine noch
größere Rolle spielen muss.“ Die Medizinerin sieht hier jeden Einzelnen in
der Verantwortung für seine Gesundheit, wünscht sich aber auch von der
Politik ein stärkeres Bewusstsein für die Folgen zu hohen Zuckerkonsums.
„Der Gesetzgeber kann und sollte noch aktiver werden, um den Zuckerkonsum
zu senken. Sei es durch eine mögliche Zuckersteuer oder ein Verbot zur
Bewerbung ungesunder Lebensmittel.“
